Zwei Frauen und eine gemeinsame Vision

«Kleine Veränderungen können viel bewirken»

Mit der Physio Re:Form haben Rahel Schmid und Anna Zürcher Anfang Jahr in Oberdiessbach ihre eigene Physiotherapie-Praxis eröffnet. Was einst als scherzhafte Idee begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zur gemeinsamen Selbstständigkeit. Heute setzen die beiden auf persönliche Betreuung und einen ganzheitlichen Ansatz, der über klassische Übungen hinausgeht.

image 985412
Rahel Schmid und Anna Zürcher führen gemeinsam die Praxis Re:Form. (Bild: zvg)

Rahel Schmid und Anna Zürcher arbeiteten zu Beginn ihrer Laufbahn bei Werner Nafzger – am selben Standort, an dem sich heute ihre eigene Praxis befindet. Danach trennten sich ihre beruflichen Wege.

 

Etwas später arbeitete Anna Zürcher erneut mit Werner Nafzger zusammen – diesmal als selbstständige Physiotherapeutin. Dabei entstand erstmals der Gedanke, dass Schmid später dazustossen könnte. Aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse in der aktuellen Praxis von Werner Nafzger entschieden sich Schmid und Zürcher dazu, eine eigene Praxis zu gründen.

Beide kannten den Standort und viele Mitarbeitende im Kastanienpark und im Ärztezentrum bereits von früher. «Wir haben einfach angefragt und plötzlich kam alles ins Rollen», erzählt Schmid. Zürcher startete im Januar, Schmid stiess im April dazu. Seither ist die Praxis von Montag bis Freitag geöffnet.

 

Mit dem grossen Interesse hatten die beiden nicht gerechnet. «Die Nachfrage war riesig», sagt Zürcher. Einige Personen hätten sie sogar noch von früher gekannt, ergänzt Schmid.

 

Vom eigenen Erlebnis zum Beruf

Rahel Schmid kam durch einen Unfall als Unihockey-Goalie erstmals mit Physiotherapie in Kontakt. Zuvor hatte sie den Beruf kaum gekannt. Besonders fasziniert hat sie das Zusammenspiel zwischen Therapeutin und Patient:in. «Man kann unterstützen und helfen, aber die Patient:innen müssen auch selbst mitarbeiten», sagt sie. Jeder Mensch bringe seine eigene Geschichte mit, keine Behandlung gleiche der anderen.

 

Anna Zürcher startete ursprünglich als Konstrukteurin mit dem Ziel, Ingenieurin zu werden. An einer Berufsmesse entdeckte sie dann die Physiotherapie für sich. «Mechanik und Elektrotechnik sind gar nicht so weit vom menschlichen System entfernt, wie man denkt», sagt sie. Gleichzeitig habe sie die Arbeit mit Menschen gereizt und die Möglichkeit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

 

Alltag statt Geräte

In der Praxis begegnet den beiden ein breites Spektrum an Beschwerden. Oft gehe es darum, die Ursache von Schmerzen zu finden und nicht nur das Symptom zu behandeln.

 

Die Praxis setzt bewusst auf einfache Mittel. Auf grosse Trainingsgeräte verzichten die beiden. Stattdessen stehen alltagsnahe Übungen im Zentrum, die zuhause umsetzbar sind.

image 985413
Die Praxis der beiden Frauen ist praktisch und einfach eingereicht. (Bild: zvg)

Kleine Schritte im Alltag

Wichtig ist den beiden, dass Übungen langfristig in den Alltag integriert werden können. Schmid nennt einfache Beispiele wie beim Zähneputzen auf einem Bein zu stehen oder während des Tages immer wieder kurz die Haltung zu verändern.

 

«Sobald man extra ein Mätteli hervorholen muss, werden die Übungen schon weniger gemacht», sagt sie. Deshalb gehe es darum, möglichst unkomplizierte Routinen zu schaffen. Genau dort liege auch die Herausforderung: Patient:innen dazu zu bringen, das Gelernte wirklich regelmässig umzusetzen.

Häufig erlebten die beiden, dass Übungen verschwinden, sobald die Schmerzen nachlassen. Dabei brauche der Körper Zeit, um neue Bewegungsmuster zu festigen. «Anders als bei Medikamenten dauert es länger, bis sich Veränderungen im Körper wirklich verankern», erklärt Zürcher.

 

Das Gesamtheitliche im Zentrum

Auf ihrer Webseite sprechen die beiden von «Therapieren, Trainieren und Transformieren». Oft gehe es darum, Gewohnheiten oder Denkweisen zu hinterfragen. Beschwerden seien nicht selten mit dem Alltag verknüpft. Gemeinsam mit den Patient:innen suchen die beiden nach kleinen, aber wirkungsvollen Anpassungen. «Wenn man nichts verändert, ändert sich auch nichts», sagt Schmid.

 

Auch Prävention spiele eine grosse Rolle. Zürcher beschäftigt sich unter anderem mit Sport- und Präventionsernährung, bei der nicht nur Ernährung, sondern auch Erholung und Mindset einbezogen werden. Schmid ergänzt das Angebot mit Pilates-Kursen in Oberdiessbach.

 

Individuell und flexibel

Die Physio Re:Form verstehe sich als kleine, ruhige und familiäre Praxis. Der enge Austausch mit den Ärzt:innen im Haus und in der Region gehört für die beiden selbstverständlich dazu. «Dieser direkte Kontakt ist für die Behandlung sehr wertvoll», sagt Rahel Schmid.

 

Am Ende steht für Schmid und Zürcher vor allem eines im Zentrum: Menschen dabei zu begleiten, kleine Veränderungen im Alltag zu schaffen, die langfristig einen spürbaren Unterschied machen können.

Dieser Artikel erschien zuerst im Newsletter Oberdiessbach.


Autor:in
Pascale Groschel
Fehler gefunden?
Statistik

Erstellt: 25.06.2026
Geändert: 25.06.2026
Klicks heute:
Klicks total: