«Ich war eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang dort»
BERN-OST-Leser Jürg Scheidegger war am frühen Morgen mit seiner Kamera in Enggistein unterwegs. Bevor sich der Nebel lichtete, drückte er ab.
Frühmorgens in Enggistein bei Worb liegt feiner Nebel über den Wiesen. Reif überzieht das Gras, die Konturen sind weich, fast gedämpft. Im Hintergrund zeichnen sich Hügel und Baumreihen nur schemenhaft ab.
Wir wollten vom Fotografen und BERN-OST-Leser Jürg Scheidegger wissen: Was hat dich an diesem Morgen bewogen, zu diesem Zeitpunkt auf den Auslöser zu drücken?
Jürg Scheidegger: Ich wollte nicht das volle Sonnenlicht als Gegenlicht im Bild. Es hätte für mich nicht in diese Stimmung gepasst. Beim Bild mit den vier Bäumen wollte ich ein wenig warmes Sonnenlicht in den Nebelschwaden, ohne direktes Licht, es wird vom röteren Himmellicht reflektiert.
War diese Stimmung geplant oder Zufall, und wie lange musstest du auf dieses Licht warten?
Diese Stimmung war erhofft, da es eine kalte Nacht war und ich mir vorgestellt habe, dass sich Nebel bilden wird. Den Zeitpunkt hatte ich grob berechnet nach der Sonnenaufgangszeit. Ich war darum etwa eine halbe Stunde vorher dort. Planen lässt sich einiges, aber es gibt Faktoren, die nicht planbar sind: Hat es Nebel oder sind Wolken am Himmel die eventuell das Sonnenlicht abdecken?
Arbeitest du bei solchen Aufnahmen bewusst mit einem bestimmten Bildaufbau?
«Meistens entsteht ein Bild intuitiv vor Ort», ich kenne natürlich die gängigen Gestaltungsregeln, halte mich aber nicht stur daran. Für mich muss der Bildaufbau im Sucher passen, gibt es beispielsweise störende Elemente, ragt irgendetwas am Rand ins Bild? Da Fotografieren etwas sehr Persönliches ist, finde ich es wichtig, sich nicht durch gut und richtig bei der Gestaltung beeinflussen zu lassen.