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Keine Nachfrage mehr: Tageskarten wegen Corona Verlustgeschäft

Die Tageskarten für den öffentlichen Verkehr waren bis anhin sehr gefragt bei den Gemeinden. Die Nachfrage sank mit dem Einzug der Corona-Pandemie extrem. Während gewisse Gemeinden optimistisch blieben, schafften andere das Angebot gleich ab.

Vor Corona waren die SBB-Tageskarten auf den Gemeinden sehr gefragt. (Bild: BERN-OST)

In den meisten Gemeinden ist eine SBB-Tageskarte für zwischen 43 und 45 Franken erhältlich. Damit können fast sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel der Schweiz einen Tag lang benutzt werden. Die Gemeinden bestellen je nach Bedarf ein Anzahl dieser Tageskarten bei den SBB und können diese Bestellung jährlich erneuern oder anpassen. Das Angebot erfreute sich grosser Beliebtheit, so auch in der Region Bern-Ost. Zu über 90 Prozent konnten diese Tageskarten verkauft werden.

 

In diesen Tagen der Corona-Krise sieht die Situation ganz anders aus. Die Mobilität nahm drastisch ab und damit auch die Nachfrage nach den Tageskarten. Das wird deutlich, wenn man sich die Online-Reservationen auf den Seiten der Gemeinden anschaut. In der dritten Januarwoche wurde in Worb beispielsweise noch keine einzige Karte gebucht. Das entspricht sieben Mal sieben Tageskarten. Bei einem Verkaufspreis von 45 Franken sind das über 2000 Franken, die die Gemeinde in einer Woche verliert, falls die Karten liegen bleiben. Ähnlich sieht es auch in Oberdiessbach aus, wo die Gemeinde vier Tageskarten anbietet.

 

Von radikal bis optimistisch

Als eine der ersten Gemeinden zog Grosshöchstetten die Konsquenzen. Schon im Mai 2020 stellte sie das Angebot komplett ein. Davor standen hier vier Karten pro Tag zur Verfügung. Worb hat im Sommer eher vorsichtig von zehn auf sieben Tageskarten reduziert, wie Gemeindepräsident Niklaus Gfeller bestätigt. Auch Oberdiessbach kürzte im Dezember von fünf runter auf vier. "Wir waren etwas optimistisch", gibt Gemeindeschreiber Oliver Zbinden zu. Als eine der Pioniergemeinden mit dem Angebot hange man auch ein wenig daran. Es sei momentan extrem schwierig, die Lage einzuschätzen, sind sich er und Gfeller einig.

 

Münsingen war etwas mutiger und verringerte ihr Tageskarten-Angebot im September von zehn auf sechs. Damit sei man bis jetzt ziemlich gut gefahren, meint die Leiterin der Einwohnerdienste Claudine Schlup. Die Reservationen sind sehr unregelmässig. So sind in diesem Monat zum Teil die Karten ausgebucht, an anderen Tagen sind noch alle verfügbar. Aber auch hier sind die Unterschiede im Vergleich zu den Vorjahren markant. "Die Nachfrage sank von ungefähr 90 auf etwa 70 Prozent", sagt Schlup.

 

Schwierige Planung

Wirklich Gewinn könne man mit den Tageskarten nicht machen, so der Tenor in den Gemeinden. Es sei eher als Service für die Einwohner*innen gedacht. Allerdings sollte ein Verlust vermieden werden, sagt Claudine Schlup. Fast alle Gemeinden, die an dem Angebot festhalten, müssen momentan aber damit leben. Da die Bestellung erst nach einem Jahr geändert oder storniert werden kann und die Entwicklung der Corona-Situation schwer vorhersehbar ist, ist eine Planung schwierig.


Autor*in
Adrian Kammer, adrian.kammer@bern-ost.ch
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Erstellt: 08.01.2021
Geändert: 08.01.2021
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