Neue Grossrätin aus Kiesen

Leana Wabers steiler Start

Leana Waber ist Ende März auf Anhieb für die SVP in den Grossrat gewählt worden. BERN-OST hat die frischgebackene Politikerin auf ihrem Hof in Kiesen besucht.

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Leana Waber mit einem ihrer drei Esel. (Foto: rb)

Wabers Bauernhof liegt abgelegen im südlichen Zipfel von Kiesen. Umgeben von saftig-grünen Matten wirken Stockhorn und Niesen zum Greifen nah. Die Aussicht ist prächtig, als wir uns auf dem Rasen vor dem Wohnhaus an einen Tisch setzen. Aus dem Stall hört man eine Kuh muhen und einen Esel schreien.

 

In der Stadt merkte sie, wo sie hingehört

Aufgewachsen ist die 29-jährige Leana Waber auf dem elterlichen Hof in Kiesen. Wabers Hof habe sich früher im Dorf befunden, erzählt sie gleich zu Beginn. Der Hof wurde Anfang der 70er Jahre umgesiedelt, als noch ihr Grossvater den Betrieb führte. Als die Autobahn von Bern nach Thun gebaut wurde, wurde der Hof an die jetzige Stelle verschoben.

 

Rund 100 Meter entfernt vom Aareufer ist Leana mit drei Geschwistern aufgewachsen. Als Kinder haben sie schon früh auf dem Hof mitgeholfen, sei es bei der Rüebli- oder Kartoffelernte. Als es um die Berufswahl ging, wusste die junge Leana noch nicht, in welche Richtung es später mal gehen sollte. Tierärztin war damals ein Wunsch, also besuchte sie das Gymnasium Kirchenfeld. «Dort lernte ich eine neue Welt kennen. Plötzlich war ich in der Stadt, sass in der Schule mit Diplomatenkindern zusammen. Das hat meinen Horizont geöffnet und mir gut getan.»

 

Die Zeit im Gymnasium habe ihr aber auch gezeigt, wohin sie gehöre. «Ich wollte zurück in die Landwirtschaft, zurück auf den Hof», sagt sie rückblickend. Nach einem Welschlandjahr auf einem Hof im Neuenburger Jura schrieb sich Waber für den Studiengang Agronomie an der Fachhochschule ein.

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Die Rüebli wurden Anfang März gesät. (Foto: rb)

Noch übernimmt der Vater die Verantwortung

Aktuell führt Vater Ernst Waber den Hof zusammen mit seiner Frau Ruth. Ernst Waber ist seit neun Jahren Gemeindepräsident von Kiesen. Auch er ist bei der SVP. Geplant ist, dass Leana den Hof zusammen mit ihrem Bruder Luan übernehmen wird. Wann und wie, ist zurzeit noch offen. Beide arbeiten auf dem Hof mit.

 

Leana Waber hat mit ihren 29 Jahren schon einige Stationen hinter sich. Als 16-Jährige stieg sie bei der Jungen SVP früh in die Politik ein, schlosss danach als Agronomin ab, betreute eine Fachstelle Gemüsebau, trat den Junglandwirtinnen bei, unterrichtete am Inforama und arbeitet heute beim Berner Bauernverband in der Geschäftsführung. Dort übernimmt sie die Lobbyarbeit für den Bereich Politik und Märkte. Als wäre das nicht schon genug, ist sie jetzt auch noch frisch gewählte Grossrätin.

 

Starkes Wahlresultat

Bei der Wahl landete sie mit 11'148 Stimmen auf Platz 13 und erzielte damit eines der besten Wahlergebnisse im Kanton Bern. «Damit habe ich nie gerechnet, wirklich nicht», sagt sie strahlend. «Wir hatten sogar Angst, dass zu wenig Leute abstimmen gehen, und waren deshalb sehr aktiv.» Ihre Parteikollegen haben mit Kreide an den Bahnhöfen auf den Boden geschrieben, um die Leute aufzufordern, ihre Stimme abzugeben. Der Aufwand hat sich für Leana Waber gelohnt.

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Wabers halten auf ihrem Hof 70 Milchkühe. (Foto: rb)

Nicht die erste Jungbäuerin

Schaut man sich ihre Biografie an, fällt eine Parallele auf. Schon vor vier Jahren wurde eine Bauerntochter aus Kiesen mit einem Top-Wahlresultat in den Grossrat gewählt: Katja Riem. Beim Berner Bauernverband, wo Waber in der Geschäftsführung wirkt, ist Riem Vorstands-Mitglied und auch bei den Junglandwirten ist sie an Bord. Auch bei Riem ist der Vater ein lokal bekannter SVP-Politiker.

 

«Der Vergleich ist durchaus legitim», sagt Waber, «wir kennen uns seit dem Sandkasten, waren vom Kindergarten bis in den Gymer zusammen und sind beste Freundinnen.» Klar sei die Landwirtschaft immer ein Thema, wenn sie zusammen sind. Ob es auch etwas gebe, das Waber und Riem nicht zusammen machen? «Das ist schwierig», meint sie grinsend und sagt: «Wir haben keine Weinhandlung.» Worauf sie wieder in Lachen ausbricht und nachschiebt, dass sie beruflich und privat schon eng verknüpft seien.

 

Der nächste Schritt ist vorgespurt

Katja Riem wechselte nach einem kurzen Gastspiel im Grossrat in den Nationalrat. Beim aktuellen Siegeszug der SVP könnte dies bei den Nationalratswahlen in zwei Jahren auch Leana Waber gelingen. Doch erst mal eins nach dem anderen, winkt sie ab: «Für mich ist wichtig, erst mal im Grossrat Fuss zu fassen. Viel weiter denke ich noch nicht.»

 

Und dann kommt wieder dieses Grinsen: «Wir sind ja schon gut vertreten im Nationalrat.» Mit «wir» bezeichnet sie die Vertreter der Bauern im Parlament. 30 Kandidatinnen und Kandidaten mit landwirtschaftlichem Hintergrund haben die Wahl in den Grossrat geschafft – so fasste der Berner Bauernverband den Wahlsonntag zusammen. «Es passt jetzt grad alles», fügt Waber an.

 

Wie weiter mit den Bauern

Hier könnte man aus dem Artikel aussteigen, es passt schliesslich grad alles. Aber eine Frage müssen wir der Bäuerin und Agrar-Politikerin noch stellen. Die Landwirtschaft steht schon lange unter Druck, pro Tag werden schweizweit drei Bauernbetriebe aufgegeben: Wo sieht sie die grössten Schwierigkeiten für den Bauernstand?

 

Worauf sie prompt antwortet: «Dass wir von billigen Produkten aus dem Ausland überschwemmt werden. Dann der zu tiefe Milchpreis, der uns aufgedrängt wird, trotz steigender Kosten. Schon nur der hohe Dieselpreis verteuert alles! Das wird man auch bei den Kartoffeln und den Rüebli spüren.»

 

Es gibt also noch viel zu tun für Leana Waber. Sie kann sich an drei Fronten einsetzen: auf dem Bauernhof in Kiesen, als Lobbyistin für den Bauernverband sowie neu als Grossrätin im Berner Kantonsparlament. Die Arbeit wird der jungen Bäuerin nicht ausgehen. Den ersten Schritt hat sie geschafft: den direkten Sprung vom elterlichen Hof ins Parlament.

Ernst und Ruth Waber mit Selina, Leana, Luan und Jndra betreiben den Neuhof in Kiesen

Sie halten 70 Milchkühe (Red Holstein und Holstein),185 Mastschweine, drei Esel und zwei Zwergziegen. Ausserdem bewirtschaften sie 32 Hektaren mit Kunstwiesen, Kartoffeln und Rüebli.


Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 14.04.2026
Geändert: 14.04.2026
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