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Integration am Bernisch-Kantonalen: "Es sieht ähnlich aus wie Sumo"

Grossanlässe wie das Bernisch Kantonale Schwingfest geben unheimlich viel zu tun. Durchführbar sind sie nur dank Gratisarbeit. Mehr als 1000 freiwillige Helferinnen und Helfer sind für das Kantonale in Münsingen insgesamt im Einsatz. Zwei davon sind die Münsingerinnen Melissa Weber und Tenzin Thogyal Thotsetsang.

Tenzin Thogyal Thotsetsang (links), Tochter Tenzin Thotsetsang und Melissa Weber am Arbeitsplatz im Festzelt. Tochter Tenzin war erfolgreich am Migros-Zwirbelrad. (Bilder: Anina Bundi)
Besuch bei Siegermuni Tresor. (Bilder: Anina Bundi)
Auf dem Festgelände.

Melissa Weber und Tenzin Thogyal Thotsetsang leisten Ihren Einsatz auf Initiative des Frauentreffs Colibri in Münsingen, der einheimische und fremdsprachige Frauen vernetzen und ihnen damit bei der Integration helfen will.

 

Genau darum haben sich die beiden Frauen auch für das Kantonale gemeldet. Gemeinsam Spass haben und Leute kennenlernen. Am ruhigeren Buebenschwinget-Samstag haben sie Zeit, ein wenig zu flanieren und den Bueben im Sägemehl zuzusehen. Mit dabei ist Thotsetsangs Tochter, die ebenfalls Tenzin heisst. Alle drei kennen Schwingen bisher nur aus dem Fernsehen.

 

Nicht weltbekannt

Weber ist in Venezuela aufgewachsen, lebt seit 5 ½ Jahren in der Schweiz und ist mit einem gebürtigen Rüfenachter verheiratet. Seit sie weiss, wie wichtig der Schwingsport hierzulande für viele Leute ist, wundert sie sich, dass er nicht weiter herum bekannt ist. „Ich kannte früher von der Schweiz Heidi, Käse, Schoggi und Sackmesser. Das Schwingen ist nicht weltbekannt.“

 

„Ähnlich wie Sumo“

Weder in Venezuela noch in Tibet gebe es etwas ähnliches, sagen die Frauen. „Der Kampfsport im Tibet ist ganz anders“, sagt Thotsetsang, die seit acht Jahren in der Schweiz lebt und als politischer Flüchtling anerkannt ist. Beide vergleichen das Schwingen mit dem japanischen Sumo-Kampf, der sehr ähnlich aussehe. Einig sind sie sich auch darin, dass Schwinger gut aussehen. „Gesund und mit viel Kraft“, so Thotsetsang.

 

Mehr als das Treiben im Sägemehl begeistert sie der Jodel, der aus Lautsprechern die Arena beschallt und den sie von anderen Gelegenheiten kennen. „Sehr, sehr schön“, klinge er und verströme Ruhe.

 

„Münsingen hat alles“

Auch über Münsingen haben sie nur Gutes zu sagen. „Es ist ein grosses Dorf, es hat alles, was man braucht“, findet Tenzin Thogyal Thotsetsang. Melissa Weber ergänzt: „Der Wald ist nah, die Aare, überhaupt die Natur“. Und ja, sie schwimme gern in der Aare, sagt sie. Thotsetsang hat das Schwimmen erst in der Schweiz gelernt. Sie ist etwas vorsichtiger und zieht das Freibad vor. Dorthin geht sie mit Tochter Tenzin dafür regelmässig.

 

Weber war in Venezuela Stadtplanerin. Hat sie eine Meinung zur Entwicklung von Münsingen, zum Beispiel zur leidigen Verkehrsfrage? Dazu wolle sie nichts sagen, lautet die schnelle und dezidierte Antwort. „Früher gab es mehr grün“, stellt sie dann aber doch fest. Und auch Thotsetsang outet sich mit ihrem Statement als waschechte Münsingerin: „Münsingen wächst schnell.“

 

Den heutigen Sonntag wird Tenzin Thogyal Thotsetsang im Freibad verbringen. Das hat sie Tochter Tenzin versprochen. Weber hingegen wird versuchen, noch an ein Stehplatzticket zu kommen, um zu sehen, wie die Aktiven um Siegermuni Tresor kämpfen.

 

[i] Der Colibri Treff feiert heuer 20-jähriges Bestehen. Am 17. August steigt beim Schlossgut das Fest dazu.


Autor
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 11.08.2019
Geändert: 11.08.2019
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