«Ich wurde überraschenderweise gewählt»
Ende März wählen wir den Berner Grossrat neu. Allein aus der Region Bern-Ost bewerben sich 155 Männer und Frauen um einen der insgesamt 160 Sitze. Bei uns stellen sich von jeder Partei eine Kandidatin und ein Kandidat aus der Region vor. Heute Grüne-Fraktions-Chefin Myriam Gerber-Maillefer aus Worb.
Name: Myriam Gerber-Maillefer
Alter: 53 Jahre
Wohnort: Worb
Beruf: Pflegefachfrau und Pflegeexpertin
Arbeitgeber: Insel Gruppe
Familienstand/Kinder: verheiratet / zwei Kinder
Bisherige politische Ämter:
2025 – heute / Vize-Präsidentin Geschäftsprüfungskommission Worb
2025 - heute / Fraktions-Chefin Grüne Worb
2023 – 2024 / Fraktions-Chefin SP + Grüne Worb
2021 - heute / Parlament Gemeinde Worb (Mitglied)
2021 - 2025 / Bildungskommission Gemeinde Worb (Mitglied)
Was war als Kind Ihr Traumberuf?
Pflegefachfrau – ich wollte schon früh mit Menschen arbeiten.
Wie wurden Sie politisiert, was ist Ihre früheste Erinnerung an Politik?
Der Frauenstreik 2019 hat mir den politischen Anstoss gegeben, selbst aktiv zu werden. Mir wurde bewusst, dass Frauen andere Anliegen haben und politische Themen anders gewichten als Männer. Um dieses Ungleichgewicht auszugleichen, habe ich mich für die nächsten Gemeindewahlen aufstellen lassen und wurde überraschenderweise gewählt.
Warum sind Sie bei den Grünen gelandet?
Grüne und soziale Anliegen werden in Worb am konsequentesten von den Grünen vertreten. Zudem schätze ich, dass sich bei den Grünen sehr unterschiedliche Menschen engagieren – das fördert ganzheitliche und tragfähige Lösungen. Das hat mich überzeugt, mich den Grünen Worb anzuschliessen.
Welche drei Begriffe beschreiben Ihre politische Haltung am besten?
Klimabewusst – Sozial – Pragmatisch.
In welchem Politikbereich sehen Sie im Kanton Bern den dringendsten Handlungsbedarf?
Im Umweltbereich braucht es mehr politische Anstrengungen, damit der Kanton Bern rasch klimaneutral wird. Gleichzeitig muss das Gesundheitswesen dringend an die heutigen Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst werden – insbesondere mit Blick auf Fachkräftemangel und Versorgungsqualität.
Soll die Schweiz Waffen in die Ukraine liefern?
Die Ukraine muss sich gegen den Aggressor Russland verteidigen können. Leider reichen diplomatische Bemühungen allein nicht aus. Ich befürworte deshalb die Lieferung ausgewählter, defensiver Waffen, die der Selbstverteidigung dienen.
Wie stehen sie zum Thema Tempo 30 innerorts?
Innerorts findet das Leben statt, deshalb sollen sich Menschen dort sicher begegnen und bewegen können. Meine eigene Erfahrung zeigt: Tempo 30 ist angenehmer für Gross und Klein. Studien zeigen zudem, dass es die Lebensqualität erhöht. Deshalb unterstütze ich mehr Tempo 30 innerorts.
Was können Sie, dass niemand von Ihnen denken würde?
Mich faszinieren Finanz- und Statistikzahlen, ich flicke und handwerke gern und interessiere mich für heimische Vögel.
Was ist das Wildeste, was Sie je gemacht haben?
Anfang der 1990er-Jahre bin ich unvorbereitet mit einer Freundin nach Thailand gereist, um Trekking-Ferien zu machen. Ich wusste kaum etwas von Asien und hatte wenig Geld zur Verfügung. Natürlich gab es auch kein Internet und telefonieren kostete ein Vermögen. Glücklicherweise ist uns trotz Schwierigkeiten nichts passiert.
Welches Lied können Sie auswendig?
Keines – dafür kenne ich viele Liedanfänge.