• Region

Feuerwehrkommandant Markus Joss: „Grosser Respekt vor der letztjährigen Arbeit“

2018 verzeichnete die Feuerwehr Münsingen soviele Einsätze wie noch nie. Machten die Stürme und Unwetter in der ersten Jahreshälfte zwar einen grossen Anteil der Einsätze aus, so sind es über das ganze Jahr verteilt eine Vielzahl verschiedener Anlässe, welche das Ausrücken der Feuerwehr nötig machten. Feuerwehrkommandant Markus Joss analysiert das vergangene Jahr.

Über 100 Schadensmeldungen innerhalb weniger Stunden: Am 26. Mai 2018 führte ein heftiges Unwetter unter anderem zu Überschwemmungen. (Bild: Archiv BERN-OST)
Einsatz-Marathon: Einen Tag nach dem Sturm Burglind wurde die Feuerwehr Münsingen zu einem Brand in einem Mehrfamilienhaus gerufen. (Bild: Archiv BERN-OST)
Zig umgestürzte Bäume: Markus Joss beurteilte die Lage in Münsingen nach dem Sturm Burglind als "katastrophal". (Bild: Archiv BERN-OST)

115 Einsätze sind auf der Webseite der Feuerwehr Münsingen für das letzte Jahr aufgelistet. Einen darf man abziehen: Am 13. Oktober drehte die Mannschaft einen Spassfilm für die sogenannte Cold Water Grill Challenge (wir berichteten). Für Joss ein besonderes Erlebnis: "Wir hatten einen super Morgen und es war ein tolles Teambuilding."

 

Auch ohne diesen ausserordentlichen Einsatz, zu dem 25 Feuerwehrleute ausrückten, ist die Zahl beachtlich. "Zu den 114 richtigen Einsätzen kommen noch etwa siebzig Übungen hinzu", ergänzt Joss. Rund 2600 Ernstfalleinsatzstunden hat er zusammengezählt. "Das ist ein sehr hoher Wert."

 

Dauereinsatz im Mai

Der mit Abstand gewaltigste verzeichnete Einsatz ist jener des Unwetters vom 26. Mai 2018. "Innerhalb weniger Stunden gingen bei uns über hundert Meldungen ein", so Joss. Der Dauereinsatz der Feuerwehr Münsingen, welcher mit Wasser überfluteten Kellern und Garagen und umgestürzten Bäumen galt, ist entsprechend als einzelner Einsatz verzeichnet.

 

Am häufigsten rückte die Feuerwehr aufgrund von automatischen Brandmeldungen aus.37 Mal waren so im vergangenen Jahr im Durchschnitt sieben bis zwölf Feuerwehrleute im Einsatz. Feuer und Rauch machen mit zusammengerechnet 21 Einsätzen die zweitgrösste Gruppe aus.

 

Burglind: 13 Einsätze an einem Tag

Ausgenommen des 26. Mai leistete die Feuerwehr Münsingen wegen Wasser und umgestürzter Bäume mit je 14 Mal am drittmeisten Einsätze. Bei den Bäumen fallen allerdings 13 Einsätze auf einen Tag: Den 3. Januar, als Sturmtief Burglind über die Region fegte.

 

Weitere neun Einsätze erfolgten wegen Ölverlusten. Technische Hilfe, Verkehrsregelung, Unfälle, Fehlalarme, Personenunfälle und Tierrettungen sind mit einem bis drei Einsätzen die kleinsten Posten. Einmal half die Münsinger Feuerwehr auch in Wichtrach aus.

 

Vierzig-Stünder im Januar

Besonders intensiv beansprucht wurde die Feuerwehr am erwähnten 3. Januar und auch am Tag danach: Nach Burglind brach am 4. Januar in einem Mehrfamilienhaus ein Feuer aus. "Wir standen am 3. und 4. Januar zirka vierzig Stunden im Einsatz", sagt Joss.

 

Die Einsatzmarathons vom Januar und Mai sind auch das, was Joss besonders in Erinnerung bleibt vom vergangenen Jahr. "Die langen Einsätze waren sehr herausfordernd", sagt er und erinnert daran, dass alle Feuerwehrleute neben ihrem freiwilligen Engagement Familie und Job haben.

 

Keine Unfälle auf Feuerwehrseite

"Ich bin sehr zufrieden mit der geleisteten Arbeit, habe grossen Respekt davor und bin unseren Leuten dankbar für ihre Leistungen bei den Einsätzen und Übungen", sagt Joss. Er ist auch froh darüber, dass es dabei auf der Seite der Feuerwehr zu keinem einzigen Unfall kam.

 

Dankbar ist Joss auch für die Zusammenarbeit mit der Gemeinde. "Die funktioniert sehr gut und ich spüre die Unterstützung von Verwaltung und Politik", so Joss.

 

Zehn Neue rekrutiert

Die Feuerwehr Münsingen ist eine komplette Miliz-Feuerwehr. "Wir haben zirka 70 Freiwillige, von denen im letzten Jahr alle mindestens einmal im Einsatz standen", so Joss.

 

Er freut sich auch, dass es ihnen 2018 gelungen ist, zehn neue Leute zu rekrutieren, darunter sechs Frauen. "Von den zehn neu Rekrutierten arbeiten vier auf der Gemeindeverwaltung", streicht Joss die gute Verbindung zu selbiger heraus.

 

Zusammenarbeit wichtig

In Anbetracht des Härtetests des vergangenen Jahres stellt Joss fest, dass die Feuerwehr über genügend Personal verfügt. "Wir haben auch Leute aus Trimstein und Tägertschi, welche in der Nähe sind. Zudem bieten wir auch Leute auf, welche in Münsingen arbeiten, eigentlich aber in einer anderen Feuerwehr an ihrem Wohnort sind", erläutert Joss.

 

Diese Form der Zusammenarbeit sei in den letzten Jahren aufgekommen und werde weiter verfolgt. Generell sei die Feuerwehr Münsingen an mehr Zusammenarbeit unter den Feuerwehren im Aaretal interessiert.

 

Komplexe Bauten machen Arbeit

Darüber, was das nächste Jahr bringt, kann Joss keine Prognose aufstellen. Ein Thema, welches die Feuerwehr aber zunehmend beschäftigen werde, seien grosse Baukomplexe, wie sie in Münsingen derzeit vermehrt entstehen. "Wir müssen die Gebäude kennen und wissen, wo sich Zugänge, Treppen und Lüftungen befinden", sagt Joss.

 

Dafür erstelle die Feuerwehr in Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den Architekten schon vor dem Bau ausführliche Fachberichte. Noch sei dieser Aufwand im Miliz-System zu bewältigen. "Wenn dies nicht mehr gehen sollte, müssen aber verschiedene Aufgaben in die Verwaltung gegeben werden, wo jemand dafür angestellt ist", so Joss.


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
Nachricht an die Redaktion
Statistik

Erstellt: 11.01.2019
Geändert: 11.01.2019
Klicks heute:
Klicks total: