«Keine Zeit, um nervös zu sein»
Am Sonntag vor einer Woche erkämpfte sich Florian Matter aus Beitenwil den ersten Kranz - obwohl oder vielleicht auch weil er nicht ganz fit war. Der 20-jährige Landwirt über seine Trainingsroutine, seine Vorbilder und sein Ziel fürs Mittelländische in Stettlen.
«Erleichtert» sei er gewesen, nach dem ersten Kranzgewinn am Emmentalischen vom vorletzten Sonntag. Und da es nicht knapp war, er wusste, dass er den Kranz mit dem Sieg im sechsten Gang auf sicher hatte, konnte er ihn auch direkt im Sägemehl schon feiern, ohne auf die Schlussrangliste zu warten. «Es war natürlich ein grosser Traum von mir. Dass ich ihn nun realisieren konnte, ist auch ein Lohn für das Training im Winter».
Vollgepackte Trainingswoche
Nach dem Lehrabschluss als Landwirt im letzten Sommer habe er dafür mehr Zeit gehabt, so Matter. Montags trainiert er in Schwarzenburg mit einer kleinen Gruppe Mittelländer, mit dabei sind Klubkollege David Lüthi sowie Reto Walther, Lukas Dällenbach und Elias Pirkheim vom Schwingklub Worblental. Unter der Leitung von Ueli Lehmann und Lorenz Kämpf trainieren sie Schwingen, Kraft und Ausdauer. Am Dienstag steht Schwingen mit dem Mittelländer Kader auf dem Programm, am Mittwoch das Training im Heimklub Münsingen und am Donnerstag im Schwingklub Münchenbuchsee, dazu arbeitet er individuell an seiner Fitness, trainiert Kraft und Kondition.
Nicht ganz fit auf den zweiten Rang
Matter gewann in Oberdiessbach nicht einfach nur den Kranz, sondern vier Gänge mit Bestnote, was den sehr guten zweiten Rang ergab. Dass es so gut lief, lag nicht nur am Training, sondern auch am Kopf. «Ich war am Vortag noch ein wenig krank, ausserdem hatten wir eine strenge Woche auf dem Hof. Dadurch war ich nicht so auf das Fest fokussiert und hatte weniger Zeit, nervös zu sein.»
Mit dem freien Kopf habe er einfach Gang für Gang genommen und die «Zähni» geholt, unter anderem gegen den Kranzer Marcel Stucki aus Röthenbach. Er schwinge fast lieber und besser gegen Kranzer, so Matter, weil er da weniger zu verlieren habe. Und ein Bisschen Glück sei doch auch immer dabei, wenn es darum geht, ob es einen Plattwurf gibt, oder ob es noch den Kampf am Boden braucht zum Sieg.
Nach dem Schwingen wurde gefeiert
Der 20-Jährige schwingt mit einem grossen familiären Vorbild im Rücken. Sein Vater Urs Matter ist dreifacher Eidgenosse und gewann 70 Kränze und diverse Kranzfeste, unter anderem am Schwarzsee, auf dem Brünig und zweimal das Bernisch-kantonale. Wichtig sei für ihn auch der drei Jahre ältere David Lüthi. Gleicher Klub, gleicher Beruf, ähnliche Interessen. «Er hat mich immer unterstützt». So auch am Emmentalischen. Lüthi habe ihm gleich nach dem Gang gesagt, er werde abends heimfahren, so Matter. Damit stand dem Feiern nichts mehr im Weg.
"Weiter das Resultat suchen"
Florian Matter ist zurzeit Single. Er lebt und arbeitet als jüngstes von drei Geschwistern auf dem elterlichen Hof in Beitenwil, den er wohl dereinst auch übernehmen wird. Nebst dem Schwingen interessiert er sich für die Viehzucht, wo er mit seinen Swiss-Fleckvieh-Tieren auch schon Auszeichnungen gewann. Weniger interessiert ist er an Pferden, auch wenn sie auf dem Hof welche in Pension hätten. Das Haflinger-Fohlen, das er mit dem zweiten Rang am Emmentalischen gewann, nahm er deshalb nicht nach Hause.
Mit dem Mittelländischen Schwingfest am Sonntag in Stettlen stand für Matter mittlerweile schon das nächste Kranzfest an. Der neue Status beschert ihm künftig härtere Gegner, was vielleicht noch etwas Gewöhnung braucht. Ein bestimmtes Resultat habe er sich für dieses erste Fest als Kranzer nicht vorgenommen, sagte er im Vorfeld. Sein Ziel sei es, den Kopf frei zu behalten. «Ich möchte weiter so schwingen wie bisher und das Resultat suchen. Und ich freue mich sehr, zum ersten Mal mit dem Sternchen hinter dem Namen zu schwingen.»
Das gelang ihm. Zwar reichte es nicht direkt für den zweiten Kranz, aber Florian Matter startete mit einem Sieg in den Tag und hängte deren drei weitere an. Gestellte gab es keine - Matter schwang frei und suchte das Resultat.