• Wirtschaft

Dr. Bruno Isaak: "Ich könnte mir keinen schöneren Abgang vorstellen"

Nach 29 Jahren wird Dr. Bruno Isaak seine Arztpraxis in Boll Ende Februar schliessen. "Ich hatte sehr schöne Jahre in meiner Tätigkeit", sagt Isaak, der mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufhört.

Schluss nach langjähriger Tätigkeit: Dr. Bruno Isaak mit Frau Dora (links) und der medizinischen Praxisassistentin Beatrice Gottier. (Bild: zvg)

Ende Jahr hat Isaak offiziell aufgehört. "Jetzt mache ich noch bei ein paar meiner Patient*innen Abschlusskontrollen und wir räumen die Praxis auf", sagt er. Im Februar wird er 70. "Ich fühle mich fit und zwäg, aber ich habe immer kommuniziert, dass ich mit 70 aufhöre", sagt er. "Ich mache meine Arbeit mit Leidenschaft und hatte sehr schöne Jahre in meiner Tätigkeit als Arzt", sagt er. Es sei immerhin ein Grossteil seines Lebens gewesen. "Aber irgendwann muss man den Entscheid fällen, aufzuhören", sagt er. Das tat er letzten Frühling.

 

Das letzte Jahr sei durch die Corona-Pandemie sehr belastend gewesen. "Ich bin selber vom Alter her in der Risikogruppe", sagt er. Seine Kinder seien besorgt gewesen, dass er sich anstecken könnte. "Die Arbeit an der Front gehört halt zur Aufgabe als Arzt", sagt er. Aber sie hätten es gut gemanagt und niemand sei krank geworden. Corona sei zwar nicht der Grund, warum er jetzt aufhöre. "Aber es macht den Entscheid leichter, wenn ich daran denke, was jetzt alles noch kommt", sagt Isaak.

 

Über 20 Jahre mit derselben MPA

Neben seiner Frau Dora, welche in einem kleinen Pensum bei der Buchhaltung in der Praxis half, hatte Isaak mit Beatrice Gottier eine langjährige Angestellte. Die medizinische Praxisangestellte habe über 23 Jahre bei ihm gearbeitet. "Sie ist eine absolute Perle, die gute Seele der Praxis und wurde von allen Patient*innen sehr geschätzt", sagt Isaak. Es sei bemerkenswert, wie sie regelrecht "dr Lade gschmisse" habe.

 

Seine Praxis in Boll wird Isaak nicht weitergeben. "Als im März 2019 nebenan die Gruppenpraxis in Boll aufging, habe ich bereits bei der Eröffnung kommuniziert, dass diese meine Nachfolgeregelung sein wird", sagt er. Er sei seht froh zu wissen, dass die medizinische Versorgung in der Gemeinde mit der Gruppenpraxis der Ärztinnen Friederike Gubler, Beatrice Diallo und Andrea Schütz gewährleistet sei. "Für mich ist es ein Glücksfall", sagt er.

 

Emotionaler Abschied

Die meisten seiner Patient*innen würden auch in die Gruppenpraxis wechseln. "Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Patient*innen ", sagt Isaak. In den letzten Monaten hätte er ihre Wertschätzung und ihr Vertrauen sehr gespürt und sehr emotionale Momente mit ihnen erlebt. "Bei ihnen gab es zum Teil wässrige Äuglein und auch bei mir", sagt er und fügt an: "Ich könnte mir keinen schöneren Abgang wünschen, als zu spüren, dass sie es geschätzt haben und dankbar sind." Es sei schön, wenn man den Leuten helfen könne. "Das wird mir fehlen."

 

Mit dem Abnehmen seines Schildes beim gemieteten Praxislokal Ende Februar steht ihm noch ein emotionaler Moment bevor. "Aber ich freue mich", sagt er. Er werde mehr Zeit mit seinen Kindern und Grosskindern verbringen, wandern und wennmöglich reisen. "Zudem werde ich weiterhin Weiterbildungen an der Insel besuchen. Die Medizin fasziniert mich immer noch", sagt er.


Autor*in
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
Nachricht an die Redaktion
Statistik

Erstellt: 11.01.2021
Geändert: 11.01.2021
Klicks heute:
Klicks total: