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Maler Roger Fegbli: "Es ist mehr, als ein Chessi Farbe zu öffnen"

Seit 30 Jahren gibt es die Michel+Wittwer Malergeschäft AG in Münsingen. Genauso lange arbeitet Roger Fegbli bei der Firma. “Es ist fast familiär bei uns. Dennoch wird man gefordert“, sagt er.

Das Material für den nächsten Auftrag liegt bereit: Roger Fegbli in der Firmen-Werkstatt in Münsingen. (Bild: Eva Tschannen)

Ursprünglich ging es für den heutigen Kundenmaler beruflich in eine ganz andere Richtung. Roger Fegbli (50) begann eine Lehre als Ersatzteilverkäufer bei einer Thuner Autogarage. Branche und Kundenkontakt gefielen ihm gut – trotzdem war es aber nicht das Richtige. „Im Hauptfach hatten wir Französisch, das war gar nicht meins“, verrät er mit einem Lachen.

 

Er sah sich nach einer anderen Ausbildung um und schnupperte im Malerbetrieb eines Bekannten der Familie. „Das isches“, habe er schnell gemerkt. Es folgte die Lehre, die Rekrutenschule und gleich im Anschluss die Anstellung bei der damals gerade neu gegründeten Michel+Wittwer Malergeschäft AG.

 

Arbeitsklima und …

Seither ist er dieser Firma treu – mittlerweile seit genau 30 Jahren. Ist dies heutzutage nicht eher ungewöhnlich? „Wir haben ein angenehmes Arbeitsklima“, begründet Fegbli, wieso er nie das Bedürfnis hatte, die Firma zu wechseln. Und ergänzt: „Es ist fast familiär bei uns. Dennoch wird man gefordert, das Verhältnis untereinander leidet aber nicht darunter.“

 

So sei es für ihn auch gar kein Problem gewesen, als mit Roger Haldemann im vergangenen Jahr ein langjähriger Arbeitskollege das Geschäft von Firmengründer Rudolf Wittwer übernahm. „Es gibt immer Veränderungen, wenn jemand neues übernimmt. Er hat jedoch gute Ideen und im Wesentlichen läuft es gleich weiter“, so der 50-Jährige, der mit Ehefrau und Tochter in Münsingen lebt.  

 

… Abwechslung als Pluspunkt

An seinem Beruf schätzt Fegbli besonders die Abwechslung. „Als Maler ist es nicht damit getan, ein Chessi Farbe zu öffnen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Neben dem Streichen von Wohnungen, Fassaden oder Fenstern stehen regelmässig auch Arbeiten in der Werkstatt an. „Ich kommuniziere gerne mit den Kunden und mag es, dass man am Ende des Arbeitstages ein Resultat sieht. Am besten gefällt mir aber das Spritzen.“

 

Gerade hat der ehemalige Fussballer einige Tage in der Werkstatt verbracht, um verschiedene Objekte mit dem Farb-/Luftgemisch zu spritzen. Was ist es denn genau, das diesen Arbeitsgang so besonders macht? „Das Ergebnis ist sehr regelmässig und es geht schneller – es gfaut mr eifach“, sagt er nach kurzem Nachdenken. So gut, dass er diese Technik auch in der Freizeit anwendet. Aus uni weissen, selbst zusammengesetzten Modellautos im Massstab 1:24 werden so Unikate.

 

„Der Druck ist höher“

Die Leidenschaft für die Malerei hat Fegbli auch in der Familie weitergegeben. Soeben hat seine 21-jährige Tochter die Lehrer als Malerin erfolgreich abgeschlossen. „Die Ausbildung hat sich verändert“, blickt er auf seine eigene Lehre zurück. „Der Druck ist heute höher. Wir hatten damals für die Prüfung ein Büechli mit 200 bis 300 Seiten über das wir Bescheid wissen mussten. Heute sind es drei bis vier Ordner.“ Darin sehr viel Theorie über Physik und Chemie. Sachen, die er „on the job“ gelernt habe.

 

Den zunehmenden Druck spürt der Kundenmaler auch in seinem Arbeitsalltag. Die Freude am Beruf habe dieser jedoch nie getrübt. „Ein 20-Jähriger ist vielleicht wendiger im Erklimmen einer Leiter. In Bezug auf die Routine kommt mir aber mein Alter entgegen“, sagt Fegbli und zeigt beim Rundgang durch die Werkstatt, welche Objekte es demnächst zu Spritzen gibt.

 

Die Zeichen scheinen somit gut zu stehen, dass der Kundenmaler auch die nächsten Jahre - bis hin zur Pensionierung - im selben Betrieb bleibt.


Autor
Eva Tschannen, eva.tschannen@bern-ost.ch
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Erstellt: 10.07.2018
Geändert: 10.07.2018
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