Glocken läuten als Zeichen der Verbundenheit
Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana gedenkt die Schweiz heute Freitag der Opfer. Auch zahlreiche Kirchgemeinden in der Region beteiligen sich am nationalen Trauertag mit Glockengeläut, offenen Kirchen und Momenten der Stille.
In der Silvesternacht ereignete sich in Crans-Montana eine schwere Brandkatastrophe. Innert kurzer Zeit kamen zahlreiche Menschen ums Leben, viele weitere wurden schwer verletzt. «Dass in einer Nacht, die mit Fröhlichkeit und Feiern verbunden ist, innert wenigen Minuten so viele Menschen sterben, trifft uns völlig unvorbereitet», sagt Pfarrer Luc Hintze von der reformierten Kirchgemeinde Stettlen. Die räumliche Nähe spiele ebenfalls eine Rolle: «Wir sind nicht weit entfernt, wir hätten auch selbst betroffen sein können.» Besonders die vielen jungen Opfer stimmten viele Menschen nachdenklich.
Als Zeichen der Anteilnahme haben der Bundesrat und die Schweizer Kirchen den heutigen Freitag, 9. Januar 2026, zum nationalen Trauertag erklärt. Um 14.00 Uhr erklingt in der ganzen Schweiz der Stundenschlag, anschliessend folgt ein fünfminütiges Glockengeläut. Während dieser Zeit ist die Bevölkerung eingeladen, still zu werden, zu beten und der Verstorbenen zu gedenken. «Die Trauernden sollen nicht alleine dastehen», betont Hintze. «Ein nationaler Trauertag bedeutet für uns, dass wir uns mit dem Leid anderer Menschen solidarisieren.»
Ein Klang für viele
Das Glockengeläut sei auch ein Zeichen des Dankes. Gedacht werde an alle, «die mit unermüdlichem Einsatz dafür sorgen, dass eine solche Krise bewältigt werden kann», insbesondere an Rettungskräfte sowie an Menschen im medizinischen, psychologischen, seelsorgerlichen und politischen Dienst, schreiben reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.
Zahlreiche Kirchgemeinden aus der Region beteiligen sich am schweizweiten Geläut. In Vechigen, Walkringen und Wichtrach läuten die Glocken und die Kirche ist offen und steht der Bevölkerung zur Verfügung. Ebenso geläutet wird in Münsingen, Kleinhöchstetten, Grosshöchstetten, Zäziwil-Mirchel, Bowil-Oberthal und Linden. In Bolligen ist die Kirche offen, zudem stehen genügend Kerzen bereit für alle, die eine Kerze anzünden möchten.
Ein besonderes Gebet
Auch in Stettlen ist die Kirche den ganzen Tag offen. «Unsere Kirche ist das ganze Jahr über täglich geöffnet», sagt Hintze. «Die Bevölkerung ist es gewohnt, hereinzukommen, eine Kerze anzuzünden oder ein Gebet zu sprechen. Das wird auch heute so sein.» In der Kirche liege zudem immer ein Buch auf, in das Gedanken und Anliegen geschrieben werden können. «Ich stelle mir vor, dass dieses am Trauertag vermehrt genutzt wird.» Zusätzlich werde ein spezielles Gebet aufliegen, das gemeinsam mitgebetet werden könne. «Ich selbst bin in dieser Zeit in der Kirche anwesend und will da sein für Menschen, die ein Gespräch suchen.»
Beim Glockengeläut komme kein spezielles Intervall zum Einsatz. «Wir lassen das volle Geläut erklingen, wie an den meisten Orten in der Schweiz», erklärt der Pfarrer. In Stettlen seien es drei Glocken, «so wie man sie auch an einem Sonntagmorgen hört».
Bewusstsein schaffen
Aus kirchlicher Sicht sei es wichtig, der Trauer bewusst Raum zu geben. «Trauer braucht Zeit», sagt Hintze. «Tage und Zeiten der Trauer sind fest in der biblischen und kirchlichen Tradition verankert. Das Innehalten ist ein wichtiger Schritt für die Verarbeitung.» Gleichzeitig richteten viele Menschen ihre Fragen und Bitten an Gott. «Das haben Menschen seit Jahrhunderten getan und dabei Entlastung und Trost erfahren.»
Auch für jede und jeden Einzelnen könne der Tag eine Wirkung entfalten. «Der kurze Unterbruch unserer Arbeit lenkt den Blick weg von uns selbst hin zu anderen», findet Hintze. Einerseits erinnere man sich nochmals bewusst an jene, «für die sich mit dem Brand in Crans-Montana alles verändert hat». Das Glockengeläut sei ein hörbares und sichtbares Zeichen von Mitgefühl und Verbundenheit. Andererseits werde die eigene Verletzlichkeit spürbar. «Unser Leben, unsere Gesundheit und unsere Gemeinschaft sind nicht selbstverständlich. Solche Momente helfen uns, den Fokus wieder auf das Wesentliche zu legen.»
Bernmobil beteiligt sich am nationalen Gedenken. Das Verkehrsunternehmen teilt mit, dass um 14 Uhr alle Trams und Busse für 20 Sekunden stillstehen werden, um der Opfer zu gedenken und ihre Verbundenheit mit allen Betroffenen auszudrücken. Zudem hissen viele offizielle Gebäude die Flaggen auf Halbmast oder zeigen die Flagge des Kantons Wallis. Laut «Blick» haben die SBB-Lokführer die Erlaubnis, um 13.58 Uhr mit der Zugspfeife ihr Gedenken zu bekunden, und um 13.55 Uhr wird in den Zügen per Durchsage auf die Schweigeminute hingewiesen.
Die offizielle Trauerfeier für die Angehörigen findet am Freitagnachmittag im Expo-Center von Martigny im Kanton Wallis statt. Die Feier wird live im Fernsehen auf SRF 1 und 2 übertragen.