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Linden - Wer wollte den Huskys schaden?

Quelle
Berner Zeitung BZ

Raymond und Pascale Krause halten im Jassbach ein Rudel mit siebzehn Huskys. An Silvester entwichen mehrere Hunde aus dem Aussengehege – einer starb, ein anderer wurde schwer verletzt. Das Paar ist sich sicher, dass das Gehege bewusst manipuliert wurde dazu, den Tieren zu schaden.

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Raymond und Pascale Krause mit der sechsjährigen Hündin Ituma, der an Silvester 2016 bei einer Kollision mit einem Auto das ganze Becken ausgerissen wurde. Heute geht es dem Husky den Umständen entsprechend wieder besser. (Bilder: Gabriel Berger)
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So lebt die Familie Krause im Jassbach in Linden. Rund um das Haus befinden sich zwei Aussengehege für die aktuell 17 Huskys.
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Zeichnung des beim Unfall verstorbenen Leithundes Caribou. (Bild: zvg)
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Nach Feiern war Raymond und Pascale Krause am vergangenen Silvester nicht mehr zumute. Im Gegenteil: Der 31. Dezember 2016 wird dem Paar noch lange in unschöner Erinnerung bleiben. Die Familie Krause hält bei sich zu Hause im Jassbach in Linden ein Rudel von aktuell siebzehn Huskys, verteilt auf zwei Aussengehege. An besagtem Abend gegen 18 Uhr – draussen war es bereits dunkel – meldete sich plötzlich die Nachbarin, die beobachtete, wie mehrere Hunde auf die Strasse rannten. «Wir stellten fest, dass in einem Gehege sieben Hunde fehlten», erzählt Pascale Krause. «Vier hielten sich ums Haus herum auf. Wir konnten sie rasch wieder einfangen. Aber Caribou, Ituma und Wolverine waren weg.»

Während Raymond Krause die Polizei aufbot, nahm das Unglück allmählich seinen Lauf. Im allgemeinen Tumult kehrte plötzlich Ituma zurück, rannte direkt vor dem Haus ihrer Halter über die Strasse und wurde von einem vorbeifahrenden Auto erfasst. Die sechsjährige Hündin blieb schwer verletzt und stark blutend liegen. In der Tierklinik in Thun stellte sich später heraus, dass Ituma beim Aufprall vor allem am Becken schwerste Verletzungen erlitten hatte. Die Hündin war zunächst zu wenig stabil, um notoperiert zu werden. Dies wurde erst tags darauf nachgeholt. Nur mit viel Glück überlebte sie.

Autofahrer traf keine Schuld

Raymond Krause avisierte derweil am Silvesterabend seinen Freund Thomas Kämpf, um nach den zwei verbliebenen Hunden zu suchen. Der Vize-Europameister im Schlittenhunderennen aus Heimenschwand eilte sofort zu Hilfe und entdeckte unterwegs nach Jassbach per Zufall Caribou. Er wurde im Gebiet Badhus angefahren und überlebte nicht. «Er starb vermutlich an einem Genickbruch», sagt Raymond Krause heute. Besonders bitter: Beim vierjährigen Caribou handelte es sich um den Leithund des Rudels. Ein Happy End gab es zumindest für den dritten entlaufenen Hund Wolverine: Ohne den Leithund suchte er Zuflucht bei einem Grundstück in der Nähe des Wohnorts von Kämpf. Dort wurde er schliesslich kurz nach Mitternacht gefunden.

Den bei den Unfällen beteiligten Automobilisten machen Raymond und Pascale Krause keine Vorwürfe. «Sie verhielten sich vorbildlich und blieben am Unfallort, bis die Polizei eintraf. Zudem hatten sie keine Chance, die Hunde zu sehen», sagt Pascale Krause. In stockdunkler Nacht in einem Gebiet, welches weitgehend ohne Strassenbeleuchtung auskommt, sei es schlicht nicht möglich gewesen, die Vierbeiner schnell genug zu erkennen. «Die Huskys haben keine Angst vor der Strasse und vor Autos. Im Gegenteil: Sie sind viel neugieriger als andere Rassen», erklärt Pascale Krause.

Wer brach das Gehege auf?

Wie aber konnten die sieben Huskys überhaupt entfliehen? Wie sich im Nachhinein zeigte, gelangten sie am Silvesterabend durch eine rausgebrochene Holzlatte am Gehege nach draussen. Während von innen keine Beiss-, Kratz- oder Pfotenspuren eines Hundes an dieser Latte auszumachen waren, wurden aussen Abdrücke einer Schuhsohle sowie Manipulationen an Schrauben entdeckt. Besonders pikant: Das ganze Gehege wird aus Sicherheitsgründen videoüberwacht. Nur eine Ecke erfasst die Kamera nicht – und genau dort konnten die Huskys entweichen.

Für Pascale und Raymond Krause ist klar, dass jemand ihnen und den Hunden bewusst schaden wollte. Sie haben Anzeige gegen unbekannt wegen Sachbeschädigung eingereicht. Auf Anfrage bestätigt eine Sprecherin der Kantonspolizei Bern, dass eine solche Anzeige vorliegt und entsprechende Ermittlungen nach wie vor laufen – bisher ohne Erfolg.

Im Clinch mit den Nachbarn

Dass es sich mit seinem Huskyrudel in der Nachbarschaft nicht nur Freunde schafft, merkte das Ehepaar bald einmal, nachdem es vor rund anderthalb Jahren vom solothurnischen Obergerlafingen nach Linden gezogen war. «Am Anfang war alles noch okay. Wir haben uns den Nachbarn vorgestellt und wurden freundlich aufgenommen», erinnert sich Pascale Krause. Allmählich hätten dann Anfeindungen begonnen. Die Hunde seien zu laut und würden die ganze Nacht lang heulen, lautete der Vorwurf. In der Tat geht vom Rudel ein Geräuschpegel aus, der höher ist als bei der Haltung von einzelnen Hunden. Die Gemeinde machte dem Paar auch entsprechende Auflagen. So war etwa der Bau der Aussengehege bewilligungspflichtig.

Die Vorwürfe aus der Nachbarschaft weist Pascale Krause dagegen entschieden zurück: «Wir beachten die Vorgaben, die uns gemacht wurden. Von 19 Uhr bis 7 Uhr halten wir die Huskys in einem Innenraum und respektieren so die Nachtruhe der Anstösser.» Das Haus befindet sich zudem in einer Mischzone für Wohnen und Gewerbe, in der weniger strenge Auflagen bezüglich Lärmemissionen gelten als in einer reinen Wohnzone.

Familie will nun wegziehen

Heute, gut zwei Monate nach der verheerenden Silvesternacht, geht es Ituma den Umständen entsprechend wieder besser. Treppenlaufen fällt der Hündin zwar nach wie vor schwer, aber dank regelmässigen Aufbautrainings und Physiotherapie macht sie nach den schweren Beckenverletzungen wieder Fortschritte beim Gehen. Die Versicherungen der beteiligten Automobilisten übernehmen derweil die Schäden, die an den Fahrzeugen und durch die schweren Verletzungen der Hunde entstanden sind. So kostete etwa allein die Operation von Ituma rund 8000 Franken.

Trotz der positiven Entwicklungen hat die Familie Krause im Sinn, Linden bereits wieder den Rücken zu kehren. Der Angriff auf die Huskys und die Anfeindungen haben Spuren hinterlassen. «Spätestens seit Silvester sitzt mir die Angst im Nacken», erzählt Pascale Krause. Und Raymond Krause meint: «Wir werden sicher von hier wegziehen. Die Frage ist nur noch, wohin.»


Autor*in
Gabriel Berger, Berner Zeitung BZ
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Erstellt: 16.03.2017
Geändert: 16.03.2017
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