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Keine Entschädigung: Fitnesstrainerin kämpft um ihre Existenz

Die Fitness-Branche leidet unter den Corona-Massnahmen. Insbesondere die Kleinen trifft es hart. Für die Fitnessinstruktorin Anita Aebersold-Graf aus Stettlen kommt noch Pech dazu. Für ihre Teilzeitstelle erhält sie nur wenig und für das eigene Geschäft gar keine Entschädigung.

Anita Aebersold-Graf blickt in eine unsichere Zukunft. (Bild: zvg)

"Ich bin am Boden und bin es leid, um meine Existenz kämpfen zu müssen", sagt Anita Aebersold-Graf. Kürzlich erhielt sie Post von der Ausgleichskasse. In dem Brief wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Antrag für eine Erwerbsersatzentschädigung abgelehnt wurde. Laut dem Schreiben erfüllt die Fitnessinstruktorin die Härtefallbedingungen nicht. So muss das AHV-pflichtige Einkommen mindestens 10'000 Franken pro Jahr betragen.

 

Anita Aebersold-Graf ist am Boden zerstört. Sie ist der Auffassung, dass es keine Untergrenze geben dürfte, dass also auch Kleinst- und "Hobbygeschäfte" unterstützt werden müssten: "Man sollte die, welche wenig verdienen, unterstützen."

 

Gang auf Sozialamt droht

Die Fitnessinstruktorin ist in einer unglücklichen Situation. Zu 40 Prozent ist sie bei einem Studio angestellt und erhält wegen Kurzarbeit 80 Prozent von ihrem dortigen Lohn. Die restliche Zeit arbeitet sie selbstständig und hat mit "Be Activ" seit vier Jahren ihr eigenes Geschäft in Stettlen. Aufgrund der Corona-Massnahmen müssen ihre Trainings draussen stattfinden. Das passe nicht allen Kunden*innen und so erneuerten diese ihr Abonnement nicht. "Was ich auch vollkommen verstehe", sagt Aebersold-Graf. In der Folge trainiert sie jetzt nur noch mit fünf statt mit zehn Klassen.

 

Unter den aktuellen Voraussetzungen kommt Aebersold-Graf kaum über die Runden. Sie hat das Schreiben der Ausgleichskasse ihrem Steuerberater gezeigt. Der riet der Fitnesstrainerin, auf das Sozialamt zu gehen. Das ist kein einfacher Schritt für Aebersold-Graf: "Ich bin in Stettlen aufgewachsen. Die Leute kennen mich. Dann muss ich dort alles offen legen. Man schämt sich automatisch."

 

Inszenierte Pandemie?

Anita Aebersold-Graf versteht die Massnahmen nicht. "Wieso schränkt man ausgerechnet den Sport ein? Gleichzeitig dürfen Coiffeur- und Fotogeschäfte offen bleiben. Dabei ist Bewegung gut für die Gesundheit und stärkt das Immunsystem", so die Sportlerin. Sowieso hält sie den ganzen Wirbel um Corona für übertrieben. Ganz sei sie zwar noch nicht dahintergekommen. Sie vermutet, dass die Pharma-Industrie die Finger im Spiel hat und ist sich sicher, dass ein grösserer Plan hinter der Pandemie steckt. 

 

Das Schlimmste für Anita Aebersold-Graf ist die Unsicherheit. Ursprünglich hatte sie gehofft, ab dem 22. Januar wieder einigermassen normal den Betrieb aufnehmen zu können. Die Massnahmen wurden allerdings verlängert auf Ende Februar. Dass nach dieser Frist weniger Restriktionen für die Fitness-Branche gelten werden, scheint im Moment zumindest zweifelhaft.


Autor*in
Adrian Kammer, adrian.kammer@bern-ost.ch
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Erstellt: 20.01.2021
Geändert: 20.01.2021
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