Neue Pächterin im Badi Beizli Biglen

Gute Laune trotz schlechtem Wetter

Die meisten Badis der Region eröffnen trotz wenig sommerlicher Temperaturen dieses Wochenende die Saison. Die Badi Biglen nicht. Das Badi Beizli hingegen ist bereits seit Anfang Mai geöffnet und lädt zum gemütlichen Mittagessen oder zum Kafi: Die neue Pächterin Christine Mosimann, Köchin und Servicefachfrau mit Wirtepatent, ist auch bei wenig Sonne bereits mit viel Schwung an der Arbeit.

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Christine Mosimann lässt sich vom schlechten Wetter nicht abhalten, ihr Badi Beizli ist seit Anfang Mai geöffnet. (Foto: cw)

Es ist nass und kühl an diesem Mai-Nachmittag, und auch über die Auffahrtstage sind Regen, Wolken und kühle Temperaturen angesagt. Nicht ideales Badiwetter. In Biglen spielt das keine grosse Rolle: Das betonierte Schwimmbecken ist ohnehin noch leer, es wird erst gegen Ende Mai mit frischem Wasser aufgefüllt, die Badisaison startet am 30. Mai. Trotzdem lohnt es sich jetzt schon, den Weg durch die Eisenbahnunterführung in den Froschbühl auf sich zu nehmen und beim unscheinbaren Metalltor einzutreten: Das Badi Beizli ist den ganzen Mai hindurch ganztags geöffnet.

 

Ein eigenes kleines Paradiesli

Seit zwei Wochen ist Christine Mosimann daran, ihr kleines Paradiesli einzurichten: Sie hat aus der Brockenstube ihrer Freundin Gestelle, einen Wandspiegel und Dekoration mitgebracht, Kindertische organisiert und einen Stapel Zeitschriften ins Regal gelegt: In ihrem Beizli sollen sich die Gäste genauso wohl fühlen wie sie. Begeistert zeigt sie auf die grüngewellten Hügel rundum, auf der einen Seite bimmeln Schafe, auf der anderen Seite hüpfen Känguruhs und Ziegen, und hinter dem Schwimmbecken grasen Gallowayrinder oder Schottische Highlander, das ist nicht genau zu sehen. «Jedenfalls gefallen sie mir, und es ist wunderschön hier», strahlt Christine Mosimann.

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Deko aus der Brockenstube: Die Gäste sollen sich im Beizli wohl fühlen. (Foto: cw)

Badibeizlibetrieb macht ihr Spass

Die 57-Jährige mag die ländliche Umgebung, in der alle per Du sind, und freut sich, wenn die Pöstlerin auf ihrer Runde auf einen Kaffee vorbeischaut. Kurz, sie ist schon richtig angekommen in ihrem Sommerbeizli. Dabei hätte sie eigentlich im Sinn gehabt, den Sommer auf einer Alp zu verbringen, und war nur zufälligerweise über die Ausschreibung von Biglen gestolpert. Die Gastronomin mit jahrzehntelanger Berufserfahrung überlegte nicht lange: Sie hatte bereits in der Badi Lützelflüh gearbeitet, «eine Badi mit wesentlich mehr Eintritten pro Tag», und mag den Badibeizlibetrieb.

 

Auch der Kontakt mit Menschen

Auch die Gemeinde zögerte nicht: Eine diplomierte Köchin und Servicefachfrau mit Wirtepatent war sofort willkommen. Christine Mosimann wiederum passt auch der Arbeitsweg von Rüegsauschachen, wo sie sie mit ihrem erwachsenen Sohn in einem Haus wohnt. Mit dem Auto sei sie schnell da, und der räumliche Abstand passe ihr gut: «So kann ich mich nach zehn Stunden Arbeit zurückziehen und etwas Ruhe geniessen.» Tagsüber jedoch liebt sie den Kontakt mit Menschen, auch im Restaurant Sagi Rinderbach konnte sie es gut mit den Gästen: Wenn sie im Herbst die Türen des Badi Beizli für diese Saison schliesst, wird sie wieder dorthin zurückkehren.

Kochbücher, Pfannen und Geschirr transportiert 

Jetzt jedoch ist die neue Pächterin sozusagen mit fliegenden Fahnen in Biglen eingezogen. Den Schlüssel habe sie zehn Tage früher erhalten, von da an transportierte sie täglich ihr Kochbücher, Pfannen und Geschirr in die Badi. Für die neue Kaffeemaschine und die Sonnenstore sorgte die Gemeinde, während Glacekühltruhe und Frigo für die Getränke von den jeweiligen Lieferanten zur Verfügung gestellt und jeweils neu befüllt werden. Damit war Christine Mosimann für den Start bereit.

 

Pommes und Salatteller waren im Nu weg

Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, stand sie früh in der kleinen Küche in Biglen und bereitete die erste Runde Mittagessen vor. Der Eröffnungstag sei bisher am besten gelaufen, sagt sie: «Pommes, aber auch Salatteller mit Rüebli, Mais und Pouletstreifeli waren im Nu ausverkauft.» Seither hat Christine Mosimann jeden Tag geöffnet, und trotz Wetterpech läuft es bisher gut. «Die Leute schätzen es, in Biglen noch einen Ort zu haben, an dem sie sich zum Essen oder auf einen Kaffee treffen können.»

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Mit etwas wärmerem Wetter wäre das Badi Beizli voll mit Gästen. (Foto: cw)

Handwerker und Mütter mit ihren Kindern

Sie schaut über den Tresen und lässt den Blick über die kleine Badiwiese und die schönen Bäume schweifen. Auch an diesem Mittag sind wie an den Tagen zuvor die Handwerker aus der Umgebung zum Essen vorbeigekommen, nachmittags treffen sich manchmal Freundinnen mit ihren Kindern auf einen Kaffee und eine Glace. Jetzt werde wohl niemand mehr kommen, vermutet sie, aber das stört sie nicht: «Ich bin einfach von acht bis fünf Uhr hier, und wenn niemand kommt, kann ich vorkochen oder das Beizli verschönern.»

 

Käsewurst mit Röstzwiebeln

Langweilig wird es Christine Mosimann jedenfalls nicht: Am Morgen hat sie Suppe püriert zum Einfrieren und ein paar Salatteller vorbereitet. «Oder ich kann nach Lust und Laune mal Gipfeli, mal Berliner backen oder einen Zwetschgenkuchen oder ein Zitronencake – das geht grad sofort weg.» Ihre Spezialität sind bunte Salatteller oder Käsewurst, das ist eine spezielle mit Käse gefüllte Schweinswurst, die mit Fondue und Röstzwiebeln in ein Brötchen geklemmt wird.

Sie mag es abwechslungsreich

«Eine gedrucke Speisekarte gibt’s bisher bei mir nicht», sagt sie mit einem Lachen. «Ich habe so viele Ideen, dass ich oft spontan das anbiete, was ich selbst gerne mag.» Zwei Gäste, begeisterte Hobbyfischer, hätten ihr schon angeboten, ab und zu einen Fisch vorbeizubringen, und in ihrem Kopf wirbelt es vor Ideen: Ein feines Steak mit Beeren und Melone möchte sie im Sommer anbieten, Gemüse im Gläsli, Salat und Tartarsauce, Birchermüesli oder ein Clubsandwich mit Toast – auch wenn das alles nicht typische Speisen für ein Badi Beizli sind. «Natürlich müssen aber auch Nuggets und Knusperli und Pommes sein.»

 

Im Beizli kann sie sich kreativ ausleben

2030 wird die Badi Biglen 100-jährig. Schon jetzt fühlt sich Christine Mosimann so heimisch, dass sie sich durchaus vorstellen kann, bis dahin im  Winter in der Sagibach-Beiz zu arbeiten und den Sommer im Badi Beizli zu verbringen. Sie werde von der Gemeinde ringsum super unterstützt, lobt sie, und findet, in dieser schönen Landschaft fühle sich Arbeit sofort nicht mehr gleich streng an. «Und vor allem kann ich machen, worauf ich gerade Lust habe, und mich kreativ ausleben.»

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Christine Mosimann hat den Metalltisch ersetzt, der neue, gemütliche Stammtisch ist aus Holz. (Foto: cw)

Der neue hölzerne Stammtisch

Den kühlen blechernen Stammtisch hat sie bereits durch einen gemütlichen Holztisch ersetzt, ringsum Blumenkübel aus der Brockenstube mit Kräutern bepflanzt. Ausserdem liebt sie Streifzüge durch Brockenstuben und trägt von dort hübsche Glasschüsseln, Kreide und Spielzeugautos für die Kinder herbei. Und im Sommer, wenn das Wetter hoffentlich heiss und schön ist, werden ihr Wochenplätzlerinnen und Wochenplätzler helfen und Schläckiseckli abfüllen, abwaschen oder Gemüse schnitzeln.

 

Sobald es warm wird, kommen alle gern

Auf dem gläsernen Dach prasselt der Regen immer lauter. Christine Mosimann zieht ihre Jacke enger, sommerlicheres Wetter wäre schon schön. Vor allem für Auffahrt hätte sie das ihren Gästen und sich selbst gewünscht. Momentan hält sie sich daran fest, dass mit dem Wasser vielleicht auch das warme Wetter kommt. Dann muss sie sich um zu wenig Gäste nicht mehr sorgen: «Alle kommen gern in die Badi!»

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Die Badi Biglen als Kraftort: Christine Mosimann liebt den Blick in die Bäume und zu den Tieren ringsum. (Foto: cw)

Spezialangebot für Feste

Ein besonderes Angebot hat sich Christine Mosimann für jene überlegt, die das Badi Beizli für ein Fest reservieren möchten: «Wenn jemand bei mir feiert, gehen die alkoholfreien Getränke des Apéros auf meine Kosten.» Für alle, die jetzt neugierig geworten sind: Sie ist auch am Samstag und Sonntag vor Ort anzutreffen, «und über Pfingsten bin ich ebenfalls da!». Bis dahin ist vielleicht sogar der Sommer in die Gänge gekommen, sie freut sich jedenfalls schon auf einen lebhaften Betrieb. 

Vom Beizlipächter zum Bademeister

Vorher führte Thomas Riedo, 43, zwei Jahre lang mit seiner Frau Rebekka das Badi-Beizli. Jetzt tausche er die Kochschürze mit der Badehose, sagt er im BigleBach: Er nimmt ab dieser Saison seine neue Aufgabe als Badmeister in der Badi Biglen wahr.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 15.05.2026
Geändert: 15.05.2026
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