Für den neuen Käse braucht es Geld
Drei Jahre Entwicklungsarbeit, ein neuer Produktionsraum und eine Schweizer Wertschöpfungskette für Lupinen: New Roots hat viel in seinen neuen Hartkäse investiert. Für den letzten Schritt bis zur Markteinführung sammelt das Oberdiessbacher Unternehmen nun Geld über ein Crowdfunding. Die Unterstützung kam schneller als erwartet.
Im September feierte New Roots sein zehnjähriges Bestehen und öffnete dafür die Türen seiner Creamery in Oberdiessbach. Hunderte Besucherinnen und Besucher degustierten Produkte und erhielten Einblick in die Produktion. Zum Jubiläum präsentierte das Unternehmen sein bisher ambitioniertestes Projekt: einen gereiften Schweizer Hartkäse aus Bio-Lupinen.
Der Käse existiert bereits. Kaufen kann man ihn regulär aber noch nicht. New Roots will ihn Anfang Jahr auf den Markt bringen. Für den Schritt von den Entwicklungschargen zur regulären Produktion hat das Unternehmen auf der Plattform «Wemakeit» ein Crowdfunding gestartet. Das erste Ziel liegt bei 80’000 Franken.
Drei Jahre selbst finanziert
Warum braucht ein Unternehmen, das seit zehn Jahren Käsealternativen produziert, für dieses Produkt ein Crowdfunding? New Roots habe die bisherige Entwicklung selbst finanziert, sagt Mitgründerin Alice Fauconnet auf Anfrage von BERN-OST. Das Projekt habe aber deutlich mehr Zeit und Geld benötigt als ursprünglich angenommen.
In den vergangenen drei Jahren floss Geld in das eigene Forschungs- und Entwicklungsteam und in viele Versuche. New Roots arbeitete mit Bauern am Aufbau einer Schweizer Wertschöpfungskette für Lupinen. Auch die Produktionsstätte in Oberdiessbach wurde ausgebaut. Für den Hartkäse entstand ein neuer Produktionsraum.
«Wir haben die bisherige Entwicklung selbst getragen, aber jetzt kommen wir an den Punkt, an dem wir vom R&D-Massstab in eine echte Produktion übergehen müssen», sagt Fauconnet. Dafür brauche es nochmals erhebliche Mittel für die weitere Optimierung und Skalierung, die Reifung, die Verpackung und die Markteinführung.
Lieber Community als Investoren
New Roots hätte für diesen Schritt auch nach externen Investoren suchen können. Das Unternehmen entschied sich dagegen. Die eigene Unabhängigkeit sei wichtig. Deshalb wolle man die Community einbeziehen. «Das Crowdfunding hilft uns nicht, eine Idee zu entwickeln. Der Käse existiert bereits», sagt Fauconnet. Es gehe darum, das über Jahre aufgebaute Projekt über die letzte grosse Hürde bis zur Markteinführung zu bringen.
Die Community reagierte schneller als erwartet. Das Ziel von 80’000 Franken war zum Zeitpunkt der Anfrage bereits fast erreicht. «Nein, ehrlich gesagt überhaupt nicht», sagt Fauconnet auf die Frage, ob man mit dieser Resonanz gerechnet habe. «Wir sind überwältigt davon, wie schnell so viele Menschen hinter dem Projekt standen.»
Für New Roots ist die Unterstützung auch ein Zeichen dafür, dass Interesse an einem solchen Produkt besteht. Das Unternehmen will traditionelles Käsehandwerk mit pflanzlichen Rohstoffen weiterentwickeln. Ist die Marke von 80’000 Franken erreicht, soll deshalb noch nicht Schluss sein. New Roots will das Crowdfunding-Ziel auf 120’000 Franken erhöhen.
Vom Lupinenfeld bis in den Käsekeller
Dass die Entwicklung drei Jahre dauerte, lag nicht an einem einzelnen Problem. New Roots musste nach eigenen Angaben praktisch eine ganze Wertschöpfungskette mit aufbauen. Das beginnt beim Rohstoff. Gemeinsam mit Schweizer Bauern und weiteren Partnern arbeitet das Unternehmen daran, Bio-Lupinen in der Schweiz anzubauen sowie geeignete Sorten und Verfahren zu finden. Danach musste New Roots herausfinden, wie daraus eine möglichst konstante Lupinenmilch hergestellt werden kann.
Und erst dann beginnt das eigentliche Käsen. Welche Kulturen funktionieren? Wie verläuft die Fermentation? Wie bildet sich die Rinde? Wie verändern sich Geschmack und Konsistenz während mehrerer Wochen oder Monate?
«Vieles, was man aus der traditionellen Käseherstellung kennt, lässt sich übertragen, anderes überhaupt nicht», sagt Fauconnet. Immer wieder seien Käse produziert, gereift, degustiert, analysiert, verworfen und angepasst worden. Neben Bauern waren Käserinnen und Käser, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie das eigene Forschungs- und Entwicklungsteam beteiligt.
Marktstart für Anfang Jahr geplant
Mit zusätzlichen Einnahmen über die ersten 80’000 Franken hinaus will New Roots unter anderem die Produktions- und Reifekapazitäten ausbauen und den Herstellungsprozess weiter verbessern. Auch eine Kommunikationsstrategie für die Lancierung soll finanziert werden.
Bis der Lupinen-Hartkäse regulär im Laden liegt, dauert es noch etwas. Einzelne Unterstützerinnen und Unterstützer des Crowdfundings können Entwicklungschargen bereits degustieren. Der reguläre Marktstart ist für Anfang 2027 vorgesehen. Wo der Käse erhältlich sein wird und wie viel er kosten soll, steht noch nicht fest.
New Roots
New Roots wurde 2016 von Alice Fauconnet und Freddy Hunziker gegründet. Das Schweizer Unternehmen stellt pflanzliche Alternativen zu Käse und anderen Milchprodukten her und setzt dabei auf traditionelle Verfahren wie Fermentation und Reifung.
Seinen Produktionsstandort hat New Roots in Oberdiessbach. Dort befindet sich die «Creamery», in der das Unternehmen seine Produkte entwickelt und herstellt. Die Produktion wurde in den vergangenen Jahren ausgebaut. Für den neuen Lupinen-Hartkäse entstand ein eigener Produktionsraum.
2026 feiert New Roots sein zehnjähriges Bestehen. Der neue Hartkäse aus Schweizer Bio-Lupinen ist nach Angaben des Unternehmens sein bisher ambitioniertestes Entwicklungsprojekt.