Mirjam Rufer aus Wichtrach

«Ich möchte, dass Menschen ihren Hund wirklich verstehen»

Für Mirjam Rufer aus Wichtrach ist der Hund kein Befehlsempfänger. «Ich möchte, dass Menschen ihren Hund wirklich verstehen», sagt sie. Mit ihrer Hundeberatung setzt sie auf Beziehung statt Gehorsam und möchte Mensch und Hund als gleichwertiges Team zusammenbringen.

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Mit Amaro hat die Hundeliebe bei Mirjam angefangen. (Bild: zvg)

«Sitz» und «Platz» stehen bei Mirjam Rufer nicht auf dem Trainingsplan. Die Wichtracherin verfolgt mit ihrer Hundeberatung bewusst einen anderen Ansatz als viele klassische Hundeschulen. Zu ihr kommen Menschen, die ihren Hund besser verstehen möchten, aber auch Halter von ängstlichen oder verhaltensauffälligen Hunden sowie Personen, die sich in traditionellen Hundeschulen nicht aufgehoben fühlen.

«Ich arbeite mit Menschen, die gemeinsam mit ihrem Hund etwas erleben möchten», sagt Mirjam. Seit rund zwei Jahren bietet sie Beratungen an, seit etwa einem Jahr organisiert sie auch regelmässig Veranstaltungen in der Region. «Viele Schulen arbeiten noch immer nach einem eher alten Schema. Das entspricht nicht meiner Vorstellung einer Beziehung zwischen Mensch und Hund.» Gerade im vergangenen Jahr begleitete sie viele Halter von American Staffordshire Terriern, was sehr treuherzige Hunde seien.

 

Dass sie einmal Hundeberaterin werden würde, hätte sie als Kind wohl selbst nicht geglaubt. Nachdem die heutige Hundeverhaltensberaterin von einem Hund gebissen worden war, hatte sie jahrelang Angst vor den Vierbeinern. Erst als Mirjam mit einer Kollegin zusammenwohnte, deren Hund auffälliges Verhalten zeigte, begann sie sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

 

Alles oder nichts

Wenig später erfüllte sie sich den Traum vom eigenen Schäferhund: Amaro. Anfangs schien alles problemlos zu verlaufen. Nach wenigen Wochen biss der Hund jedoch einen Artgenossen. Statt ihn zurückzugeben, entschied sie sich, Hilfe zu suchen. Bei einer Hundeschule in Deutschland lernte sie eine Philosophie kennen, die den Hund als gleichwertiges Lebewesen betrachtet.

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Mittlerweile ist Cleo an ihrer Seite. (Bild: zvg)

«Dort wurde mir bewusst, dass mein Hund gar nicht aggressiv war», erzählt Mirjam. «Er hatte einfach nie gelernt, mit anderen Hunden zu kommunizieren.» Bis dahin habe sie vieles falsch interpretiert. «Ich habe gemerkt, dass ich meinen Hund nie richtig verstanden und ihn dadurch auch nicht unterstützen konnte.» Heute ist sie überzeugt: «Oft scheitert es an kleinen Missverständnissen und nicht daran, dass der Hund oder der Mensch das Problem ist.»

 

Beruflich arbeitete Mirjam lange in der Pflege und schätzte dort die Abwechslung und Action. «Heute in der Informatikbranche finde ich diese Abwechslung in der Arbeit mit den Hunden.» Die Hundeberatung baut sie nun nebenberuflich mit einem Pensum von 20 bis 40 Prozent auf.

 

Den Hund als gleichwertigen Begleiter sehen

Mirjam spricht bewusst davon, den Hund als «Buddy» zu sehen. Damit meine sie keine Vermenschlichung. «Er ist ein eigenständiges Lebewesen mit Charakter, Bedürfnissen und Emotionen. Genau das sollten wir respektieren.»

Deshalb dürften Hunde im Alltag durchaus mitentscheiden. Manchmal könne das bereits damit beginnen, dass sie den Spazierweg auswählen oder zwischen verschiedenen Futtersorten wählen dürfen. «Wenn wir auf solche Bedürfnisse eingehen, schenken wir dem Hund mehr Lebensqualität und Selbstbewusstsein.»

 

Ein Beispiel stammt aus ihren eigenen Erfahrungen. «Mein erster Hund zeigte mir oft, welchen Weg er lieber gehen wollte. Wenn ich ihm erklärte, dass es aber der kürzere Weg sei, so war das für ihn in Ordnung. Er musst ja dann damit leben, Sprich für ihn war das in diesem Moment wichtiger.» Entscheidend sei, dass das Kontinuum zwischen er bestimmt, ich bestimme und seine Signale werden wahrgenommen einen gemeinsamen Nenner findet.

 

Zuhören statt ständig reden

Jede Beratung beginnt mit einer ausführlichen Vorgeschichte. Herkunft, Krankheiten, bisherige Erfahrungen und das konkrete Anliegen werden besprochen. Anschliessend entscheidet Rufer gemeinsam mit den Haltern, welche Form der Begleitung sinnvoll ist.

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Amaro und Mirjam wurden durch schwierige Zeiten ein umso engeres Team. (Bild: zvg)

Viele Probleme würden bei Hundebegegnungen entstehen. Statt sofort mit intensivem Training zu beginnen, empfiehlt sie häufig zunächst einen Pfotentrail. Dort könne sie beobachten, wie Hund und Mensch miteinander umgehen und welche Auslöser hinter einem Verhalten stecken.

 

Bei schwierigen Fällen arbeitet sie in Einzelberatungen. Dafür sucht sie bewusst Orte auf, an denen das unerwünschte Verhalten auftritt. So könne sie erkennen, ob Unsicherheit, Angst, der Einfluss eines anderen Hundes oder auch der Druck des Menschen die eigentliche Ursache sei.

Nach ihrer Erfahrung machen viele Hundehalter denselben Fehler. «Sie reden sehr viel mit dem Hund, hören ihm aber zu wenig zu.» Hunde würden ihre Menschen täglich genau beobachten und deren Verhalten sowie Emotionen wahrnehmen. Umgekehrt nähmen sich viele Halter aber kaum Zeit, die Körpersprache ihres Hundes wirklich zu lesen.

 

Reels und Hund

Immer häufiger würden Menschen mit Begriffen wie «reaktiv» zu ihr kommen, nachdem sie entsprechende Videos auf Social Media gesehen hätten.

 

«Nicht alles, was man dort sieht, trifft auf den eigenen Hund zu», sagt die Hundeverhaltensberaterin. Oft würden Begriffe verwendet, ohne deren eigentliche Bedeutung zu kennen. Deshalb versuche sie, solche Themen einzuordnen und gemeinsam mit den Haltern herauszufinden, was tatsächlich hinter einem Verhalten steckt. Auch sie selbst veröffentlicht Beiträge in den sozialen Medien und greift dort Erlebnisse aus ihrem Alltag oder Themen rund um das Verhalten von Hunden auf.

Gemeinsam wachsen

Bei der Pfotenschnitzeljagt fordert sie die Menschen auf, mit ihrem Hund zu sprechen und ihm die einzelnen Aufgaben zu erklären, wie bei einem Kind. «Da schauen mich viele etwas irritiert an», erzählt sie lachend. Am Ende des Tages hätten jedoch viele das Gefühl, ihren Hund auf eine ganz neue Art erlebt zu haben. «Die Haltung gegenüber dem Hund verändert sich und beide gehen zufrieden und müde nach Hause.»

 

Künftig möchte sich Mirjam noch stärker auf die Arbeit mit verhaltensauffälligen Hunden spezialisieren. Ihr Ziel sei es, möglichst vielen Hundehalterinnen und Hundehaltern zu vermitteln, dass Probleme häufig anders entstehen als zunächst angenommen. «Oft braucht es keine strengere Erziehung, sondern mehr Verständnis.»

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Kommunikation auf Augenhöhe und ein Zusammenleben mit Mitspracherecht, dass ist Mirjam Rufer wichtig. (Bild: zvg)

Pfotenschnitzeljagd

Einmal pro Monat organisiert Mirjam Rufer eine Schnitzeljagd mit wechselnder Geschichte, neuen Routen und verschiedenen Rätseln. Neben Spiel und Spass vermitteln die einzelnen Posten auch Wissen über Hundeverhalten und Körpersprache. Kleine Workshops und praktische Übungen sollen die Beziehung zwischen Menschen und Hund stärken.

Nächster Termin: 31. Oktober

 

Pfotentrail

Beim Pfotentrail werden die Mensch-Hund-Teams in zwei Gruppen aufgeteilt. Während sich eine Gruppe versteckt, macht sich die andere auf die Suche. Die Hunde übernehmen dabei unterschiedliche Rollen und erleben das Suchen ohne Leistungsdruck. Das Angebot soll Selbstvertrauen, Zusammenarbeit und Kommunikation fördern und dauert rund drei Stunden.

Nächster Termin: 12. September

 

Pfotenninja

Beim Pfotenninja absolvieren Mensch und Hund gemeinsam einen Hindernisparcours. Im Mittelpunkt stehen Koordination, Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen. Die Teams lernen, aufeinander zu achten, gemeinsam Herausforderungen zu meistern und ruhig miteinander zu arbeiten. Das Angebot findet in Münsingen statt.

Nächster Termin: 10. Oktober

 

Mehr Informationen und Daten gibt es auf Pfotenperspektive.ch


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 05.09.2026
Geändert: 05.09.2026
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