Hilfe im Kampf durch den Behörden-Dschungel
So einfach, wie sich Fritz und Annemarie Schütz die Übergabe ihres Gasthofs Löwen Landiswil vorgestellt haben, läuft es nicht: Sie müssen sich durch tausend Vorschriften und ein Geflecht von Zuständigkeiten kämpfen. Notar Daniel Haldemann, eigentlich schon pensioniert, hilft dem Wirtepaar beim Entflechten und erklärt, was das Ganze so kompliziert macht.
An geschützten Stellen blühen Krokusse, zwischendurch scheint die Sonne frühlingshaft warm auf den Gasthof Löwen in Landiswil. Die Wärme ist gut für die Gelenke der beiden Wirtsleute Annemarie und Fritz Schütz, beide über 70. Ansonsten hat sich ihre Situation seit dem Winter noch nicht verbessert: Immer noch träumen sie davon, den Gasthof ihren Kindern zu übergeben, das Stöckli umzubauen und dort einzuziehen. Und immer noch verstehen sie nicht ganz, warum diese Übergabe so harzig läuft.
Es wäre doch so einfach …
«Wir sind gefangen im Gehege der Behörden», hat es Fritz Schütz Ende 2025 leicht verzweifelt auf den Punkt gebracht. Dabei sähe für ihn und seine Frau Annemarie alles einfach aus: Ihnen gehört der Gasthof Landiswil samt dem zugehörigen Bauernbetrieb und samt dem Stöckli. Was also wäre einfacher, als aufs Alter hin im Stöckli zwei Wohnungen einzubauen, eine für das Ehepaar, eine zweite für jemanden aus der Familie. Der Landwirtschaftsbetrieb ist ohnehin schon in den Händen des ältesten Sohnes, den Gasthof würden die vier Kinder der Schützes gemeinsam in Form einer Aktiengesellschaft übernehmen. Alles gut geplant, möchte man meinen.
… wenn da nicht die vielen Vorgaben wären
Warum das so kompliziert ist, erklärt der Bigler Notar Daniel Haldemann, der die Angelegenheit an die Hand genommen hat: «Ich verstehe das Unverständnis der Schützes», sagt er: «Sie sind tatsächlich mitten in der Bürokratie gelandet.» In diesem Fall gehe es gleich um mehrere Themen. Zum einen lasse sich der Gasthof, der wie früher oft üblich mit einem Landwirtschaftsbetrieb kombiniert ist, nicht so einfach in eine Aktiengesellschaft umwandeln. «Landwirtschaftliche Aktiengesellschaften sind nicht üblich und aus finanziellen Überlegungen auch nicht empfehlenswert», erklärt Haldemann. «Und ausserdem kann eine Liegenschaft nicht so mir nichts, dir nichts in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.»
Der Mischbetrieb und die Banken
Damit nicht genug: «Der Gasthof müsste in die Bauzone umgezont werden, statt wie bisher in die Zone mit gemischter Nutzung», zählt Notar Haldemann weiter auf. Das hingegen geht nicht, weil im Winter auch Tiere eingestellt werden. «Das heisst, der Gasthof ist mit landwirtschaftlicher Nutzung verknüpft, und daher wurde die Umzonung bisher nicht bewilligt.» Das Stöckli neben dem Gasthof wiederum müsste aus dieser gemischten Zone ausparzelliert werden, «und auch das ist nicht Standard». Erschwerend komme hinzu, dass heutzutage die Banken keine Gastwirtschaften mehr finanzieren.
Das bäuerliche Bodenrecht und das Steuergesetz
Notar Haldemann, der selbst auch schon pensioniert ist, kann gut nachvollziehen, dass das Wirtepaar fast verzweifelt. Deshalb will er die Schützes unbedingt noch begleiten, bis das wildeste Klüngel entflochten und eine Lösung in Sicht ist. Auch er muss sich manchmal durchbeissen: «Jeder Schritt hat Auswirkungen, wie bei einem Räderwerk zieht alles Folgen nach sich – es ist ein wahrer Rattenschwanz.» Ihm ist bewusst, dass die Lage für Schützes einfach aussieht, und von aussen scheine das tatsächlich so. Aber: «Wir haben bäuerliches Bodenrecht hier und ein Steuergesetz dort.»
Der Steuerhammer …
Im Moment ist er am Aussortieren, und das braucht seine Zeit. Haldemann wälzt unzählige Dokumente, und im Moment sucht er bei der Steuerverwaltung nach der günstigsten Steuervariante: «Wenn man ein Geschäft in Privatvermögen umwandeln will, gilt das wie eine Liquidation, ohne dass in diesem Fall wirklich Geld fliesst», erklärt er. «Steuerlich gibt das einen Hammer!»
… und das undurchschaubare Geflecht
Kein Wunder, wissen Fritz und Annemarie Schütz gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht: Von Steueranfrage spricht Haldemann, von Steueraufschub, von einer Würdigung namens «Steuer-Ruling» und damit verbunden tausend amtlichen Verlautbarungen. Auf der anderen Seite dann von Aus- und Umparzellierungen, von Statthalteramt, von Amt für Gemeinden und Raumordnug (AGR) und bäuerlichem Bodenrecht – ein undurchschaubares Geflecht.
«Es ist immer alles lösbar»
Das klingt zum Verzweifeln kompliziert. Lässt sich jemals eine Lösung finden? Daniel Haldemann antwortet ruhig: «Es ist immer alles lösbar.» Er müsse jetzt mal alles aufrollen. Das Statthalteramt beispielsweise – zuständig bei bäuerlichem Bodenrecht – helfe auch immer, nach Lösungen zu suchen. Und mit der Steuerverwaltung dauere es halt eine Weile, weil offenbar die meisten im Homeoffice arbeiten, und weil man alle Varianten prüfen müsse. «Alles geht Schritt um Schritt, einen genauen Zeitplan kann ich daher nicht geben», sagt Haldemann. «Aber ich denke, dass wir bis im Sommer einen Weg finden, so dass man mit der Umsetzung beginnen kann.»
Die Suche nach der optimalen Lösung
Als eine Möglichkeit zieht er in Betracht, dass der Gasthof als Einzelfirma in Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung weitergeführt wird, und dass auch die Liegenschaften an die Kinder übergeben werden. Dieser Ansatz ist aber noch nicht fertig durchgespielt. Zuerst müsse er schauen, dass Schützes aus dem Schlamassel rauskommen und für sie eine optimale Lösung finden – «der Fall liegt bei mir, und ich fühle mich verantwortlich, dass es gut kommt». Als Trost sagt Notar Daniel Haldemann aufmunternd: «Diese Windmühleflügel der Bürokratie – das ist ein Geflecht von verschiedenen Vorschriften, kein persönlicher Kampf gegen Fritz Schütz.»
Ob sie sich nicht zur Ruhe setzen wollten?
Fritz Schütz seinerseits findet es gut, dass einmal an die Öffentlichkeit kommt, was hinter einer solchen Generationenübergabe steckt. Er und seine Frau würden immer wieder von Leuten gefragt, ob sie sich nicht langsam zur Ruhe setzen wollten. Er lacht ein wenig bitter, das sei nicht eine Frage des Wollens: «Ja, wenn es uns etwas gibt, dann müssen unsere Kinder übernehmen, aber wenn wir das jetzt geordnet übergeben möchten, ist es einfach nur ein Murks!» Im Moment heisst es für ihn und seine Frau schlicht durchhalten. Sie sind froh, dass sich jetzt Notar Haldemann um das Vorschriftengewirr kümmert, und hoffen, dass er den Murks bald aufdröseln kann.
EIn Platz in der Sonne vor dem Stöckli?
Dieser gibt sich verhalten optimistisch: Wenn alles gut geht, zeichnet sich im Sommer tatsächlich ein gangbarer Weg ab, so dass Annemarie und Fritz Schütz in absehbarer Zeit den strengen Arbeitsalltag im Gasthof an ihre Kinder abgeben können. Wie lang es dann dauert, bis die beiden gemütlich vor ihrer geplanten Stöckliwohnung in der Sonne sitzen, den Lauf der Jahreszeiten beobachten und ihre müden Gelenke ausruhen können, steht allerdings noch in den Sternen.