Bruno Schafroth und seine Siegerkuh

«In der Viehzucht ist eins und eins nicht immer zwei»

Bruno Schafroth züchtet seit seiner Jugend Kühe. Trotzdem lässt sich ein Sieg an der Viehschau nicht planen. Der Konolfinger Bauer erzählt vom Herzblut seiner Söhne, von Kühen mit Hörnern und einem Sommer, der an die Wintervorräte ging.

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Fabian und Bruno Schafroth mit Siegerkuh Martina. (Foto: rb)

Martina war in Topform. Die Simmentalerkuh von Bruno Schafroth holte an der letztjährigen Viehschau Konolfingen den ersten Preis. Für ihren Besitzer ist das kein Grund, sich auf die Schulter zu klopfen. «Es ist auch ein wenig Glückssache», sagt er.

 

Die vierjährige Kuh hatte schon einige Zeit vor der Schau gekalbert. Im Herbst passte bei ihr vieles zusammen. Zum Erfolg beigetragen haben auch Schafroths Söhne Matthias und Fabian. «Kühe sind ihre grosse Leidenschaft und deshalb investieren sie viel Herzblut und Zeit in sie.»

Gutmütig, aber mit eigenem Kopf

Schafroth beschreibt Martina als ruhig, umgänglich und gutmütig. Gleichzeitig habe sie einen starken Charakter. Eine kleine Eigenheit hat die Siegerkuh auch: Manchmal weiss sie nicht, durch welche Stalltüre sie hinauswill. «Wenn man wartet, merkt sie das dann schon.» Manchmal helfen auch ein paar laute Worte.

 

Wie die anderen Kühe auf seinem Hof trägt Martina Hörner. Für Schafroth ist klar: «Das gehört dazu.» Bei den Simmentalerzüchtern sei das üblich, sagt er.

 

Mit dieser Rasse ist der 45-Jährige aufgewachsen. Seine Kindheit verbrachte er auf dem elterlichen Bauernhof Tell in Tägertschi. Die Simmentaler sind für ihn bis heute die passende Wahl. «Es ist noch eine richtige Kuh zum Anschauen», so Schafroth, «auch bezüglich Milch und Fleisch stimmt das für mich.»

Nicht jedes Kalb wird eine Siegerkuh

In die Viehzucht sei er hineingewachsen. Heute werden die Kühe auf seinem Hof meist künstlich besamt. Welche Verbindung am Ende eine besonders schöne Kuh hervorbringt, lasse sich nur bedingt planen.

 

«In der Viehzucht ist eins und eins nicht immer zwei», sagt er. «Es muss alles zusammenpassen.» Was bei einer Kuh gut herauskommt, kann bei einer anderen nicht gelingen.

 

Bei einem neugeborenen Kalb erkennt Schafroth zwar erste Anlagen. Ob daraus eine gute Kuh wird, zeige sich aber erst nach dem ersten Kalbern. Manchmal entwickle sich das Euter nicht wie erhofft, manchmal wachse das Tier zu wenig. «Alles können wir nicht beeinflussen.»

Sommerbilanz: Weniger Vorräte, weniger Kühe

Wie schwierig die Versorgung mit Futter werden kann, zeigte der trockene Sommer. Auf Schafroths Betrieb wuchs zu wenig nach. Fast ein Drittel der Wintervorräte an Heu und Silo hat er bereits verfüttert. Auch den Brotweizen silierte er als Futter.

 

Futter zukaufen wollte er nicht um jeden Preis. Die Preise seien massiv gestiegen. Deshalb reduzierte er den Bestand an Kühen. Mittlerweile musste er sieben Kühe schlachten lassen. Allerdings gibt er auch in anderen Jahren im Herbst drei bis vier Kühe ab.

 

Die Hitze machte auch den Tieren zu schaffen. Bei über 30 Grad wollten sie selbst am frühen Abend kaum auf die Weide. Dennoch mussten sie nachts raus und konnten morgens wieder in den etwas kühleren Stall.

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Schafroths halten 22 Simmentaler Kühe. (Foto: rb)

Genugtuung nach einem Jahr Büez

Nach langer Vorbereitung mit Kühen waschen, Glocken reinigen und Blumen binden, steht für Bruno Schafroth und seine Familie der schönste Anlass des Jahres vor der Tür. Auch die Kuh Martina wird an der Viehschau Konolfingen wieder am Start sein. Das Ganze sei nur möglich dank vielen helfenden Händen, «es isch e riise Chrampf», sagt Schafroth schmunzelnd.

 

Nach der Viehschau gibt es für ihn einen besonderen Moment: Am Abend, wenn alle Kühe wieder zurück im Stall sind und gute Bewertungen erhalten haben. «Dann ist das eine schöne Genugtuung für all die Büez, die man das Jahr durch hat.»

Der Betrieb am Wolfmattweg

Bruno Schafroth übernahm den Hof in Konolfingen 2008. Bereits sein Vater war dort aufgewachsen. Mit seiner Frau Beatrice hat er drei Kinder: Stefanie, Matthias und Fabian. Wer den Hof einmal übernimmt, ist noch offen.

 

Zum Betrieb gehören 26,5 Hektaren Land und ein Heimet in Rüegsau, das der Aufzucht dient. Schafroth betreibt Milchwirtschaft und baut Futter für seine Kühe an. Daneben arbeitet er zu 20 Prozent bei der Tierkörpersammelstelle Konolfingen. Beatrice arbeitet ebenfalls Teilzeit ausserhalb des Betriebs.

 

Viehschau Konolfingen, Freitag, 9. Oktober, 9 Uhr, Mehrzweckplatz, Konolfingen


Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 08.10.2026
Geändert: 08.10.2026
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