Tatjana Rothenbühler zu Gast im Löchlibad
In der Agglomeration zu Hause, für den ländlichen Raum im Einsatz: GastroBern-Direktorin Tatjana Rothenbühler sucht den Dialog dort, wo die regionale Identität auf dem Teller liegt. Bei einem Austausch im Restaurant und Hotel Löchlibad in Obergoldbach wurde klar: Wer die Gastronomie stärkt, sichert das soziale Rückgrat unserer Dörfer.
Wer den Weg ins Löchlibad findet, sucht nicht den schnellen Imbiss. Man kommt hierher für echtes Handwerk, für Produkte aus der Nachbarschaft und eine Gastfreundschaft, die tief im Emmental verwurzelt ist. Das Löchlibad steht stellvertretend für jene Landgasthöfe, die den Spagat zwischen Tradition und moderner Betriebsführung meistern. Doch auch hier, wo Qualität noch mit harter Arbeit in der Küche und im Service verbunden ist, wachsen die Sorgen.
Mitten in diesem Austausch zwischen Töpfen und Politik steht Tatjana Rothenbühler. Die Direktorin von GastroBern tritt bei den Grossratswahlen an. Ihr Wahlkreis ist vielfältig: Er reicht von ihrer Heimatgemeinde Köniz über die Agglomerationen Belp und Münsingen bis hin in die bäuerlich geprägten Dörfer wie Landiswil, Arni oder Walkringen. Für Rothenbühler ist klar: Eine starke Stimme im Grossen Rat muss beide Welten verstehen.
Landgasthöfe: Mehr als nur eine Fassade
«Ein Betrieb wie das Löchlibad ist weit mehr als nur ein Gebäude mit einer Küche. Es ist ein Knotenpunkt im sozialen Netzwerk des Dorfes», betonte Rothenbühler beim Apéro mit lokalen Unternehmern und Zulieferern. Hier werde nicht nur verpflegt, hier werde ausgebildet, investiert und das gesellschaftliche Leben zusammengehalten.
Doch dieses Fundament gerät unter Druck. Nicht durch mangelndes Können der Gastronomen, sondern durch eine «überbordende Bürokratie», wie es die Verbandsdirektorin nennt. Neue Detailvorschriften und Dokumentationspflichten fressen wertvolle Zeit. «Wer einen Landgasthof führt, will für seine Gäste da sein und qualitativ hochstehende Leistungen erbringen – und nicht zum Formular-Manager degradiert werden», so Rothenbühler unter zustimmendem Nicken der Anwesenden.
Kampf gegen das «bürokratische Monster»
Ihre Forderungen für die kommende Legislatur sind deutlich: Die Lebensmitteldeklarationen über verschiedene Wertschöpfungsstufen hinweg müssen radikal vereinfacht werden. Rothenbühler setzt auf e-Government und beschleunigte Verfahren. Für die Betriebe im Bern-Ost-Gebiet bedeutet das: Weniger Papierkrieg, mehr Fokus auf das eigentliche Handwerk.
Infrastruktur als Lebensader
Ein Thema, das den ländlichen Raum besonders bewegt, ist die Erreichbarkeit. Tatjana Rothenbühler macht sich für eine Verkehrspolitik stark, die nicht an den Stadtgrenzen aufhört. «Unsere Landgasthöfe und die lokale Wirtschaft brauchen eine funktionierende Erschliessung – sowohl für den öffentlichen Verkehr als auch für den Individualverkehr», stellt sie klar.
Die Verkehrspolitik dürfe nicht einseitig auf die Agglomerationen reduziert werden. Nur wenn die Wege offen bleiben und auch die digitale Grundversorgung flächendeckend in hoher Qualität sichergestellt ist, bleibt der ländliche Raum für Unternehmer und Gäste attraktiv.
Fazit: Eine Brückenbauerin für das Gewerbe
Der Nachmittag im Löchlibad verdeutlichte: Tatjana Rothenbühler ist keine reine «Agglo-Politikerin». Als Gastro-Chefin kennt sie die Realität der Landgasthöfe in Landiswil oder Zäziwil genauso gut wie die Herausforderungen in Köniz. Sie tritt an als Brückenbauerin, die weiss, dass der Kanton Bern nur dann prosperiert, wenn das Gewerbe – vom Dorfzentrum bis zum entlegenen Weiler – Luft zum Atmen hat.