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Zwei Konkurse im Event- und Gastrobereich: "Wollten uns durchseuchen, aber es ging nicht"

Firmen, die ihr Geld mit Events, Gastronomie und Veranstaltungen verdienen, steht das Wasser bis zum Hals. Zwei Firmen aus der Region Bern-Ost melden Konkurs an. Schuld am plötzlichen Ende seien der Lockdown und das Ausbleiben von Gästen.

Co-Geschäftsleiter Fabian Ramseier hoffte bis zum Schluss. (Bild: Res Reinhard)

Fabian Ramseier ist Co-Geschäftsleiter beider Firmen, welche Konkurs anmelden mussten. Die Wolke 7 Event GmbH aus Münsingen organisierte Veranstaltungen. Auch in Konkurs musste die Iss-Was Gourmet Art GmbH aus Bowil. Iss-Was kochte für Events, Bankette, Kongresse und produzierte Esswaren für die Degusta GmbH. BERN-OST konnte mit Ramseier darüber sprechen, wie es zum Konkurs gekommen ist.

 

Corona-Kredite alleine nützen nichts

Für Ramseier ist klar, ohne Lockdown wäre es nicht soweit gekommen: "Wir haben zu Beginn alles versucht. Wir haben Covid-Kredite aufgenommen. Dazu muss man sagen, dass dies keine Staatsgeschenke sind. Die Kredite müssen zurückbezahlt werden. Das war uns klar. Aber je länger der Lockdown ging, umso schwieriger wurde es."

 

"Als der Bundesrat alles dicht machte"

Auch der Sommer brachte für die beiden Firmen keine Wende. Ramseier sagt: "Richtig schlimm wurde es im Herbst. Im Catering ist der Herbst unsere umsatzstärkste Zeit, aber genau dann, hatte der Bundesrat alles verboten. Wir haben weiter versucht uns durchzuseuchen, die Firmen am Leben zu erhalten. Aber irgendwann fragst du dich, wozu? Mit der Eventfirma Wolke 7 hatten wir im vergangenen Jahr keinen Umsatz. Bei der Cateringfirma Iss-Was schrumpfte der Jahresumsatz um über 85 Prozent."

 

Weitermachen oder Stecker ziehen?

Wann merkte er, dass ein Konkurs unausweichlich ist? "Wir haben uns überlegt, nochmals Geld in die Firma einzuschiessen. Aber was bringt es, wenn alles zu hat und keiner weiss wie es weiter geht? Irgendwann konnten wir die Steuern nicht mehr bezahlen, wir hatten keine Ahnung, ob wir in den kommenden Monaten noch Umsatz machen. Was soll man da machen?"

 

Aber es gibt doch die Hilfen vom Staat. "Klar konnten wir für die Angestellten Kurzarbeitsgeld beziehen. Aber wir mussten das Kurzarbeitsgeld noch ausgleichen. Dazu kommen Mieten, Versicherungen, Leasingverträge, Serviceverträge die weiterlaufen und bezahlt werden müssen. Irgendwann fragt man sich, machen wir weiter und häufen Schulden an oder hören wir auf?"

 

Probleme trotz Mietreduktion

Wie sah es bei den Mieten aus, kam ihm niemand entgegen? "Doch, die Geschäftsliegenschaft, wo sich die Wolke 7 GmbH befindet, gehört mir, das war kein Problem. Und in Bowil kam uns der Vermieter entgegen, aber das reichte halt nicht."

 

Wie geht es nun weiter? "Wir haben versucht, so viel wie möglich in die Mutterfirma zu übernehmen, die Creative Solution Group AG. Einige Mitarbeiter konnten wir dort unterbringen. Drei Angestellte haben leider ihre Stelle verloren."

 

"Lockdown macht viel kaputt"

Was hält er persönlich vom Lockdown? "Es ist ein heisses Thema. Aber meiner Ansicht nach macht der Lockdown mehr kaputt als er schützt. Es wäre besser gewesen die Risikogruppen so gut wie möglich zu isolieren und die Wirtschaft weiterlaufen zu lassen."

 

[i] Die Degusta Manufaktur aus Bowil ist spezialisiert auf Terrinen und Saucen mit regionalen Zutaten. Die Creative Solution Group AG aus Rubigen beschäftigt 19 Mitarbeiter. Sie ist tätig in der Produkteentwicklung, im Marketing und organisiert Events.

Degusta Manufaktur

Creative Solution Group AG


Autor*in
Rolf Blaser, rolf.blaser@bern-ost.ch
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Erstellt: 23.02.2021
Geändert: 23.02.2021
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