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GV Biglen: Gemeinde schickt Projekt Dättlig bachab

Die Diskussion rund um die Umzonung des Areals Dättlig in Biglen liess an der Gemeindeversammlung am Dienstagabend die Gemüter kochen. 288 Bürgerinnen und Bürger waren dazu in der Turnhalle erschienen. Sie lehnten das Geschäft mit 153 zu 130 Stimmen ab.

Auf dem Industrieareal beim Bahnhof Biglen soll eine Wohnüberbauung entstehen. (Archivbild: Res Reinhard)
Das zur Überbauung vorgesehene Gebiet liegt in unmittelbarer Nähe eines Bauernhofs (vorne rechts). (Archivbild: Res Reinhard)

Eine Gemeindeversammlung, welche die Gemeinde Biglen so schnell nicht vergessen wird. 288 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nahmen daran teil. Die Turnhalle, in die der Anlass wohlweislich verlegt worden war, platzte aus allen Nähten. Der Grund: Die Zonenplanung und das Bauprojekt in der Zone Dättlig. Konkret ging es bei dem Geschäft um die Planung der Zone für die Realisierung der neuen Überbauung. Zwei Sektoren sollten dabei als Wohnzonen und ein Sektor als Wohn- und Mischzone deklariert werden. Ein Vorhaben, das in der Bevölkerung auf Widerstand stösst. Dementsprechend umfassend und emotional verlief die Diskussion rund um das Geschäft.

 

Hauptsächlich ging es darum, wie die Überbauung das Dorfbild verändern würde und ob die Gemeinde in der Grössenordnung wachsen soll. "Können wir uns das überhaupt leisten? Ich denke nicht", sagte der erste Votant. Er warnte davor, dass bei Realisierung des Projektes mit Sicherheit die Steuern erhöht würden. Und erntete dafür viel Applaus. Immer wieder wurden finanzielle Bedenken geäussert.

 

"Eine Verschandelung des Dorfbildes"

Die Gegner der Überbauung holten in ihren Wortmeldungen weit aus und zogen die Diskussion in die Länge. "Wir haben immer gesagt, wir wollen nicht zu gross werden", sagte ein Votant. "Die Überbauung wäre eine Verschandelung des Dorfbildes."

 

Nicht alle waren mit diesen Argumenten einverstanden. Gemeindepräsident Peter Habegger (FDP) wies die Versammelten darauf hin, dass jeder selber für sich entscheiden kann, ob ihm das Aussehen der Überbauung gefällt oder nicht. Der Gemeinderat sei der Meinung, dass die Überbauung ein Mehrwert für das Dorf wäre. Und dass "ein Wachstum in der Grössenordnung getragen werden kann."

 

Die Befürworter des Projekts nahmen bei Weitem nicht so viel Redezeit in Anspruch wie die Gegner. Aber es gab sie, die positiven Stimmen. Votant Thomas König strich zum Beispiel die wirtschaftlichen Vorteile heraus, die sich seiner Meinung nach ergeben würden. Er nannte Metzgerei und Dorfläden, Gwerbler, die auf Kundschaft angewiesen sind. "Wir erhalten Arbeitsplätze." Andernfalls würde das Gebiet nur verlottern.

 

Auch Christoph Krebs, einer der drei Brüder, denen das Grundstück gehört, äusserte sich zum Geschäft. Er empörte sich darüber, dass seine Vorredner "zum Teil Mist erzählt" hätten. Es sei ihm klar, dass die Planung provoziert. "Aber wenn es heute ein Nein gibt, ist nicht morgen jemand da, der sagt, wir fangen neu an."

 

Die Abstimmung wurde schliesslich auf Wunsch der Gemeindeversammlung hin geheim durchgeführt. Ergebnis: Ein Nein von 153 zu 130 Stimmen.

 

Bereits im Vorfeld war das Projekt kontrovers diskutiert worden und zwei Einsprachen waren eingegangen (wir berichteten).

 

Rechnung ohne Diskussionen

Die Jahresrechnung 2018 war dagegen völlig unumstritten und wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Der Allgemeine Haushalt schliesst - wie budgetiert - ausgeglichen ab, was auf das harmonisierte Rechnungsmodell 2 zurückzuführen ist. Gemäss diesem Modell müssen zusätzliche Abschreibungen vorgenommen und ins Eigenkapital eingelegt werden, wenn im Allgemeinen Haushalt ein Ertragsüberschuss ausgewiesen wird und die ordentlichen Abschreibungen kleiner als die Nettoinvestitionen sind, höchstens aber in der Höhe des Ertagsüberschusses. Der Gesamthaushalt schliesst um rund 40'200 Franken etwas besser ab als budgetiert, ausserdem hat die Gemeinde auch 1,6 Millionen Franken weniger investiert als vorgesehen. Dies liegt vor allem an Projektverzögerungen.

 

[i] Die Beschlüsse an der Gemeindeversammlung

  1. Die Jahresrechnung 2018 wurde einstimmig genehmigt. Die Rechnung schliesst ausgeglichen ab.
  2. Die Zonenplanänderung für die Zone "Dättlig" wurde mit 153:130 Stimmen abgelehnt.
  3. Die Bau- und Kreditabrechnung für die Gesamtsanierung des Alten Sekundar- und Realschulhauses mit einer Kreditunterschreitung von rund 98'850 Franken wurde genehmigt.

Autor
Annalisa Hartmann, annalisa.hartmann@bern-ost.ch
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Erstellt: 25.06.2019
Geändert: 26.06.2019
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