Jasmin Abakai

«Im Ring muss ich die Empathie ausschalten»

Mit 22 Jahren gehört Jasmin Abakai aus Rubigen bereits zu den erfolgreichen Nachwuchsboxerinnen der Schweiz. Die gelernte Köchin trainiert fast täglich und reist für Wettkämpfe durchs In- und Ausland. Im Ring setzt sie nicht auf Aggressivität, sondern auf Technik.

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Im Alltag eine sympathische Frau, im Ring die stärkste Schweizerin. (Bild: zvg)

Wenn Jasmin Abakai vom Boxen erzählt, wirkt sie ruhig, aufgestellt und reflektiert. Dass die 22-Jährige aus Rubigen regelmässig in den Ring steigt und dort Gegnerinnen gegenübersteht, überrascht viele. «Man würde es mir oft nicht zutrauen», sagt sie und lacht. «Auch vom Charakter her nicht.»

Dabei gehört das Boxen seit einigen Jahren fest zu ihrem Leben. Angefangen hat alles eher zufällig während ihrer Ausbildung an der Berufsschule. Dort wurde ein Boxtraining angeboten. Vorher hatte Jasmin getanzt. «Ich war zuerst etwa ein halbes Jahr im Schnuppertraining», erzählt sie. Schon früh erhielt sie die Rückmeldung, dass sie Talent habe. Deshalb suchte sie sich eine neue Trainingsmöglichkeit mit intensiverer Förderung. Diese fand sie in der Boxschule «Boxen zur Bildung». Eineinhalb Jahre später löste sie ihre Lizenz und nahm an ersten Amateurkämpfen teil.

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Die Technik und mentaler Stärke hinter dem Sport faszinieren Abakai. (Bild: zvg)

Erfolgreich im In- und Ausland

In ihrer kurzen Karriere hat Jasmin schon viel erreicht. Vergangenes Jahr gewann sie die Deutschschweizer-/Tessiner-Meisterschaft in Zürch. Auch international ging sie mehrmals als Siegerin aus dem Ring, etwa in Portugal und Deutschland. Nie vergessen wird sie ein grosses Turnier in Porto. «Dort hatte es sieben Ringe in einer Halle und etwa 2000 Athletinnen und Athleten», erzählt sie. Sie gewann das Turnier und holte ihren zweiten Titelgürtel.

 

Aktuell kämpft Jasmin in der Gewichtsklasse bis 60 Kilo. Dies zu halten sei teilweise schwierig. Durch den Muskelaufbau liege sie teilweise über dem Limit. «Vor jedem Kampf müssen alle Teilnehmenden auf die Waage», erklärt sie. Vor Wettkämpfen muss sie deshalb manchmal sogar Wasserfasten.

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Zwei Gürtel gewann die Rubigerin bereits in ihrer Sportkarriere. (Bild: zvg)

Die Kampftage seien oft lang und intensiv. «Vor kurzem hatte ich in drei Wochen drei Kämpfe», erzählt sie. «Das mache ich aber nicht mehr, das war sehr streng.» Umso wichtiger seien Regeneration, Schlaf und Ernährung.

 

Preisgeld gibt es im Amateurboxen kaum. «Meist bekommt man nur Zertifikate, Medaillen und oder Essen», sagt sie schmunzelnd. Deshalb sei auch Sponsoring ein wichtiges Thema. Aktuell sucht sie gezielt nach Sponsoren.

 

Zwischen Technik und Taktik

Jasmin trainiert dreimal pro Woche in der Boxschule in welcher sie von einem Coachteam trainiert wird. Zusätzlich geht sie zweimal pro Woche ins Gym, macht Schnellkraftübungen, absolviert Intervalltrainings oder Joggingeinheiten.

«Der Ablauf im Training ist meistens ähnlich», erklärt sie. Besonders das Sparring sei wichtig. «Dort lernt man am meisten, weil man sich an den Gegner anpassen muss.» Dabei trainiert sie meist mit Männern. «Frauen boxen oft aggressiver. Ich selbst boxe eher technisch», sagt Jasmin. Gerade deshalb trainiere sie lieber mit Männern, lacht sie.

 

Überhaupt spielt Technik für sie eine zentrale Rolle. «Ich boxe nicht mit dem Gedanken, Leute verletzen zu wollen», betont sie. «Es ist die Technik und das Mentale, das mich begeistert.» Man müsse den Gegner lesen können, ruhig bleiben und die Kontrolle behalten. «Im Kampf ist es wichtig, in einen Flow zu kommen und das Spiel selber zu machen.»

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Das Adrenalin, welches kurz vor dem Kampf hochkommt, hilft ihr im Ring. (Bild: zvg)

Ruhe bewahren im Ring

Mental habe sie im Boxen viel gelernt. Unterstützung erhält sie dabei auch von einem Mentalcoach.«Bei meinen ersten Kämpfen war ich extrem nervös», erinnert sich Jasmin. «Alle Augen sind auf dich gerichtet und genau in diesem Moment musst du performen.» Heute könne sie besser damit umgehen. «Jetzt kommt das Adrenalin erst, wenn ich in den Ring steige. Aber inzwischen hilft mir das sogar, um mich zu fokussieren.» Ihr Trainer gebe ihr vor dem Kampf oft einen einfachen Rat mit auf den Weg: «Er sagt immer, ich soll vor dem Einstieg in den Ring Lächeln.»

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In ihrem Job, steht Abakai mit Kochbluse in der Küche vom Restaurant Schöngrün. (Bild: zvg)

Auch Niederlagen gehörten dazu. Seit vier Jahren besitzt Jasmin ihre Lizenz. «Am Anfang habe ich häufig Kämpfe verloren. In dieser Zeit muss man sich entscheiden: ‘dürebisse’ oder aufhören mit dem Sport», erzählt sie offen. «Aber ich wurde immer besser was mich sehr motivierte.»

 

«2028 Olympia wäre ein Traum»

Neben dem Sport arbeitet Jasmin im Restaurant Schöngrün in Bern. Die gelernte Köchin schätzt es, dass ihr Arbeitgeber ihr entgegenkommt. Trotzdem sei der Alltag oft anspruchsvoll. «Boxen ist sehr zeitintensiv und organisatorisch manchmal schwierig mit Freunden und Familie.»

Langfristig hat sie diverse Ziele. «Die Schweizermeisterschaft im Herbst zu gewinnen, ist ein grosses Ziel», sagt sie. Und auch an Olympia teilzunehmen wäre für sie ein Traum. Zudem habe sie gehört, dass sie möglicherweise in der engeren Auswahl für das Schweizer Nationalteam stehe. «Das wäre sehr toll.»

 

Ob es irgendwann bis ins Profiboxen reicht, weiss sie selbst noch nicht. «Ich kann es mir im Moment nicht vorstellen», sagt sie. «Aber nichts ist unmöglich.» Entscheidend sei vor allem eines: «Man braucht Leidenschaft und man muss auch durchbeissen können.»


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 28.05.2026
Geändert: 28.05.2026
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