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Mehr Zeit für Töff und Tanzen: Rudolf Hosmann versteigert Vieh und Maschinen

Dieses Wochenende werden so einige Fahrzeuge von der Worbstrasse zu Rudolf Hosmanns Hof im Wislenboden abbiegen. Dann öffnet der 61-jährige Landwirt seine Hoftüren zur Besichtigung seiner Landmaschinen und Tiere, welche am 30. März unter den Hammer kommen.

Führte während fast vierzig Jahren den Bauernbetrieb im Worbboden: Landwirt Rudolf Hosmann. (Bild: Isabelle Berger)

Der Hof macht bereits einige Tage, bevor es losgeht, einen sehr aufgeräumten Eindruck. Trotzdem haben Hosmann und seine Helfer noch viel vor sich. „Der Druck ist jetzt riesig“, sagt er. Da gelte es pragmatisch zu bleiben, Prioritäten zu setzten und die Zeit in die Aufbereitung der für die Versteigerung wertvollen Gegenstände zu investieren.

 

Maschinen müssen in Stand gestellt, gewaschen und teilweise frisch gespritzt, die Kühe geschoren und ihre Klauen geschnitten werden. Und auch der Aufbau des Zeltes für die Festwirtschaft steht auf dem Programm.

 

In zweiter Generation

1983 übernahm Hosmann den Betrieb von seinem Vater, der seinerseits seit 1952 den Hof von den Bernburgern gepachtet hatte. „Wir hatten ein perfektes Pachtverhältnis“, sagt Hosmann über die Hofeigentümer.

 

Anfänglich umfasste der Hof 22 Hektaren Land. Heute sind es noch 17. „Fünf Hektaren waren eingezont, aber wegen des Baustopps in den Neunzigern konnten wir es dreissig Jahre lang bewirtschaften, anstatt sieben“, erklärt Hosmann die Geschichte des Hofs. Mit der Umfahrung und der Überbauung Sonnenboden fiel das entsprechende Land in den letzten Jahren dann weg.

 

Betrieb wird vergrössert

Damit ist der Hof heute recht klein und wird nun für die erneute Pachtvergabe mit einem Betrieb aus Gümligen zusammengelegt. „Mitte April zieht Familie Biehler hier ein“, verrät Hosmann. Die neuen Pächter betreiben seit 21 Jahren einen Biopachtbetrieb in Luzern und wollen in Worb ab Hof verkaufen.

 

Hosmann produzierte Getreide und Futterrüben und betrieb ein Selbstpflückfeld mit Blumen. Dazu kam die Milchproduktion und auch etwas Kälbermast.

 

Wehmut und Erleichterung

Da keiner seiner vier Söhne den Betrieb übernehmen will, gibt Hosmann diesen nun auf. „Ich werde zwar noch nicht pensioniert, aber da ich den Betrieb mehrheitlich alleine führe, bin ich sonst überlastet“, sagt er. Hilfe hatte er in den letzten zwanzig Jahren nur von Sohn Michel und jeweils einem Praktikanten.

 

Gesundheitlich gehe es ihm zwar noch gut, aber er sei auch schon an seine Grenzen gestossen. „Ich bin deshalb froh, die Verantwortung abgeben zu können“, sagt er zu seinem Entscheid, den Betrieb aufzugeben. Somit verspüre er jetzt kurz vor der Versteigerung neben der Wehmut auch Erleichterung.

 

Hosmann: "Ich will frei sein"

Hosmann freut sich auf die Zeit danach. „Ich werde weiterhin in der Landwirtschaft als Betriebshelfer arbeiten“, sagt er über seine Zukunftspläne. Ändern wird sich aber rundherum Einiges: „Ich ziehe in ein eigenes Haus und will keine Tiere mehr haben“, sagt er. Obwohl er diese vermissen werde, sei er halt ihretwegen in den letzten fast 40 Jahren angebunden gewesen. „Ich will frei sein“, sagt er.

 

Die Freizeit wird er besonders mit Töfffahren und seinem grossen Hobby, dem Trachtentanzen füllen. Seit Jahren ist der ambitionierte Tänzer in gleich zwei Trachtengruppen dabei. Die Trachtengruppen Buechiberg und Bätterkinden werden ihm auch bei der Festwirtschaft dieses und nächstes Wochenende unter die Arme greifen.

 

Viele helfende Hände

Rund 75 Leute helfen Hosmann in allen Belangen der Versteigerung. Seine Söhne halfen ihm besonders beim Planen und Organisieren und beim Erstellen von Inseraten und einer Webseite. Und auch der Viehzuchtverein Worb unterstützt ihn. „Ich bin sehr froh um die Hilfe“, betont Hosmann.

 

An den Besichtigungstagen rechnet er mit zwei- bis dreihundert Besuchenden, an der Versteigerung mit tausend bis 1500. Danach lässt Hosmann den Abend beim Essen mit seinen Helferinnen und Helfern feierlich ausklingen.

 

[i] Zur Webseite der Versteigerung von Rudolf Hosmann


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 22.03.2019
Geändert: 22.03.2019
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