«Ich hätte nicht gedacht, dass er so viel beissen mag»
Irgendwann schmerzten die Knie, die Hände und das Gesäss. Bendicht Küpfer und sein Sohn Nick fuhren weiter bis zum E-Bike-Weltrekord. Im Interview erzählt der Vater, wann die Fahrt zur Kopfsache wurde und womit ihn sein Sohn überraschte.
Bendicht Küpfer (54) ist in Obergoldbach aufgewachsen und lebt in Arni. Er führt ein eigenes Forstunternehmen. Sein Sohn Nick (19) hat die Lehre als Forstwart abgeschlossen und arbeitet bei ihm. Auch die Freizeit verbringen die beiden oft gemeinsam auf dem Mountainbike. Ende Juli stellten sie in Zermatt einen Weltrekord auf. Sie fuhren an einem Tag über 18'000 Höhenmeter bergauf.
BERN-OST: Bendicht Küpfer, wie seid ihr auf die Idee gekommen, gemeinsam einen Weltrekord aufzustellen?
Bendicht Küpfer: Ich war mit Nick schon oft in den Bergen biken, besonders in Zermatt. Als wir gesehen hatten, dass es einen Weltrekord mit E-Bikes gibt, fragten wir uns, ob wir den brechen könnten. Der alte Weltrekord wurde in Klosters aufgestellt und betrug 14’623 Höhenmeter. Es ging darum, etwas auszuprobieren. Der Kick war, zu testen, ob es möglich ist.
Wer von euch hatte mehr Ausdauer?
Nick war schon spritziger. Er fand, das Gesäss brauche er nicht einzucremen. Wund war aber dann er (lacht). Mit der Zeit schmerzten ihn seine Knie. Ich hingegen konnte die Finger fast nicht mehr öffnen, weil ich beim Runterfahren ständig bremsen musste. Auch die Handgelenke schmerzten.
Wie fest habt ihr gelitten?
Bis 13 Uhr ging es gut. Dann kam die Hitze. Unten war es 28 Grad warm, auf dem Gornergrat noch 18 Grad. Das war schon hart. Als wir gegen 17 Uhr rauffuhren, haben wir nicht mehr so viel gesprochen wie am Morgen. Das war dann eine Kopfsache.
Ihr habt den Rekord mit E-Bikes aufgestellt. Warum nicht mit normalen Velos?
Wir sind früher nie E-Bike gefahren. Erst vor zwei Jahren kamen wir zum E-Bike und fanden das cool. Mit den normalen Velos haben wir auch schon 10'000 Höhenmeter gemacht, aber ein Rekord war kein Thema.
Wie war das Gefühl, es geschafft zu haben?
Gegen Abend, als wir das letzte Mal hochgefahren sind, waren wir schon ziemlich erschöpft. Als wir dann unten waren, war die Erlösung riesig und die Freude gross. Dass ich das mit meinem Sohn geschafft habe, war super.
Weshalb habt ihr den Gornergrat gewählt?
Wir haben verschiedene Berge angeschaut. Der Gornergrat passte, weil wir auf einer Fahrt 1240 Höhenmeter machen konnten. Auch vom Gelände her war die Strecke ideal. Bedingung war auch, dass man nicht mehr als zwanzig Prozent der Strecke auf der Strasse fährt.
Konntet ihr auf den Trails frei fahren, oder musstet ihr auf Wandernde und andere Biker Rücksicht nehmen?
Aus diesem Grund sind wir der Gornergrat Bahn entlanggefahren und nur ab und zu auf Wanderwegen. Reklamationen gab es keine. Die Leute waren sehr grosszügig und fanden das toll. Auch die Zermatt Bergbahnen AG hat uns unterstützt. Sie stellte uns gratis Platz und eine Werkstatt samt Strom zur Verfügung.
Wie habt ihr euch auf die 16-stündige Fahrt vorbereitet?
Wir sind häufig fahren gegangen. Wir sind mit den Bikes auch schon bis auf 4500 Meter hochgefahren. Das war auf der Signalkuppe im Monte-Rosa-Massiv. Aber 16 Stunden am Stück waren für uns beide neu. Ich fuhr auch schon Bikerennen, da fährt man täglich bis zu 100 Kilometer.
Gab es einen Moment, in dem einer von euch aufhören wollte?
Nick hatte schon auch gebissen. Gegen Abend wurde es schon hart. Aber aufgeben war kein Thema. So stark waren die Schmerzen dann doch nicht. Ich habe schon auch gelitten, dazu kam noch die Müdigkeit. Als wir 14'700 Höhenmeter hatten, hätten wir aufhören können. Aber wir wollten noch mehr.
Ihr seid die Strecke 15-mal hoch- und runtergefahren. Was war gegen Schluss schwieriger: bergauf treten oder bergab konzentriert bleiben?
Für mich war das Runterfahren am Ende schwieriger. Es brauchte mehr Konzentration, über die Steine zu fahren. Bei Nick war es ähnlich.
Wie viele Ersatzbikes und Akkus habt ihr gebraucht, und wer hat euch vor Ort unterstützt?
Wir hatten einen Mechaniker und sechs Bikes.
Wer hat die Fahrt kontrolliert und den Weltrekord bestätigt?
Wir haben das mit zwei GPS-Geräten aufgezeichnet. Zudem mussten zwei Personen dabei sein, die das Ganze überwachten.
Was habt ihr in diesen 16 Stunden übereinander erfahren, das ihr vorher noch nicht wusstet?
Nick ist eher ein stiller Typ. Er beklagte sich nie, er meisterte das super. Ich hätte nicht gedacht, dass er so viel beissen mag. Auch der Zusammenhalt, dass man sich motiviert, das hat er super gemacht.
Folgt jetzt ein Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde?
Ja, das dauert noch einen Moment, aber der wird kommen.
Noch eine Frage: Was kostet so ein Velo?
Die kosten zwischen 9000 und 12’000 Franken. Thömus hat uns einen Teil der Bikes und Material zur Verfügung gestellt. Die E-Bikes erhielten wir zu einem Spezialpreis. Zum Glück hatten wir keinen Platten, lediglich ein paar Speichenschäden. Der Akku reichte jeweils bis oben, wir fuhren natürlich schon auf der höchsten Unterstützungsstufe.
Der Weltrekord
Bendicht und Nick Küpfer aus Arni stellten am 30. Juli einen Weltrekord für die meisten an einem Tag gefahrenen E-Mountainbike-Höhenmeter bei Auf- und Abfahrten auf. Beide bewältigten in 16 Stunden je 18’391 Höhenmeter aufwärts und 17’650 Höhenmeter abwärts. Der bisherige Rekord lag bei 14’623 Höhenmetern bergauf.
Vom Startpunkt oberhalb von Zermatt fuhren Vater und Sohn 15-mal auf den Gornergrat und wieder hinunter. Jeder legte rund 225 Kilometer zurück.
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