Kleine Druckerei mit grossem Auftrag
Drucken? Geht heute ganz einfach via Online-Bestellung, denken viele. Druckereien müssen sich deshalb einiges einfallen lassen. Bastian Siegenthaler erzählt, wie er mit seinem Team das Familienunternehmen Rimo Druck in Konolfingen am Laufen hält, wie breit die Angebots-Palette ist, und wie sie gemeinsam den grössten Auftrag des Jahres gut über die Runden bringen.
In ein paar Wochen geht es los, dann herrscht in der Druckerei Rimo in Konolfingen für eine Weile Ausnahmezustand: Innert drei Wochen müssen bis zu 15'000 T-Shirts für den Schweizer Frauenlauf mit dem Start-Logo bedruckt werden. In dieser Zeit laufen die Maschinen heiss, dann sind täglich drei Vierstunden-Schichten angesagt. Geschäftsführer Bastian «Bäschtu» Siegenthaler freut sich trotz Stress jedes Jahr darauf: Diesen Auftrag führte schon sein Vater viele Jahre lang aus, er ist eine erfreuliche Sache und zugleich eine grosse Herausforderung für die Druckerei.
Druck am Laufband
Damit die 13 Paletten mit fixfertig bedruckten und gefalteten Shirts am Stichdatum bereitstehen, muss alles laufen wie geschmiert. «Ohne Unterstützung würden wir das nicht schaffen», sagt Siegenthaler. Ein Team von Freunden greife dem Team in diesen Tagen jeweils unter die Arme, das wäre sonst gar nicht machbar: Pro Schicht sind drei Leute nötig, damit sozusagen am Laufband durchgedruckt werden kann. «Zum Glück finden immer genug Freundinnen und Bekannte Freude daran, mal etwas anderes zu machen.»
Online wird viel versprochen …
Ganz klar, für einen so grossen Druckauftrag müssen Profis an die Arbeit. Aber Vieles wird auch online angeboten, und manche Anbieter versprechen, günstiger oder schneller zu liefern als jede Druckerei vor Ort. «Nach vier Klicks findet man wahrscheinlich tatsächlich ein Angebot, das günstiger ist», bestätigt Siegenthaler. Das sei auch einer der Gründe, warum es heute nicht mehr so viele Druckereien gebe. Aber via Onlineservice, wo ein Auftrag einfach so erledigt werde, wie er eingegeben worden sei, erhalte man dafür längst nicht denselben Service, wie er ihn biete.
In Siegenthalers Druckerei Rimo hingegen schaut Polygraf Simon Trachsel die Daten genau an, macht die Kundinnen und Kunden auf allfällige Fehler aufmerksam, fragt nach, was sie genau wünschen, und berät sie persönlich. «Das ist der grösste Unterschied gegenüber einem Online-Angebot», bringt es Siegenthaler auf den Punkt: «Wir holen das Maximum für die Kundschaft heraus.» Online hingegen frage auch bei offensichtlichen Fehlern meist niemand nach. Mehr als einmal, sagt er, sei ein Kunde doch noch bei ihm gelandet, nachdem ein Auftrag via Online-Angebot nicht gut herausgekommen sei.
Textildruck bis Offsetdruck
Auch punkto Angebotspalette können Bäschtu Siegenthaler und sein eingespieltes Team durchaus mithalten. Die Druckerei, die sein Vater vor 40 Jahren gegründet hatte, konnte den ursprünglichen Raum inzwischen auf eine Halle von stolzen 400 Quadratmetern vergrössern. Und es gibt nicht viel, was die Druckerei nicht vor Ort und samt persönlichem Service bieten kann: Anliegen rund um Textildruck von klassischem Siebdruck über Direktdruck bis Digitaldruck, bei dem die Motive ausgedruckt und mit einer Heissluftpresse auf das Textil gepresst werden, behandeln die beiden langjährigen Mitarbeiterinnen Doris Kuhn und Michèle Stucki. Mitinhaber und Leiter Textildruck Pesche Gasser ist der Spezialist in Sachen Siebdruck. Auch klassischen Offsetdruck bietet die Druckerei: Firmen können ganze Sets mit Couverts, Briefbogen, Firmenkleber, Auto- und Fensterbeschriftung bestellen.
Eine Anlaufstelle für alles
Eine 45 Meter lange Fassade könnten sie nicht einkleben, sagt Bäschtu Siegenthaler. «Aber Aufkleber mit Öffnungszeiten oder Auto- und Fensterbeschriftung können wir herstellen.» Und für alles, was für Rimo Druck zu gross ist, kennt das Team jemanden. «So haben die Kundinnen und Kunden über mich eine Anlaufstelle für alles.» Ob Kleber für das ganze Mirchelfest oder einfach nur sechs T-Shirts für eine kleine Firma – «dank Digitaldruck können wir auch Kleinauflagen liefern».
Sorgfältige Vorbereitung
In den nächsten Wochen jedoch bestimmt der Grossauftrag für den Schweizer Frauenlauf den Tages-Rhythmus: Schon seit 20 Jahren arbeitet die Druckerei Rimo mit diesem Event zusammen, das übrigens in diesem Jahr sein 40-Jahr-Jubiläum feiert. Ein doppelt feierlicher Moment für alle. Nachdem die Farben der Shirts ausgewählt sind, geht es um die Farbe für den Aufdruck. «Das Gut zum Druck erfolgt digital, und dabei können auch alle Details besprochen werden, die Frage beispielsweise, ob auch Sponsoren draufkommen», erklärt Siegenthaler.
Drucken im Dreitakt
Dann geht’s ans Drucken im Dreierteam: Die erste Person zieht das Textil punktgenau auf das Druckbrett am Siebdruck-Karussell, und löst mit einem Fusspedal den Druckvorgang aus. «In einer Umdrehung können wir das Textil von einfarbig bis achtfarbig bedrucken.» So dreht ein Shirt einmal rund um die Maschine von Station zu Station, insgesamt laufen zehn Arme durch acht Druckstationen. Anschliessend nimmt die zweite Person das bedruckte Teil vom Brett und schickt es durch den sechs Meter langen Trocknungstunnel.
Tausend Stück pro Vierstundenschicht
Die letzte Person nimmt die bedruckten und getrockneten Shirts entgegen und legt das Textil in eine Palette mit Rahmen: Damit sind sie für den zweiten Durchlauf bereit. Vier Stunden dauert eine Schicht, rund tausend Stück schafft ein Dreierteam in dieser Zeit. Die Textildruckmaschine sei auf Grosses ausgelegt, erklärt Siegenthaler. Aber trotzdem gehe es nur dank einem Einsatzplan und einem gut eingespielten Helferteam. «Unsere Helfer kommen gern, einige schon seit Jahren», freut sich Siegenthaler. Es sei eine hektische Zeit, «aber es hat immer Platz für einen Witz, und auch das gemeinsam ‚Firabebier‘ nach getaner Arbeit darf nicht fehlen».
Shirt an Shirt am Vorbeirennen
Wenn die Shirts abgeliefert sind, freuen sich Siegenthaler und sein Team doppelt: Der Grossauftrag ist einmal mehr geschafft, die Ware in gewohnter Qualität abgeliefert. Und dann können sie etwas geniessen, das sie nur selten zu sehen bekommen: Sie können als Zuschauer betrachten, wie die rund 15'000 Shirts im Takt auf der Rennstrecke des Frauenlaufs an ihnen vorbeiziehen. Und stolz sein, dass sie die strengen Sonderschichten einmal mehr gut geschafft haben.
Rimos Shirts am Frauenlauf
Bastian Siegenthaler druckt mit seinem Team seit Jahren die Start-Shirts, ausserdem ist er Mitglied im Organisationskomitee des Schweizer Frauenlaufs. «Man kann sich übrigens noch für die diesjährige Durchführung anmelden», betont er.