Im Salon Coifför Föhnbar
Coiffeusen und Coiffeure erfahren beim Haareschneiden oft persönliche oder witzige Geschichten. In unserer lockeren Serie geben uns Coiffeursalons aus der Region einen Einblick in ihren Alltag. Diesmal reisen wir nach Rüfenacht.
Name des Salons: Coifför Föhnbar
Inhaberin: Michèle Beutler
Mitarbeiterinnen: Danja Jenni und Martina Rieser
Freie Mitarbeiterin: Myriam Zimmermann
Angebot: Damen, Herren, Kinder und Perücken
Eröffnung: 22. Oktober 2012
Am meisten läuft bei uns am: Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag
Spezialität des Salons: Jeder hat seine eigenen Stärken und Sie entwickeln sich immer weiter, weil wir dazulernen und neue Erfahrungen machen.
Nebst den Klassikern wie neuen Frisuren für Damen, Herren und Kinder bieten wir auch besondere Farbservices wie Balayage, Strähnentechniken, Tönung und individuelle Farbveränderungen an.
Neben unserem regulären Angebot biete ich auch Haarersatzteile und Perücken für Menschen an, die durch eine Chemotherapie ihre Haare verlieren. Dieser Bereich liegt mir besonders am Herzen, weil Haarverlust immer sehr belastend ist. Mir ist es wichtig, die Betroffenen einfühlsam, diskret und individuell zu begleiten. Wenn erforderlich Besuche ich die Kunden zuhause oder im Spital damit sie sich in einer schwierigen Zeit wieder ein Stück wohl und sicher fühlen können.
Das ist uns bei unserer Arbeit wichtig: Selbständiges Arbeiten und Verantwortung für «unsere» Föhnbar zu übernehmen, ist mir sehr wichtig. Mit meinem Team – Danja Jenni und Martina Rieser – habe ich sehr großes Glück. Ich kann mit einem guten Gefühl in den Urlaub fahren, weil ich weiß, dass alles weiterläuft wie es sein soll.
Diese Krisen hat unser Salon gemeistert: Die Corona-Zeit war für alle eine harte Zeit.
Es hat uns tief berührt, wie viele Menschen uns ihre Unterstützung angeboten haben. Während des Lockdowns erhielt ich zahlreiche Telefonanrufe und E-Mails, alle mit derselben liebevollen Frage: „Wie geht es euch? Wir möchten euch unterstützen.“
Viele kauften Gutscheine, andere schickten uns aufmunternde Briefe – einige sogar mit Geldspenden. Diese Gesten haben uns sehr berührt und uns viel Kraft gegeben.
Auch der Vermieter kam uns mit einer Monatsmiete entgegen. Diese Solidarität und Unterstützung werden wir nie vergessen. Alltagskrisen wie Krankmeldungen im Team oder anspruchsvolle Kunden? Kennen wir – schaffen wir. Im Rückblick sind selbst die forderndsten Kunden meist halb so wild. Richtig kreativ werden wir allerdings, wenn spontan das warme Wasser ausfällt oder der Strom „nur ganz kurz“ abgestellt wird wegen der umliegenden Baustellen. Und am Ende gilt doch eigentlich immer: Aus jeder Krise und jedem anstrengenden Tag lernen wir etwas dazu – oder haben zumindest eine lustige, Geschichte.
BERN-OST: Warum kommen die Leute gerne zu Ihnen in den Salon?
Michèle Beutler: Ich glaub, es liegt daran, dass bei uns Haare und Gefühl zusammengehören.
Klar, die Frisur soll sitzen und zu einem passen – aber genauso wichtig ist uns, dass man sich wohlfühlt. Ein bisschen plaudern, lachen, Anteil nehmen, abschalten, während wir an den Haaren arbeiten. Für viele ist der Termin bei uns wie eine kleine Pause vom Alltag. Nur dass man danach auch noch gut aussieht.
Gehen Sie selbst gerne zum Coiffeur?
Ich greife oft selbst zur Schere, mit wechselndem Erfolg. Und jedes Mal merke ich, wie wertvoll ein guter Coiffeurbesuch ist.
Welche Frisur tragen Sie und warum?
Ich mag meine langen Haare und die vielen Möglichkeiten sie zu stylen. Mal trage ich sie lockig oder wellig, mal ganz glatt oder einfach hochgesteckt. Neue Ideen und Anregungen, die einfach umzusetzen sind, gebe ich meinen Kundinnen gerne mit.
Ändern Sie Ihre Frisur ab und zu?
Ich ändere eher wenig am Schnitt. Ich mag die Möglichkeiten, die mir die längeren Haare geben viel zu sehr.
Haben Sie schon als Kind davon geträumt, Coiffeuse zu werden?
Ja, ich wollte schon immer Coiffeuse werden. Kurz habe ich auch an einen Beruf mit Tieren gedacht aber schnell gemerkt, dass diese Arbeit zu emotional für mich ist.
Haben Sie sich den Beruf damals so vorgestellt?
Wenn ich mich richtig erinnere, entsprach der Beruf im Grossen und Ganzen meinen Vorstellungen. Worauf man jedoch mit Anfang siebzehn kaum vorbereitet wird, ist der Umgang damit, plötzlich sehr direkt mit dem Leben konfrontiert zu werden. Man begegnet Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Nach dem Tod eines geliebten Menschen, bei familiären Konflikten, Trennungen oder finanziellen Sorgen.
Was mir damals sicher nicht bewusst war ist, welch wichtige psychologische Rolle ein Friseurbesuch für viele Menschen sein kann. Für manche ist es nicht nur eine Dienstleistung, sondern auch ein Moment des Zuhörens, des Vertrauens und einfach mal die Luft rauslassen.
Diese Begegnungen waren für mich oft sehr prägend und herausfordernd. Diese haben mich jedoch sowohl persönlich, als auch beruflich stark geprägt.
Was macht für Sie den Coiffeurberuf so besonders?
Nicht viele Berufe sind so komplex wie der des Friseurs. Er vereint Kreativität, handwerkliches Geschick, Standfestigkeit, Beratungskompetenz und Flexibilität sowie die Fähigkeit, individuell auf die Wünsche der Kundinnen und Kunden einzugehen. Darüber hinaus benötigt man grundlegende Kenntnisse in Chemie.
Diese berührende Geschichte hat sich im Salon zugetragen:
Während einer Behandlung bei mir auf dem Stuhl, erfuhr eine Kundin per SMS, dass sie soeben zum ersten Mal Oma geworden war. Den Namen Brian fand sie zunächst etwas ungewöhnlich und ich erklärte ihr, wie er richtig ausgesprochen wird. Kurz darauf kam der Anruf und wir hörten gemeinsam die ersten Schreie des Babys. Die Freude und das Glück in ihren Augen waren so wunderbar, dass wir alle Tränen in den Augen hatten.
Welches war die wildeste Frisur, die Sie je gemacht haben?
Eine Kundin besucht regelmässig Comic‑Cosplay‑Veranstaltungen, bei denen sich viele Fans als ihre Lieblingsfiguren aus Comics verkleiden.
Ich durfte sie beim Styling ihrer Haare unterstützen. Gemeinsam färbten wir ihre Haare passend zu ihrer Figur.
Ich organisierte die passenden Kunsthaare. Diese mussten wir toupieren, flechten und sorgfältig mit Klammern vernähen damit alles korrekt hält und gut aussieht. Der Aufwand war riesig, aber wir hatten sehr viel Spass dabei.
Welche Frisuren sind zeitlos?
Long-Bob auch Care genannt und Lange Haare gestuft.
Welche Frisuren voll im Trend?
Wellig lange Haare.
Welche Kund:innenwünsche sind am schwierigsten zu erfüllen?
Am schwierigsten sind Wünsche zu erfüllen, die ihre eigenen Wünsche nicht kennen. Da heisst es in etwa: etwas Neues, etwas ganz anderes und frech soll es sein, aber bitte nur die Spitzen schneiden.
Was machen Sie, wenn Sie einen Wunsch nicht erfüllen können?
Dies kommt zum Glück sehr selten vor. Für nahezu alles gibt es eine Lösung.
Handelt es sich jedoch um Wünsche, die wir nicht umsetzen können, weil die benötigten Materialien nicht in unserem Angebot sind oder wir dafür nicht geschult sind, verweisen wir die Kundin an einen Salon. der besser auf diesen Wunsch spezialisiert ist.
Gibt es eine Frisur, die Sie nie jemandem machen würden?
Nicht jede Frisur, die wir auf Wunsch der Kundin umsetzen, entspricht unserem persönlichen Geschmack.
Selbstverständlich beraten wir ehrlich und machen Vorschläge oder Anpassungen die der Kundin schmeicheln würden. Letztlich gilt jedoch: Der Wunsch der Kundin steht für uns im Mittelpunkt.
Eine klare Grenze ziehen wir bei chemischen Behandlungen. Haare haben Belastungsgrenzen. Wird diese Grenze überschritten, kann die Haarstruktur dauerhaft zerstört werden – ein Schaden, der nicht reparierbar ist.
Welches sind in Ihrem Berufsalltag die schwierigsten Momente?
Es wird für mich langsam schwierig, wenn Kund:innen sagen: «Ich hätte gern einen Buzz Cut, oder doch lieber einen French Crop? Oder meinst du, mir würde ein Edgar stehen?» In meinem Kopf: Wie bitte?
Und die neuen Namen für Haarfarben: Creamy Butter Toast Blonde, Chantilly Blonde und ganz ehrlich: was genau stellt man sich eigentlich unter New England Blonde vor? Vieles davon gab es inhaltlich schon lange, nur unter anderen Begriffen oder ohne schickes Label. Durch Social‑Media‑Marketing werden bekannte Konzepte neu verpackt, benannt und als „Trend“ positioniert.
Auch immer öfter: Warum kann ich nicht die Haarfarbe bekommen wie auf diesem Bild? Die Antwort lautet immer wieder, dass es sich um ein KI‑generiertes Bild handelt.
Welches die schönsten?
Einer der schönsten Momente bei unserer Arbeit ist das glückliche und zufriedene Leuchten in den Augen unserer Kundinnen zu sehen, wenn die Frisur oder die Haarfarbe einfach perfekt passt. Wenn sie unseren Salon mit einem Lächeln verlassen, macht uns das stolz und erfüllt uns mit großer Freude.
Manchmal hat man keine Zeit, um zur Coiffeuse zu gehen – wie lautet Ihr ultimativer Tipp zur «Katastrophen-Rettung»?
Der Alltag ist voll und trotzdem meldet sich dieses kleine Bedürfnis nach Veränderung immer wieder. Unser Tipp für genau solche Momente:
Lasst die Schere lieber in der Schublade und die Kaufhausfarbe im Regal. Ruf uns an wir haben fast immer einen guten Rat der das Warten erträglicher macht. Oder komm schnell bei uns im Salon vorbei. Wir bringen die Fransen in Form oder frischen die Konturen auf.
Und wenn selbst dafür gerade keine Zeit ist, wirkt manchmal ein gutes Pflegeprodukt Wunder. Glänzende und geschmeidige Haare fühlen sich oft wie eine kleine Veränderung an. Den nächsten Termin machen wir dann gleich gemeinsam aus, auf den freut man sich umso mehr.
Adresse: Coifför föhnbar, Hinterhausstrasse 5, 3075 Rüfenacht
E-Mail: info@foehnbar.ch
Website: www.foehnbar.ch
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