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Klimastreik Münsingen: Eine Demo auf dem Land

Nachdem Münsingen mit Beat Moser seit 2014 den ersten grünen Gemeindepräsidenten der Region hat, kriegt es nun auch als erste Bern-Ost-Gemeinde eine Klimademo. Oder vielleicht überhaupt die erste grosse Demo. Denn, soweit bekannt, gab es das hier noch nie. Anja Kammermann hofft, dass es "friedlich, fröhlich und kunterbunt" wird und dass ein paar Hundert Klimaschützerinnen und -schützer den Weg nach Münsingen  finden.

Die Gruppe Klimastreik Münsingen. Anja Kammermann ist die dritte von rechts. (Bild: zvg)

Seit letztem Dezember haben in der Schweiz zehntausende Menschen für eine bessere Klimapolitik demonstriert. Bisher fanden die Demos und Aktionen vorwiegend in den Städten statt. Am kommenden Samstag wollen umweltbewegte Landbewohner und -bewohnerinnen zeigen, dass "die Klimakrise keine Stadt-Land-Grenzen kennt", wie es in einer Mitteilung von Klimastreik Schweiz heisst. Die Bewegung sei auch heute schon auf dem Land verankert, nicht zuletzt, weil die Landwirtschaft besonders stark vom Klimawandel betroffen sei.

 

Auch die Pfadi macht mit

Organisiert wird die Aaretaler Klimademo von der Gruppe Klimastreik Münsingen, die im April initiiert wurde. Unterstützt wird sie aber auch von den Münsinger Ortssektionen von SP, Grünen und GLP, von den Grünen des Kantons Bern und dem Verein Solarsegel, die alle auf ihren Webseiten und auf Social Media für die Demo werben, sowie von den Münsinger Klimasenioren, von Aktivisten der Gletscherinitiative und der Bewegung "Scientists for Future" und der SP Muri. Ihre Teilnahme beschlossen haben auch die Chutze-Pfader und -Pfaderinnen.

 

Die Forderungen des Klimastreiks: Ausrufen des Klimanotstands, Reduktion der Treibhausemissionen auf netto 0 und globale Klimagerechtigkeit. Diese müssten auch von der ländlichen Lokalpolitik aufgenommen werden, schreiben die Aktivisten und Aktivistinnen. In Münsingen forderte die Gruppe im Juni vom Gemeindeparlament, den Klimanotstand auszurufen. 

 

"Alles gemacht, was möglich ist!"

Für die Mobilisierung habe man alles gemacht, was möglich sei, erklärt Mitorganisatorin Anja Kammermann. Als erstes stellte die Gruppe rund um den Bahnhof grosse Plakate auf. In einer zweiten Welle wurden im gesamten Aaretal, "in wohl fast jedem Dorf zwischen Thun und Bern", so Kammermann, kleine Plakate gehängt. Als drittes und letztes soll diese Tage in jeden einzelnen Münsinger Briefkasten ein Flyer kommen. "Wir hoffen auf eine grosse Demo mit mehreren Hundert Teilnehmenden", sagt Kammermann. 

 

Friedlich und für alle Altersklassen

Besammlung ist um 14 Uhr beim Schulhaus Rebacker. Hier werden die Teilnehmenden begrüsst, es gibt Infos und es werden Parolen verteilt. Anschliessend zieht die Demo durch Münsingen und wieder zurück zum Schulhaus, wo die Schlusskundgebung stattfindet. Die Demo ist bewilligt und soll laut Anja Kammermann "auf jeden Fall sehr friedlich, fröhlich und kunterbunt" werden. Das haben wir uns ganz gross auf die Fahne geschrieben. Die Demo soll auch für alle Altersklassen offen sein." Denn die Klimakrise betrift uns alle."

 

Kein Klimanotstand in Münsingen?

Nicht dabei sein wird Gemeindepräsident Beat Moser. Allerdings nicht, weil er nicht wollte, sondern weil ihn andere Verpflichtungen fernhalten. "Sonst wäre ich glaub mitgelaufen", sagt er. "Das Thema ist wichtig und der Klimawandel beunruhigend. Es ist gut, wenn sich viele Leute darüber Gedanken machen." Den Klimanotstand ausrufen werde Münsingen aber nicht. "Ich finde das nicht zielführend", sagt Moser. Er betont, dass Münsingen schon viel mache für das Klima. "Ob das genug ist, darüber kann man aber natürlich diskutieren." Von den Parteien hat die Forderung ebenfalls noch niemand aufgenommen und als Vorstoss ins Parlament gebracht.


Autor*in
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 29.08.2019
Geändert: 29.08.2019
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