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Lädelisterben: "Was ist in Konolfingen los?"

Keine Metzgerei mehr, keine Bäckerei mehr, kein Tea-Room mehr. Das Kleingewerbe in Konolfingen schrumpft und der Unmut in der Bevölkerung wächst.

Der Laden des Schlachthüsis schliesst im Sommer. (Bild: Adrian Kammer)
Das Chrützplatz-Kafi macht bereits Ende Februar Schluss. (Bild: Adrian Kammer)
Zieht das El Cannario in das Haus des Chrützplatz-Kafis? (Bild: Eva Tschannen)

"Oh nein! So schade!", "Was soll das? Geht denn hier alles zu?", "Was ist in Konolfingen los? Alles Gute verschwindet einfach." Solche und ähnliche Kommentare von Lesern häuften sich in der letzten Woche auf BERN-OST. Zuerst wurde bekannt, dass das Schlachthüsi sein Lädeli nur noch bis zum Sommer führen wird, und am Dienstag verkündete das Chrützplatz-Kafi mit seiner Bäckerei die Schliessung auf Ende Februar. Damit verliert Konolfingen seinen letzten Bäcker, sein letztes Tea-Room und seine letzte Metzgerei.

 

Dazu kommt die unsichere Zukunft der Bar El Cannario. Sicher ist nur, dass das beliebte Konzertlokal die bisherigen Räumlichkeiten auf Ende Februar verlassen muss. Eine Möglichkeit wäre, beim Chrützplatz-Kafi einzuziehen. Der Betreiber des El Cannario Matthias Gfeller bestätigt sein Interesse diese Woche gegenüber BERN-OST. Gespräche mit dem Hausbesitzer seien im Gang.

 

Gemeinde kann nicht viel tun

Gemeindepräsident  Daniel Hodel (SVP) bedauert diese Entwicklung, wie er gegenüber BERN-OST betont. Er hofft aber auf mögliche Nachfolger für das eine oder andere Geschäft, welches nun schliesst: "Wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf." Allerdings könne die Gemeinde nicht viel tun, um solche Schliessungen zu verhindern, sagt Hodler weiter: "Was wir tun können, ist die strukturellen Voraussetzungen schaffen und Hilfe bei der Suche nach Investoren anbieten. In erster Linie braucht es aber Unternehmer und Kunden."

 

Auch Urs Aeschlimann, Präsident des Handwerker- und Gewerbevereins Konolfingen, sagt: "Ich finde das schade, persönlich wie auch für das Dorf." Das "Lädelisterben" ist laut Aeschlimann aber kein Konolfinger Phänomen, sondern eine allgemeine Entwicklung: "Wie man anhand der Post oder der Banken sieht, findet eine wirtschaftliche Zentralisierung statt. Viele, die auf dem Land wohnen, arbeiten in der Stadt und konsumieren auch dort."

 

Hoffnung stirbt zuletzt

Allerdings sind die Schliessungen vom Schlachthüsli wie auch vom Chrützplatz-Kafi nicht einmal wirtschaftlich bedingt. Beide sagen, dass das Geschäft rentiert und ziehen aus anderen Gründen die Reissleine (BERN-OST berichtete). Das würde die Hoffnung des Gemeindepräsidenten bestärken, dass neue Kandidaten mit einem Beck, einer Metzgerei oder Tea-Room ihr Glück in Konolfingen versuchen. Immerhin hat das Dorf mit dem Früschmarkt Konufinge noch eine Art "Dorflädeli".


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Adrian Kammer, adrian.kammer@bern-ost.ch
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Erstellt: 02.02.2019
Geändert: 02.02.2019
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