«Ihr Zuhause ist das Quartier»
BERN-OST hatte in der Region nach Dorfkatzen gesucht – daraufhin hat sich Michèle Beutler bei uns gemeldet. Sie erzählte von Bagira, der schwarzen Katze, die sich seit Jahren durch Rüfenacht bewegt und sich ihre Streicheleinheiten holt.
In Rüfenacht kennt sie fast jeder, der an der Tramhaltestelle oder im Coop vorbeigeht: Bagira, eine schwarze, Katze. Hinter der charmanten Streunerin steckt eine Geschichte, die zeigt, wie zwei Frauen ihr ein sicheres Zuhause bieten.
«Bagira kam vor ungefähr vier Jahren zum ersten Mal zu uns in den Salon, total durchnässt. Sie hat es sich auf einem Frotteehaufen bequem gemacht», erinnert sich Michèle Beutler vom Coiffeur Föhnbar. Seitdem sei die Katze immer wieder vorbeigekommen. «Viele kannten sie, aber niemand wusste, woher sie kommt», ergänzt Danja Jenni.
Bagiras Entscheidung
Bagira habe ursprünglich ein Zuhause gehabt. «Drei Kinder und ein Hund, das war ihr zu bunt», vermutet Beutler. Auch als im Coiffeurladen umgebaut wurde, sei Bagira kaum dort gewesen. Als die Familie schliesslich umzog, lief Bagira immer wieder nach Rüfenacht, und die Familie holte sie wieder ab. Sie hätten sie auch eingesperrt, wie es bei einem Umzug mit Katzen üblich ist, um sie an das neue Zuhause zu gewöhnen. «Doch sie entwischte und ging dann gar nicht mehr zurück. Sie sucht sich ihr eigenes Revier und ihres war einfach hier in Rüfenacht», so Beutler.
Doch das unabhängige Leben hatte auch seine Schattenseiten: Bagira litt unter Würmern und nahm ab. «Da habe ich gesagt, ich übernehme sie», erklärt Beutler. «Dann ist sie gesundheitlich zumindest versorgt. In eine Familie ohne Auslauf oder an einem anderen Ort wäre für Bagira keine Lösung. Auch ich werde sie nicht mit nach Hause nehmen. Ihr Zuhause ist das Quartier in Rüfenacht.»
Seit Juli gehört Bagira offiziell zum Föhnbar-Team. Sie bekommt regelmässig Futter und ein warmes Plätzchen zum Schlafen, wenn sie es möchte. «Meistens kommt sie am Morgen zu uns, schläft und geht später wieder», erzählt Beutler lachend.
Totale Freiheit
Wo Bagira die Nächte verbringt, ist unklar. «Bis jetzt war sie wahrscheinlich oft auch im und ums Bauernhaus vis-à-vis. Seit dieses abgerissen wurde, wissen wir nicht, wo sie jeweils die Nacht verbringt.» Deshalb planen die Frauen eine Thermobox. «Aber ob sie es annehmen wird, wissen wir nicht.» Mehrmals wurde Bagira bereits aus Versehen eingeschlossen. «Sie schleicht gerne unbemerkt herein und da sie schwarz ist, wird sie leicht übersehen.» Ihr offizielles Körbli nutzt Bagira kaum. «Sie liegt lieber in einem Brünneli oder auf einem Stuhl», so Jenni. «Früher sprang sie auch direkt auf die Knie von Kunden, wenn sie sich setzen», ergänzt Beutler.
Mit Diego, dem Hund von Beutler, verstand sie sich anfangs nicht besonders, doch inzwischen hat sie ihren eigenen Rhythmus gefunden. «Sie sucht den Kontakt auch heute noch nicht, und wenn Diego nicht da ist, ist dafür Bagira mehr da», erklärt Beutler.
So bleibt Bagira eine Streunerin – und gleichzeitig ein geliebtes Mitglied der kleinen Salon-Familie.
Habt ihr auch eine Katze in eurem Dorf, die quasi überall zu Hause ist? Eine Samtpfote, die durchs Quartier streift, in Läden vorbeischaut oder von allen Nachbarn gekannt wird?
Schickt uns ein Foto und erzählt, wo eure Dorfkatze unterwegs ist und wie sie sich bemerkbar macht – per WhatsApp oder Mail an BERN-OST. Wir freuen uns darauf, weitere charmante Streunerinnen und Streuner aus der Region kennenzulernen!