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Grafgrün an der Giardina: "Das ist schon etwas!"

Die Oberdiessbacher Firma Grafgrün war dieses Jahr erstmals an der Gartenmesse Giardina in Zürich. Simon Graf erzählt, wie es dazu kam.

Simon und Isabelle Graf: Ein Team zuhause, im Büro und in Zürich. (Bilder: Anina Bundi)
Simon Graf (rechts) mit Gastgeber Tom Eisenhut.
"Ich bin dann mal weg!"
Einheimisch und waldig.
Der Stand an der Giardina.
Tierbilder von Eisenhut, Garten von Graf.

Am Anfang stand ein Hochstammapfelbaum, den die Gärtner und Gärtnerinnen von Grafgrün fällen mussten. In Ittigen auf einer Wiese stand er, etwa 70 oder 80 Jahre alt, und war innen ganz hohl. 

 

Nach zwei, drei Kafis die Idee

"Ich habe sofort an Tom gedacht, ob er damit wohl etwas anfangen könnte", erzählt der Oberdiessbacher Gartenbauunternehmer Simon Graf. Tom Eisenhut  ist Künstler und Zimmermann in Herbligen, naturaffin und malt Lehmbilder: oder "Poesie in Lehm". Nach zwei, drei Kafis  die Idee: Der Gärtner und der Künstler gehen gemeinsam an die Giardina. Eisenhut nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal in der renommierten Halle 1, Graf als sein Gast (BERN-OST berichtete). Mit dabei: Der hohle Baum.

 

Er habe schon überlegen müssen, ob sich der Aufwand lohne, sagt Simon Graf. Gemeinsam mit seiner Frau Isabelle führt er nicht nur eine Firma mit inzwischen 10 Gärtnern, davon zwei Lehrlinge. Das Paar hat auch drei Kinder zwischen 1 1/2 und 7 Jahren, ein viertes ist unterwegs.  Schliesslich hätten sie sich aber einen Ruck und die Kinder zum Hüten gegeben: "Als Gärtner an die Giardina zu gehen, ist schliesslich schon was!"

 

"Ich bin dann mal weg!"

"Ich bin dann mal weg" ist auch das Motto des gemeinsam gestalteten Messestands. Herzstück ist ein Gemälde von Eisenhut, das einen Damhirsch zeigt, von hinten, kurz bevor er im Nebel verschwindet. Den Vordergrund der altarähnlichen Nische hat Graf gestaltet. Mit Farnen und Gräsern, Natursteinplatten und einem der Hauptäste des hohlen Apfelbaums. "Es sollte einheimisch und einfach sein und zum Thema Wald passen", erklärt Graf.

 

Im Hauptteil, vor Eisenhuts Tierbildern, ein Natursteinmäuerchen, bepflanzt mit Gräsern und einem kleinen, blühenden Kirschbaum. Daneben eine mehrstämmige Arve und Felsenbirnensträucher. Letztere am ersten, nicht öffentlichen Tag der Giardina noch mit Knospen, später werden sie blühen. Perfekt getaktete Gärtnerarbeit. Der hohle Baumstamm  steht als Säule am Messestand. Hier posieren Simon und Isabelle Graf für ein Bild.

 

"Es sollte immer irgendwo etwas blühen"

Hierhin zu kommen war aufregend, sicher. Und ein gewisser Stress, in kurzer Zeit einen Grafgarten zu planen und in dieser ungewohnt künstlichen Umgebung  aufzubauen. Ohne echten Boden, ohne natürliches Licht oder frische Luft. Im Maschinenlärm der Grossfirmen, die direkt nebenan ihre Riesenstände aufbauten.

 

Trotzdem wirken die beiden erholt. Zwei Tage weg von den Kindern, ein Feierabend ohne weitere Verpflichtungen, als an einem schönen Ort etwas Wein zu trinken, mit Gästen zu plaudern und durch die zum Teil bombastisch beleuchteten und beschallten Showgärten zu flanieren: Für Eltern sind das Ferien. "Auch wenn wir die Buben schon nach wenigen Stunden vermissen", wie sie betonen.

 

Da stört nicht einmal ein langes Gespräch über Lieblingsgärten. "Ein schöner Garten ist pflegeleicht und langfristig schön", sagt Simon Graf. Im besten Fall blühe immer irgendwo etwas.

 

Zaubernuss und Küchenschelle

Natürlich bietet er mit seinen Mannen alles an: Wege, Plätze, Natursteinmauern, Baum- und Rasenpflege. Doch richtig ins Schwärmen kommt er, wenn er über Pflanzen redet. "Pflanzen sind Lebewesen. Sie müssen am richtigen Ort stehen." Seine persönlichen Lieblingspflanzen: Die Zaubernuss (Hamamelis), ein Kleinbaum, der mit seinen gelben Blüten vor allem anderen, oft noch in Eis und Schnee, Farbe in die Gärten bringt. Und die einheimische Küchenschelle (Pulsatilla), die im Frühling blau, lila oder rosa blüht, seidig behaarte Blätter hat und nach der Blüte noch lange einen charmanten Fruchtstand zeigt, sie ist mehrjährig und genügsam.

 

Zuhause ein Labor

Zuhause haben Grafs keine ausgeklügelten Staudenpflanzungen, sondern einen Grillplatz, einen Gemüsegarten, den Isabelle Graf macht, und eine Hostet mit Äpfeln, Zwetschgen, Pflaumen, Birnen und Quitten. Auf 1000 Metern über Meer sei der eigene Garten  auch ein Versuchslabor, was auf dieser Höhe überhaupt noch gedeihe, sagt Simon Graf. Küchenschellen wachsen, der Zaubernuss war es zu hoch oben. "Es geht erstaunlich viel."


Autor
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 13.04.2019
Geändert: 13.04.2019
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