Kathrin Altwegg

«Ohne diesen Einschlag gäbe es uns nicht»

Die Berner Astrophysikerin Kathrin Altwegg kommt in die Region und hält einen spannenden Vortrag. War es nur Glück, dass sich die Menschheit entwickeln konnte? Wir haben mit Altwegg gesprochen und wollten wissen, warum wir leben und die Dinosaurier ausgestorben sind.

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Kathrin Altwegg: «Wir haben noch 40 Millionen Jahre Zeit.» (Foto: zvg)

Die Berner Astrophysikerin Kathrin Altwegg hält Ende Januar im Kirchgemeindehaus Bolligen einen Vortrag zum Thema, ob es nur Glück war, dass sich die Menschen auf der Erde entwickeln konnten. Es geht um die Frage, was musste alles passen, damit auf der Erde Leben entstehen konnte.

BERN-OST: Kathrin Altwegg, ist es nur Glück, dass es uns Menschen gibt? Kann man diese Frage ganz einfach beantworten?

Kathrin Altwegg: Es ist nicht nur Glück, man kann auch sagen Zufall oder göttliche Vorsehung – was Sie wollen. Wenn man schaut, wie wahrscheinlich, es ist, dass sich menschliches Leben im Universum entwickelt – ist die Chance klein. Wir hatten diese Chance. Es braucht aber verschieden Sachen, die zusammenfallen.

 

Was muss denn alles stimmen, damit sich intelligentes Leben entwickeln kann?

Es benötigt ein stabiles System, die Erde befindet sich in der habitablen Zone, das heisst, es ist ein Planet mit Wasser und einem Klima, das Leben erlaubt. Aber auch dies kann sich über die Jahrmillionen immer wieder ändern. Es gab heftige Vulkanausbrüche oder Einschläge von Meteoriten, welche die Entwicklung des Lebens beeinflusst haben. Das waren Zufälle, die nicht gesteuert werden konnten.

Der Mond ist das Resultat eines Unfalls.

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Auch der Mond spielte eine Rolle für die Entwicklung des Lebens auf der Erde. (Foto: rb)

Das heisst, ohne Mond gäbe es kein Leben?

Wahrscheinlich kein entwickeltes Leben. Mikroben schon. Die entwickelten sich relativ schnell. Schon nach 800 Millionen Jahren waren die da.

 

Gab es einen entscheidenden Zufall, dass sich Leben auf der Erde entwickeln konnte?

Es hat viele Zufälle gebraucht. Vor 66 Millionen Jahren wurden die Dinosaurier durch einen Meteoriteneinschlag ausgelöscht. Ohne diesen Einschlag hätten sich die Säugetiere – auch wir sind ein Säugetier – nicht entwickeln können. Wenn das nicht passiert wäre, gäbe uns auch nicht. Der Meteorit war zwölf Kilometer gross. Als er einschlug, wirbelte dies so viel Staub auf, dass die Temperatur um 20 Grad sank. Also gefror alles und es gab nichts mehr zu fressen und die Dinos starben aus.

Etwa alle 100 Millionen Jahre passiert eine solche Apokalypse.

Zum Glück schlagen heute keine Meteoriten mehr ein.

Das ist noch nicht lange her! Dass wieder so ein Kleinkörper kommt, ist möglich. Etwa alle 100 Millionen Jahre passiert eine solche Apokalypse. Das heisst, «wir haben noch 40 Millionen Jahre Zeit.»

 

Am Anfang gab es auf der Erde nur Steine und Wasser – also nur leblose Materie. Wie kam das Leben auf die Erde?

Das weiss man nicht. Es gibt zwei Möglichkeiten: Von unterirdischen Vulkanen im Meer, die stossen Moleküle aus, über die sich Leben entwickeln kann. Oder durch den Einschlag von Kometen. Kometen haben die Biomasse auf die Erde gebracht, auch daraus kann Leben entstehen.

Wir haben uns zu viel vermehrt.

Weiss man, wie das Wasser auf die Erde kam?

Nein, das weiss man nicht. Es kam nicht von Kometen. Eventuell von Asteroiden oder, dass es im Innern der Erde bereits Wasser gab.

 

Wie lange gibt es die Erde schon? 4.6 Milliarden Jahre? Menschen gibt es erst seit 300'000 Jahren. Wie hat sich der Mensch seither gehalten auf dieser Erde?

Wir haben uns zu viel vermehrt. Ich weiss nicht, ob die Erde gemacht ist für so viele Menschen. Was wir von den Apokalypsen lernen: Es nimmt immer die Grossen, wie damals die Dinosaurier. Es gab mal einen riesigen Vulkanausbruch in Sibirien. Der hat alles Leben im Meer und 75 Prozent des Lebens an Land ausgelöscht. Die kleinen Tiere überlebten, die grossen nicht.

 

Wow! Ein Vulkanausbruch reicht also?

Da sprechen wir von Riesenvulkanen, wie den Phlegräischen Feldern bei Neapel oder von Vulkanen auf Island. Je nachdem wie viel Staub ausgestossen wird, würde es dunkel und danach gäbe es wohl einen Kampf um Land und Ressourcen. Es kann aber auch sein, dass in den nächsten 1000 Jahren nichts passiert, darauf haben wir keinen Einfluss. Geniessen wir also den Moment.

 

Kathrin Altwegg hält am 30. Januar um 19:30 Uhr im Kirchgemeindehaus Bolligen einen Vortrag zum Thema «Wieviel Glück braucht es, dass es uns gibt?»

 

Kathrin Altwegg legte 1970 die Matur in Solothurn ab und studierte Physik an der Universität Basel. Sie war die einzige Frau ihres Jahrgangs und promovierte 1980. Nach einem Postdoc in New York wechselte sie 1982 an die Universität Bern in die Weltraumforschung. Dort arbeitete sie am Ion Mass Spectrometer für die Giotto-Mission. 1996 habilitierte sie und übernahm die Leitung des Rosina-Projekts zur Erforschung des Kometen Churyumov-Gerasimenko auf der ESA-Sonde Rosetta. Altwegg ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.


Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 19.01.2026
Geändert: 19.01.2026
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