Zu Besuch auf dem Hof in Biglen

«Man wird reich beschenkt, wenn man die Natur leben lässt»

Rund um das Bauernhaus der Familie Mosimann in Biglen wachsen Blumen, Sträucher und Gräser. Die Familie hat dort verschiedene Lebensräume geschaffen und macht das Gelände auch für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Die «Wegwarte» dient als Begegnungsort und bietet regionale Produkte an.

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Die Familie sorgt gemeinsam für ein Auszeit in ihrem blühenden und lebenden Zuhause. (Bild: zvg)

«Seit dem ersten Moment, als wir hier waren, habe ich gesagt: Hier gibt es einmal ein schöner Ort, an dem ich Gäste kulinarisch verwöhnen kann», erzählt Karin Mosimann. Heute, rund 13 Jahre nach dem Kauf des Enggisthofs in Biglen, ist aus dieser Idee die «Wegwarte» entstanden.

 

Die Verbindung zur Natur reicht bei Daniel Mosimann jedoch viel weiter zurück. Bereits der Vorbesitzer des Hofes setzte sich für den Vogelschutz ein und arbeitete gemeinsam mit dem Berner Vogelschutz viele Jahre daran, die Natur auf dem Gelände zu fördern. Auch Daniel Mosimann war ab 1993 Teil dieser Arbeit.

 

Ein Paradies für Insekten, Fledermäuse und Amphibien

Heute zeigt sich auf den sechs Hektaren rund um den Hof eine grosse Vielfalt. «In den letzten zehn Jahren konnte ich hier 93 Vogelarten beobachten», erzählt Daniel Mosimann. Dazu kommen 12 bis 14 Fledermausarten in einer Nacht und jährlich rund 40 bis 50 verschiedene Schmetterlingsarten.

Besonders dankbar ist er für die Schmetterlingsvielfalt. «Noch vor ein paar Tagen konnte ich neben dem 200 Meter langen Weg bis zum Wald 300 bis 400 Schmetterlinge sehen.» Möglich sei dies, weil die Natur nicht überall zurückgedrängt werde. «Wir mähen bewusst nicht alles. Wir lassen grosse Bereiche stehen, damit die Schmetterlinge genügend Ausweichmöglichkeiten haben. Man wird reich beschenkt, wenn man die Natur etwas leben lässt.»

 

Daniel Mosimann ist Fachexperte für Natur und Landschaft. Vieles hat er sich selbst angeeignet. «Ich bin seit der 4. Klasse mit einem Vogel-, Pflanzen- und Schmetterlingsbuch herumgelaufen und habe alles bestimmt, was mir vor die Augen kam.» Nach der Lehre habe er sich jedes Jahr in ein neues Gebiet vertieft. Heute beschäftigt er sich nicht nur mit einzelnen Arten, sondern mit den Zusammenhängen in der Natur. «Mich interessieren die Lebensräume und wie alles zusammenspielt.»

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Er ist nur einer von vielen Besuchern der Wegwarte: der Zitronenfalter. (Bild: zvg)

Dieses Wissen möchte er weitergeben. «Mein Herz ist, den Leuten zu helfen, ihre Herzensaugen zu wecken. Sie sollen wahrnehmen, was links und rechts vom Weg passiert.»

 

Das Wissen und das Geniessen weitergeben

Genau diese Verbindung aus Natur und Begegnung ist die Idee hinter der Wegwarte. «Uns ist es wichtig, den Ort zu öffnen und zu zeigen, was  möglich ist», sagt Karin Mosimann. Während Daniel die Natur in den Mittelpunkt stellt, kümmert sie sich um die Gastgeberrolle. «Das passt einfach perfekt zusammen.»

Unterstützt werden die beiden von Andrea Schwendener. Die Floristin bringt ihr Gespür für Gestaltung ein und hilft dabei, die Vision umzusetzen. Auch die Dekoration stammen möglichst aus dem eigenen Garten oder von den Wiesen rund um den Hof.

 

Bei den angebotenen Speisen setzt die Familie ebenfalls auf Regionalität. «Wir verwenden vorwiegend hofeigene Produkte. Ansonsten unterstützen wir Bauern aus der Umgebung, die wir persönlich kennen», sagt Karin Mosimann. Die Zusammenarbeit mit kleinen Betrieben sei ihnen ein Herzensanliegen.

Die Wegwarte bietet Frühstück, Mittagessen, Tage des offenen Gartens mit Exkursionen sowie Themenabende an. Einmal im Monat während des Sommers findet eine Abendexkursion mit einem speziellen Thema und einem kleinen Abendessen statt. Am Freitag, 21. August, steht beispielsweise das Thema Nachtfalter auf dem Programm.

 

Anlass nach Wunsch

Auch Firmenanlässe oder private Feiern bis 30 Personen sind möglich. Auf Wunsch können diese mit einer Exkursion verbunden werden. Dabei geht es nicht nur um Fachwissen, sondern um das bewusste Erleben der Natur. «Man kann gemeinsam essen und danach Glögglifrösche hören oder erfahren, welche Wildkräuter am Wegrand essbar sind», erklärt Daniel Mosimann.

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Zur Familie gehören (v.l.n.r.): Karin, Anna, Daniel, Benaja und Basil. (Bild: zvg)

Die Wegwarte richtet sich dabei nicht nur an Naturfachleute. «Es soll für alle sein. Für Spezialisten, für Menschen, die Freude an der Natur haben, aber auch für Leute, die einfach gerne an einem schönen Ort essen und geniessen möchten», sagt Daniel Mosimann.

 

Auch die Familie bleibt ein wichtiger Teil des Projekts. «Ohne unsere Kinder würde etwas fehlen», sagt Karin Mosimann, denn diese sind fest mit eingespannt und helfen mit. Gleichzeitig soll die Wegwarte bewusst klein und persönlich bleiben. «Wir wollen Natur und Familie bewahren.»

Der Name Wegwarte passt für Karin Mosimann besonders gut. Einerseits stammt er von der Pflanze, andererseits steckt darin auch die Bedeutung des Wartens am Weg. «Sich Zeit nehmen, innehalten und beobachten.» Auch die Pflanze selbst sei ein passendes Sinnbild: «Am Morgen geht sie auf, danach schliesst sie sich wieder. Am nächsten Tag öffnet sich eine andere Blüte. So entsteht auch die Wegwarte. Wir forcieren nichts, sondern lassen es entstehen.»

 

Für die Familie von Karin und Daniel Mosimann ist die Wegwarte ein Ort zum Ankommen, Auftanken und Geniessen. Ein Ort, der zeigen soll, was möglich ist, wenn Menschen achtsam mit der Natur umgehen.

Wegwarte, Enggist 40, 3507 Biglen

Mosimann Gartenbau


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 16.08.2026
Geändert: 16.08.2026
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