Pascal Wüthrich

Lohnunternehmer, Goldsucher und neu Kranzschwinger

Schon zum zweiten Mal in dieser Saison kniete ein regionaler Schwinger erstmals vor den Ehrendamen nieder. Neukranzer Pascal Wüthrich vom Schwingklub Zäziwil erzählt, wie sein Glückstag verlief und warum er fürs Training nicht in den nächstgelegenen Schwingkeller geht.

Wenn Pascal Wüthrich nicht gerade schwingt, spielt er Eishockey bei den Richigen Bandits. Zumindest im Winter. Im Sommer, da zieht es ihn an die Emme oder an die Rotache, im Gepäck ein Schaufel und eine Pfanne – Wüthrich ist Goldsucher. Ein Nugget habe er noch nie gefunden, sagt er. Aber Flitter habe er schon einigen angesammelt.

 

Heiss, aber sonst wie immer

Kein Gold, aber Eichenlaub gewann der 21-Jährige in Niederbipp. Eigentlich sei alles gewesen wie immer, an diesem Oberaargauischen vor bald zwei Wochen, sagt Pascal Wüthrich nach seinem ersten Kranzgewinn. Ausser vielleicht, dass er den ganzen Tag über trotz der Hitze fit war. «Ich habe sonst eher Mühe, wenn es heiss ist.» Und doch war etwas anders: An jedem der drei Kranzfeste, die er dieses Jahr schon bestritten hatte, konnte er um den Kranz schwingen, verlor oder stellte aber jeweils den entscheidenden sechsten Gang. Diesmal klappte es.

 

«Den ersten Gang zu gewinnen, ist immer wichtig», sagt Wüthrich, als er von seinem Glückstag erzählt. In Niederbipp hiess dieser entscheidende erste Gegner Philippe Kaufmann. Zwar gelang Wüthrich kein Plattwurf, doch der Ton war gesetzt. Nach einem gestellten zweiten Gang, «den hätte ich eigentlich gewinnen sollen», und einem erneuten Sieg im dritten, folgte im vierten Gang die einzige Niederlage des Tages. Im fünften Gang besiegte Wüthrich Mirco Tschan, damit war klar, dass es auch dieses Mal um den Kranz geht.

 

Kranzgang vor aller Augen

Geschenkt wurde er ihm nicht. Nicht nur musste er mit Stephan von Büren einen Teilverbandskranzer bodigen. Er musste auch vor einer Arena schwingen, in der alle Augen auf ihn gerichtet waren. Der Oberaargauer von Büren nutzte das Fest, um sich von seinem Heimpublikum zu verabschieden, nach dem Kantonalen Anfang Juli wird er definitiv zurücktreten. Aus diesem Grund wartete das OK ab, bis ausser dem Schlussgang alle Kämpfe vorbei waren, womit Wüthrichs Kranzgang fast in Schlussgangatmosphäre stattfand. Diese Warterei sei ein wenig anstrengend gewesen, so Wüthrich. «Aber ich wusste, ich muss gewinnen und ich hatte ein gutes Gefühl.»

Noch schöner war das Gefühl danach. «Nachdem ich es die letzten drei Mal nicht geschafft habe, war die Freude vielleicht noch spezieller. Es ist auch eine Genugtuung für das, was ich investiert habe.» Gefeiert wurde der Kranz gleich vor Ort, Kolleg:innen und Familie reisten dafür aus dem Emmental an.

 

100 Zweige, 30 Festsiege 

Nachdem Wüthrich als Jungschwinger «recht gut» war, was für über 100 Zweige, darunter auch kantonale, und 30 Festsiege leicht untertrieben wirkt, sei der Übertritt zu den Aktiven hart gewesen. Nicht sofort fand er gegen die neue Konkurrenz den richtigen Griff. Auch die Zeit im Militär habe nicht gerade geholfen, dadurch habe er einige Trainings verpasst, erzählt er. Mit dem Kranz, und den guten Festen früher in diesem Jahr, ist er nun definitiv angekommen.

 

Wüthrichs sind eine Schwingerfamilie: Auch die drei Brüder schwingen, Vater Peter Wüthrich ist Eidgenosse. Selber angefangen hat Pascal Wüthrich mit sechs Jahren. Seither trainiert er jede Woche im Schwingklub Zäziwil.

 

Dem Klub treu geblieben

Pascal Wüthrich lebt in Eggiwil. Von dort geht man für gewöhnlich nach Siehen oder nach Langnau schwingen. Warum Wüthrich in Zäziwil trainiert, ist einfach zu erklären: Er ist in Signau aufgewachsen und blieb dem Schwingklub Zäziwil nach dem Umzug nach Eggiwil treu. Arbeiten tut der gelernte Landmaschinenmechaniker als Lohnunternehmer in Signau

 

Mit dem Bernisch-Kantonalen im Berner Wankdorfstadion steht Wüthrich nun noch das letzte Kranzfest an in dieser Saison. Ziel sei es, alle sechs Gänge zu schwingen, sagt er. «U när luegemer.»

 

[i] Zum Schwingerporträt auf www.schlussgang.ch


Autor:in
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 20.06.2026
Geändert: 20.06.2026
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