Fussabdrücke bis zur Terrasse
Frische Fussspuren im Schnee haben Noelle S. aus Wichtrach verunsichert. Die Fussabdrücke führten direkt zu ihrer Wohnung im Parterre und auf gleichem Weg wieder weg. Was zunächst rätselhaft wirkte, entwickelte sich zu einem Thema, das im Quartier und darüber hinaus viele beschäftigt.
Entdeckt hat Noëlle S. die Spuren am Montagmorgen vergangene Woche. «Ich bin sonst schon eher ängstlich. Als ich die Spuren gesehen habe, bin ich zusammengezuckt und war verdutzt», erzählt sie. Die Abdrücke stammten klar von einer einzelnen Person, gross und deutlich, sonst sei nichts zu sehen gewesen. Die Spuren führten direkt zur Terrasse ihrer Parterrewohnung mitten in Wichtrach und danach wieder zurück.
Eine Nachbarin, die am späteren Abend noch mit dem Hund unterwegs war, hatte die Spuren ebenfalls gesehen. Noelle S. selbst war an diesem Abend nicht zu Hause und hatte bei ihrer Rückkehr nicht mehr in den Garten geschaut. Sie dachte auch daran, ob jemand sein Haustier gesucht habe und fragte deshalb bei den Nachbarinnen und Nachbarn nach. «Niemand vermisste ein Tier. Und auch vorher habe ich noch nie jemand aus der Nachbarschaft im Garten gesehen. So etwas ist hier noch nie vorgekommen», sagt sie.
Neue Sicherheitsvorkehrungen
Die Entdeckung liess ihr keine Ruhe. Gedanken an mögliches Auskundschaften oder Herumlungern kamen auf. Zunächst zögerte sie, die Polizei zu informieren. «Ich wollte niemandem zur Last fallen.» Schliesslich meldete Noëlle den Vorfall via Mail bei der Sicherheitsberatung der Polizei aber doch und ist heute froh darüber. Es sei wichtig, dass die Polizei solche Hinweise kenne und mögliche Zusammenhänge erkennen könne.
Obwohl Noëlle S. keinen Kontakt wünschte, meldete sich die Polizei bei ihr. «Zuerst war ich erstaunt, als die Polizei anrief. Jedoch war der Herr sehr freundlich und unterstützend.» Zudem machte er sie darauf aufmerksam, dass die Polizei kostenlose Sicherheitsberatungen auch für Privatpersonen anbiete. Dieses Angebot will sie nun nutzen. Die Rückmeldung durch die Polizei überraschte Noelle S. positiv. Ihr sei klar gesagt worden, dass man sich ungeniert melden dürfe, wenn man so etwas feststelle.
Bereits zuvor hatte Noëlle S. reagiert. Schon im vergangenen Jahr brachte sie Kontaktmelder an Fenstern und Türen an, nachdem sie draussen ungewohnte Geräusche wahrgenommen hatte. « Jetzt habe ich zusätzlich eine Wildtierschutzkamera gekauft», sagt sie.
Sensibilisierung in der Umgebung
Mit ihrem Beitrag in einer Facebookgruppe wollte sie vor allem sensibilisieren: «Mir ging es darum, dass man aufmerksam ist und auch bei den Nachbarinnen und Nachbarn hinschaut. Im Quartier sollte man sich informieren und aufeinander aufpassen.» Der Post löste eine grosse Resonanz aus und zählt inzwischen rund 120 Kommentare. Neben Tipps zum Schutz und Spekulationen zur Täterschaft meldeten sich auch Personen, die von ähnlichen Vorfällen berichteten.
Ein User schrieb von einer vergleichbaren Situation am Gerzensee am letzten Donnerstag gegen halb neun Uhr abends und erwähnte ebenfalls Fussabdrücke sowie die Installation einer Wildkamera. Eine weitere Person verwies auf einen kürzlichen Einbruch in Münsingen. Auch aus dem persönlichen Umfeld von Noelle S. gibt es Parallelen. Bei einer Kollegin in Thun habe es einen ähnlichen Vorfall gegeben. Ein weiterer Facebooknutzer ging in seinem Kommentar sogar von einem Spanner aus.
Für Noëlle S. bleibt vor allem eine Erkenntnis. Wachsamkeit und Austausch im Quartier seien wichtig. «Es ist wichtig die Scheuklappen zu öffnen und wachsam zu sein.»