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Gemeindewahlen in Oberdiessbach: Zwei Typen - aber keine Richtungswahl

Wenn die wahlberechtigten Oberdiessbacherinnen und Oberdiessbacher am Sonntag ihren neuen Gemeindepräsidenten küren, haben sie die Wahl zwischen Niklaus Hadorn (SVP) und Stephan Hänsenberger (FDP). Beides sind bürgerliche Männer und doch trennen sie scheinbar Welten.

Stephan Hänsenberger (links) mit Bassgeige und Niklaus Hadorn beim Kochen. (Bilder: Res Reinhard)
BERN-OST im Gespräch mit Niklaus Hadorn.
BERN-OST im Gespräch mit Stephan Hänsenberger.
Zwei Kandidaten stehen am kommenden Sonntag in Oberdiessbach im zweiten Wahlgang um die Nachfolge von Gemeindepräsident Hans Rudolf Vogt (FDP): Niklaus Hadorn (SVP, bisheriger Gemeinderat) und Stephan Hänsenberger (FDP, neu).

In Oberdiessbach ist die FDP traditionell stärkste Partei und stellt seit über dreissig Jahren den Gemeindepräsidenten. Bei den Gemeindewahlen vom 24. September hat nun aber zum ersten Mal die SVP mehr Stimmen erhalten und stellt drei der sechs Gemeinderatsmitglieder. "Mit diesem Anteil sollten wir die Verantwortung übernehmen und auch bekommen", so Hadorn. Demgegenüber meint Hänsenberger: "Ändere nie, was gut funktioniert."

Wohnen am Hang - so oder so

Da es sich bei den Konkurrenten um zwei bürgerliche Männer handelt, wäre es übertrieben, von einer Richtungswahl zu sprechen. Schon eher könnte man es eine Wahl zwischen zwei Lebensstilen und Typen nennen. Selbst da kann man aber mit einer Gemeinsamkeit beginnen: Beide Kandidaten wohnen am Hang.

Stephan Hänsenberger (53), Unternehmer und Sohn des 2014 verstorbenen Alt-Ständerats Arthur Hänsenberger, wohnt in einem grosszügigen Einfamilienhaus weit oben an der Haubenstrasse. Die grosse Wohnküche ist modern und spartanisch eingerichtet, Bilder an der Wand zeugen vom Erbe der Eltern, der Wirlpool neben dem Haus bietet Fernsicht. Hänsenberger lebt seit 22 Jahren in zweiter Ehe mit Isabelle und hat einen erwachsenen Sohn, der im Welschland lebt.

Wer hingegen Niklaus Hadorn (63) besuchen will, verlässt das Dorf und findet den Bauernhof am Ende des Gumiwegs. Vom Haus aus ist die Weitsicht durch einen kleinen Hügel versperrt. Die Küche ist auch hier spartanisch und pieksauber. Anstatt Kunst gibt es aber Kunsthandwerk: Mehrere Stabellen mit Kerbschnitzereien zeugen von Hadorns Vergangenheit als Kranzschwinger. Mit Hadorn leben hier sein Erstgeborener Simon, der vor Kurzem den Hof übernommen hat, dessen Partnerin Ramona und das erste Enkelkind Dominik.

Hänsenberger: "Ich muss mich erst einarbeiten"

Unterschiedlich ist auch der Bezug der beiden Kandidaten zur Gemeindepolitik. Hadorn ist seit 16 Jahren Gemeinderat. (Wie auch der amtierende Gemeindepräsident Hans Rudolf Vogt konnte er die Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren umgehen, da bei der Fusion mit Aeschlen vor sieben Jahren der Zähler auf Null gestellt wurde.) Davor war er während rund zwanzig Jahren in verschiedenen Kommissionen aktiv. Hänsenberger, er wurde am ersten Wahltag mit einem guten Resultat neu in den Gemeinderat gewählt, hat die Politik zwar am elterlichen Küchentisch kennengelernt, gibt aber zu, dass er von der Oberdiessbacher Gemeindepolitik noch nicht so viel weiss. "Ich werde mich erst einarbeiten müssen", sagt er.

Den Aussenblick, den er als Neuling mitbringt, sieht er nicht als Nachteil. Seine Arbeit als Berater im Gesundheitswesen, und davor in der Führung von Pflege- und Gesundheitsinstitutionen, sei stark mit Politik verbunden. "Es wird mit Spitälern, Verbänden und dem Kanton verhandelt und braucht Diplomatie und Verhandlungsgeschick." Er betont, dass jemand Neues frischen Wind in ein Gremium bringe. Auch Konkurrent Hadorn will Hänsenbergers Aussenseiterposition nicht nur als Nachteil sehen. "Ein Quereinsteiger kann neue Ideen bringen", sagt er dazu.

Hadorn: "Man wird nur für vier Jahre gewählt"

Nicht ganz gelten lassen mag Hadorn dafür ein anderes Argument von Hänsenberger. Mit dem Wahlspruch "8 Jahre Garantie - Mindestens" macht dieser darauf aufmerksam, dass Hadorn in vier Jahren wegen (diesmal definitiv) erreichter maximaler Amtsdauer weder als Gemeinderat noch als Gemeindepräsident wieder antreten dürfte. "Gewählt ist man sowieso nur für vier Jahre", gibt Hadorn zu bedenken. Da er seit neun Jahren unter Vogt Vize-Gemeindepräsident sei, kenne er die Geschäfte schon sehr gut und könne ohne grossen Einarbeitungsaufwand direkt loslegen.

Die beiden Kandidaten unterscheiden sich in ihrem Auftreten, ihrem Lebensstil und -hintergrund ganz ohne Zweifel deutlich. Doch wie sieht es politisch aus? Immerhin stehen sich FDP und SVP in der Schweiz in vielen Fragen sehr nahe, und jene, in denen sie sich unterscheiden spielen lokal kaum eine Rolle. "Vielleicht ist die FDP etwas freigiebiger mit Geld als wir", meint Hadorn zuerst, relativiert dann aber: "Manchmal ist es aber auch umgekehrt."

[i] Siehe auch News-Berichte
"Gemeindewahlen Oberdiessbach: Zweiter Wahlgang ums Präsidium, SVP gewinnt Sitz der SP" vom 24.9.2017
"Oberdiessbach - Wer wird der neue Gemeindepräsident?" vom 17.11.2017

Autor
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
Nachricht an die Redaktion
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Erstellt: 22.11.2017
Geändert: 22.11.2017
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