Lebensqualität bis zuletzt bewahren
Sterben und Tod gehören nicht zu den beliebtesten Gesprächsthemen, und doch betrifft das Lebensende alle Menschen. Mit einer Wanderausstellung in Worb zeigt eine Projektgruppe des Zentrums Alter Worb, wie Palliative Care Betroffene und Angehörige unterstützen kann. Und dass es sich unbedingt lohnt, früh darüber nachzudenken.
Wenn eine Krankheit nicht mehr heilbar ist, steht nicht mehr die Genesung im Zentrum, sondern die Lebensqualität. Und diese kann erheblich verbessert werden: «Bei Palliative Care geht es darum, Schmerzen und andere Beschwerden zu lindern und die bestmögliche Lebensqualität bis zum Tod zu bewahren», erklärt Veronika Heiniger. Sie hat sich mit drei anderen Personen aus dem Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen zusammengeschlossen: Die Vier verbindet das Interesse an einem würdevollen Lebensende.
Versorgungslücke zwischen Leben und Sterben
Als Projektgruppe des Zentrums Alter Worb haben sie sich ein Ziel gesteckt: Tiziano Cavargna, Pflegefachmann, Binja Breitenmoser, Leiterin des Zentrums Alter Worb, Annette Graeter, ehemalige Schulleiterin, und Veronika Heiniger, ehemalige Sozialarbeiterin, Pflegefachfrau und Medizinische Masseurin wollen die wenig diskutierten Themen Sterben und Tod in der Region sichtbarer machen. Dabei haben sie festgestellt, dass in der letzten Lebensphase eine Versorgungslücke besteht zwischen professionellen Angeboten und familiärer Fürsorge. Daher hofft die Projektgruppe, das Interesse an Freiwilligenarbeit zu wecken: Ein Pool von Freiwilligen könnte dazu beitragen, bestehende Lücken in der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen zu schliessen.
Zum Nachdenken und Reden anregen
Mit einer Wanderausstellung um Lebensende und Sterben möchten sie diese Themen den Leuten näherbringen. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich mit den vielen Fragen rund um Endlichkeit, Sterben und Abschied auseinanderzusetzen: Welche Spuren möchte ich hinterlassen? Welche Wünsche habe ich für meine letzte Lebensphase? Und: Könnte ich mir vorstellen, andere Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten?
An der Ausstellung «Wertvoll leben bis zuletzt – im Sterben nicht allein» erhalten die Besuchenden vom 8. bis 19. September Informationen zur Palliative Care und erfahren, welche Unterstützungsangebote in der Region bereits bestehen.
Inspiriert von Cicely Saunders
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die britische Ärztin, Sozialarbeiterin und Pflegefachfrau Cicely Saunders, die als Begründerin der modernen Hospizbewegung gilt. Ihr Leitsatz «Du zählst, weil du bist» prägt die Palliative Care bis heute: Ein Leben ist nicht nur wertvoll, solange jemand «produktiv» und gesund ist. Und Lebensqualität muss nicht enden, sobald eine Krankheit nicht mehr heilbar ist. Die Ausstellung zeigt das Leben und Wirken von Cicely Saunders und macht damit deutlich, dass jeder Mensch Bedeutung und Würde besitzt – bis zuletzt.
An verschiedenen Stationen können sich die Besuchenden anhand von Gegenständen, Informationen und Fragen mit unterschiedlichen Aspekten von Krankheit, Sterben und Begleitung auseinandersetzen. Die Ausstellung will berühren, zum Nachdenken anregen und Mut machen, über das Lebensende ins Gespräch zu kommen.
Für alle, die einmal sterben werden
Die Ausstellung richtet sich deshalb nicht nur an ältere Menschen oder Betroffene. Willkommen sind Interessierte jeden Alters, also alle Menschen, die sich austauschen, neue Perspektiven gewinnen oder sich in Ruhe mit dem Thema befassen möchten. Oder, wie Veronika Heiniger es formuliert: «Genau genommen ist es eine Ausstellung für alle, die irgendwann sterben werden.»
Die Wanderausstellung ...
Die Ausstellung in der Alten Post, Bollstrasse 1, Worb, ist vom 9. bis 19. September 2026 täglich von 11.30 bis 19 Uhr geöffnet.
... und ihre Begleitanlässe
- Dienstag, 8. September 2026, 19.30 Uhr, Alte Post, Bollstrasse 1, Worb. Grusswort der Gemeinderätin Myriam Gerber, Kurzreferat von Ursa Neuhaus, Pflegeexpertin, und Musik von «Kultur am Bettrand»
- Donnerstag, 10. September 2026, 19.30 Uhr, Zur Schmökerei, Bahnhofplatz 1, Worb, Lesung aus «Das Lebensende und ich» mit Steffen Eychmüller, Professor für Palliativmedizin, und Sibylle Felber, Universitäres Zentrum für Palliative Care. Anmeldung: info@zentrumalterworb.ch od. Tel: 031 839 02 48
- Samstag, 12. Sepember 2026, 10 bis 16 Uhr Katholische Pfarrei St.Martin, Bernstr. 1, Worb, Letzte Hilfe Kurs, Anmeldung über martin.worb@kathbern.ch
- Dienstag, 15. September 2026, 19.30 Uhr Reformierte Kirche, Enggisteinstr. 4, Worb Podiumsgespräch «Das Leben ist endlich. Reden wir darüber.» Mit Teilnehmenden aus Pflege, Begleitung und Kirche
Spezialgäste
An bestimmten Tagen werden Spezial-Gäste an der Ausstellung vor Ort sein, jeweils von 14 bis 16 Uhr:
- Freitag, 11. September 2026, Wasserurnen, Beat Baumann
- Montag, 14. September 2026, Aurora Bestattungen, Gyan Härri
- Mittwoch, 16. September 2026, Palliative Care Pflegefachfrau, Ruth Kleischmantat
- Freitag, 18. September 2026, Kirchliche Seelsorge, Erika Neuhaus