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Kiesen - Wie weiter mit der Schule in Kiesen?

Quelle
Thuner Tagblatt

Am Infoanlass vor wenigen Wochen standen die meisten Anwesenden den Plänen des Gemeinderates für ein neues Dorfzentrum positiv gegenüber. An der Gemeindeversammlung gab es dennoch Diskussionen dazu.

Zwischen der Bahnhofstrasse (unten) und dem Dorfrand (oben) besitzt Kiesen Land, das der Gemeinderat entwickeln möchte. (Bild: Google Earth)

«Es waren auch schon mal mehr Leute da», sagte Kiesens Gemeindepräsident Ernst Waber (SVP) mit Blick auf die Stimmberechtigten in der Turnhalle. Deren 88 (rund 12 Prozent) hatten am Donnerstagabend den Weg dorthin auf sich genommen. Grund für den eher bescheidenen Aufmarsch könnte die fast schon unspektakulär anmutende Traktandenliste gewesen sein. Themen wie Tempo 40 auf den Gemeindestrassen oder ein Umzug der Gemeindeverwaltung in die geschlossene Poststelle sind abgehakt. Was die Sanierung von Schulraum und Gemeindegebäuden betrifft, hat die Gemeinde eine neue Idee entwickelt – diese löste an der Infoveranstaltung vom 17. Oktober mehrheitlich positive Rückmeldungen aus.

 

Am Donnerstag informierte der Gemeinderat erneut über das Projekt Dorfzentrum. Die Gemeinde möchte 12000 Quadratmeter von ihrem Land im Dorfzentrum im Baurecht an einen Investor abgeben und mittels Zins die Gemeinde- und Schulinfrastruktur sanieren. Schon im nächsten Jahr soll ein Planungskredit gesprochen werden, Baustart ist frühestens 2024.

 

Der Handlungsbedarf ist dringend: Schon heute fehlen der Gemeinde 500 Quadratmeter Schulraum. Trotz der erst vor kurzem durchgeführten Infoveranstaltung dazu kamen einige Fragen auf. Marcial Jenni wollte wissen, ob sich die Gemeinde Jaberg an den Kosten beteiligen werde. Schülerinnen und Schüler aus Jaberg besuchen die Primarschule in Kiesen.

 

Alt-Gemeindepräsident Ernst Nussbaum warf gar die Frage auf, ob der Vertrag mit Jaberg gekündigt werden müsse, um Platz für die Kiesener Schüler zu schaffen. Dagegen wehrte sich Schulkommissionspräsidentin Daniela Bourloud. Man sei noch nicht so weit, solche Fragen zu diskutieren, wandte Ernst Waber ein.

 

Nach zahlreichen Wortmeldungen rief Nussbaum die Anwesenden dazu auf, sich zu überlegen: «Welche Form von Entwicklung wollen wir für unser Dorf? Und: Gibt es auch andere Wege als den aufgezeigten?»

 

Toni Hossmann gewählt

Neue Wege geht auch Jürg Siegenthaler. Nach zehn Jahren in der Baukommission gibt er sein Amt Ende Jahr ab. Ein neues Mitglied musste her. Es schwang durchaus ein wenig Stolz in Präsident Wabers Stimme mit, als er die Kandidaten vorstellte. «In anderen Gemeinden müsste man wohl nach willigen Leuten suchen. Bei uns haben sich gleich drei Interessierte gemeldet.» Es waren dies Walter Burri, Toni Hossmann und Marcial Jenni. Im zweiten Wahlgang – Jenni schied nach dem ersten aus – erhielt Hossmann 46 Stimmen und ist damit für den Rest der laufenden Legislatur bis Ende 2021 Mitglied der Kiesener Baukommission.

 

Minus budgetiert

Vom Budget wurde wenig Aufhebens gemacht. Gemeindeschreiber Heinz Aebersold präsentierte die Zahlen: Für 2020 rechnet die Gemeinde mit einem Minus von 81'220 Franken, dies bei einem Aufwand von insgesamt rund 3,81 Millionen Franken. Die Stimmberechtigten sagten einstimmig Ja dazu. Auch die 110'000 Franken für ein neues Kommunalfahrzeug – das bisherige ist seit über zwanzig Jahren im Dienst und weist über 8'600 Betriebsstunden auf – wurden diskussionslos genehmigt.

 

Gut gefüllt war die Turnhalle Kiesen am Donnerstagabend übrigens: Rund vierzig Schülerinnen und Schüler besuchten, von ihren Lehrpersonen begleitet, die Gemeindeversammlung, um «Demokratie live zu erleben», wie Ernst Waber sagte.


Autor
Janine Zürcher, Thuner Tagblatt
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Erstellt: 08.11.2019
Geändert: 08.11.2019
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