«Ich wollte verstehen, wie die Welt funktioniert»
Ende März wählen wir den Berner Grossrat neu. Allein aus der Region Bern-Ost bewerben sich 155 Männer und Frauen um einen der insgesamt 160 Sitze. Bei uns stellen sich von jeder Partei eine Kandidatin und ein Kandidat aus der Region vor. Heute Ashvini Rajasekar aus Worb.
Name: Ashvini Rajasekar
Alter: 21 Jahre
Wohnort: Worb
Beruf: Kauffrau EFZ
Arbeitgeber: -
Familienstand/Kinder: -
Bisherige politische Ämter: Vorstandsmitglied FDP Worb
Was war als Kind Ihr Traumberuf?
Als Kind wollte ich entweder Künstlerin oder Moderatorin werden. Ich habe viel gemalt, aber oft auch mit einem Spielzeugmikrofon Reporterin gespielt. Dabei mochte ich die Figur der Karla Kolumna wegen ihrer Neugier und der Art, wie sie überall Fragen gestellt hat. Diese Lust am Nachhaken und Verstehen ist mir bis heute wichtig geblieben.
Wie wurden Sie politisiert, was ist Ihre früheste Erinnerung an Politik?
Meine Politisierung war kein einzelnes Ereignis, sondern eine langsame Entwicklung. Ich wollte verstehen, wie die Welt funktioniert, und habe dabei gemerkt, dass fast alles in unserem Alltag durch politische Entscheidungen bestimmt wird. Das gilt für Busverbindungen genauso wie für Mieten. Ein wichtiger Moment war der Geschichtsunterricht. Dort habe ich verstanden, dass Geschichte die Grundlage für unsere heutige Situation ist. Politik ist kein trockenes Fach, sondern betrifft uns alle direkt. Deshalb möchte ich nicht mehr nur zuschauen, sondern aktiv mitwirken.
Warum sind Sie bei der FDP/JF gelandet?
Ich hatte schon länger Interesse an Politik, bin aber eher zufällig zur FDP gekommen, als ich über ein temporäres Büro eine Stelle bei der FDP Schweiz erhielt. Überzeugt haben mich vor allem die Menschen: engagiert, offen und lösungsorientiert. Zur Jungpartei bin ich durch Gespräche gekommen, in denen deutlich wurde, wie wichtig es ist, dass sich junge Menschen aktiv einbringen. Das hat mich motiviert, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Welche drei Begriffe beschreiben Ihre politische Haltung am besten?
Liberal, leistungsorientiert, weltoffen.
In welchem Politikbereich sehen Sie im Kanton Bern den dringendsten Handlungsbedarf?
Im Kanton Bern müssen wir vor allem bei der Bildung ansetzen, besonders wenn es um die Praxis geht. Viele Jugendliche haben heute Mühe mit dem Schritt von der Schule in die Lehre oder eine weiterführende Ausbildung. Nicht alle finden rechtzeitig eine Anschlusslösung, und die Anforderungen der Arbeitswelt sind für viele erst spät greifbar.
Gerade bei uns im Kanton Bern mit seinen unterschiedlichen Regionen müssen Schule und Wirtschaft enger zusammenarbeiten. Schülerinnen und Schüler brauchen schon früh echte Einblicke in den Berufsalltag. Wer Unterstützung beim Übergang in den Beruf braucht, sollte sie auch bekommen. Wichtig ist zudem, dass die Wege zwischen Lehre, Fachhochschule und Uni offenbleiben. Gleichzeitig müssen wir die Lehrpersonen entlasten, damit sie wieder mehr Zeit für die individuelle Begleitung der Jugendlichen haben.
Soll die Schweiz Waffen in die Ukraine liefern?
Das ist eine der schwierigsten Fragen unserer Zeit. Auf der einen Seite steht der Wunsch zu helfen, auf der anderen unsere bewährte Neutralität. Ich finde, wir sollten uns nicht zu Waffenlieferungen drängen lassen. Für die Schweiz ist es klüger, sich auf die humanitäre Hilfe zu konzentrieren. Wir müssen bei aussenpolitischen Entscheidungen einen kühlen Kopf bewahren, damit wir auch in Zukunft glaubwürdig zwischen den Fronten vermitteln können.
Wie stehen sie zu Tempo 30 innerorts?
Tempo 30 kann dort sinnvoll sein, wo es konkret zur Sicherheit beiträgt, etwa vor Schulen oder in Wohnquartieren. In solchen Bereichen unterstützt es die Verkehrssicherheit und die Lebensqualität.
Auf Hauptverkehrsachsen sehe ich generelle Tempo-30-Regelungen jedoch kritisch. Diese Strassen haben eine wichtige Funktion für den Verkehrsfluss und den öffentlichen Verkehr. Wird dort das Tempo stark reduziert, kann es zu Verzögerungen bei Bussen kommen und der Verkehr weicht vermehrt in Nebenstrassen aus.
Was können Sie, dass niemand von Ihnen denken würde?
Viele unterschätzen vermutlich, wie gerne ich diskutiere. Für mich gehört es dazu, unterschiedliche Standpunkte gründlich zu prüfen, bevor ich mir ein Urteil bilde. Ich mag den Austausch mit Menschen, die Dinge anders sehen als ich, weil mich das zwingt, meine eigenen Argumente zu hinterfragen.
Was ist das Wildeste, was Sie je gemacht haben?
In Sri Lanka bin ich allein auf einem Elefanten durch den Wald geritten. Das Tier kannte die Route genau und hat den Weg ohne Führung gefunden. Ich habe mich dabei komplett auf die Orientierung des Tieres verlassen, bis wir wieder am Ausgangspunkt angekommen sind.
Welches Lied können Sie auswendig?
Eigentlich bin ich eher ein Melodie-Mensch. Aber bei den Songs von Cro kann ich fast immer das ganze Lied mitsingen.