Alpaka-Tourismus in Tägertschi

«Mich nervt es, wenn man denkt, für mich gilt das nicht!»

Seit auf einem Hof in Tägertschi eine grosse Alpaka-Herde weidet, kommen deutlich mehr Leute vorbei. Das sorgt auf einer wenig befahrenen Zubringerstrasse für zusätzlichen Verkehr und Frust bei einer Anwohnerin.

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Cornelia Tschanz stört sich am Mehrverkehr Richtung Urs Siebers und Thom Bernards Hof. (Foto: zvg)

Zwischen Münsingen und Tägertschi weiden seit letztem Herbst 120 Alpakas auf dem Hof von Thom Bernard, Urs Sieber und Frank Tuschling. Die Tiere ziehen Spaziergängerinnen und Ausflügler an. Cornelia Tschanz aus Tägertschi hat nichts gegen die Alpakas. Was sie jedoch stört, ist folgendes: Seit die Alpakas dort weiden, habe ein «Auto-Tourismus» zu Bernards Hof eingesetzt.

 

Wenn die Karawane kommt

Vor allem an den Wochenenden sei es schlimm, sagt Tschanz: «Der Hof wirkt wie ein Magnet. Es hat viele Autos, die Richtung Hof fahren. Familien fahren mit ihren Kindern bis zum Hof, bremsen ab, schauen aus dem fahrenden Auto die Alpakas an, worauf sie wieder wegfahren.»

 

Cornelia Tschanz stört dies, da es sich um einen Zubringer handelt. Die Strasse, die zum Hof führt, ist von beiden Seiten her als Zubringer signalisiert. «Für viele Leute ist dies ein beliebter Spazierweg», so Tschanz. Sie sei dort oft zu Fuss mit dem Hund oder mit Kindern unterwegs, «hier hat es eigentlich nie Verkehr.» Umso mühsamer sei es, wenn dann diese Autos kommen und man auf der engen Strasse kaum Platz zum Ausweichen habe.

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Die FDP-Parlamentarierin hat keine Freude am Mehrverkehr. (Foto: rb)

300 Meter zu Fuss

Tschanz meint, die Leute dürften sich gerne an den Alpakas erfreuen. Es seien lustige Tiere und vor allem eine imposante Herde. «Aber man kann ja das Auto parkieren und die 300 Meter bis zum Hof zu Fuss gehen.» Tschanz, die für die FDP im Münsinger Parlament politisiert, wurde im Rat mit dem Thema vorstellig, eine Antwort erhielt sie auf ihre einfache Anfrage noch nicht. Ihr geht es darum, die Leute mal anzusprechen und sie darauf hinzuweisen, dass ein Fahrverbot gelte.

 

Sie wisse nicht, ob die Kantonspolizei dafür zuständig sei oder die Gemeinde. Abschliessend sagt sie: «Mich nervt es, wenn man sich über ein Verbot hinwegsetzt und sich denkt, für mich gilt das nicht.»

 

Reaktion des Besitzers

Der Besitzer der Alpakas, Thom Bernard, vom Hof «Alpakas vom Spiegel» sagt zum Vorwurf des Mehrverkehrs: «Ich weiss, dass viele Spaziergänger vorbeikommen, um die Tiere zu sehen. Aber dass dadurch mehr Autos durch den Zubringer fahren, ist mir nicht aufgefallen.» Klar gebe es auch Kundschaft, die zu ihnen fahre, denen gebe er jeweils an, dass sie über Tägertschi anfahren sollen.

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Urs Sieber und Thom Bernard halten auf ihrem Hof über 120 Alpakas. (Foto: zvg)

Alpakas liefern Wolle

Die Alpakas dienen Bernard hauptsächlich als Woll-Lieferanten. «Alpakas haben eine sehr feine Wolle, die nicht fettig ist. Diese eignet sich gut für Allergiker», so Bernard. Auf seinem Hof werden die Alpakas lediglich geschoren, die Wolle wird danach bei externen Betrieben verarbeitet.

 

Daraus werden Handschuhe, Halstücher, Filzprodukte, Kissen oder auch Duvets hergestellt, die Bernard weiterverkauft. Zudem bietet Thom Bernard die Alpakas für tiergestützte Therapien an, beispielsweise für demente Menschen oder für Leute, die unter ADHS oder einer autistischen Störung leiden.

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Bei der gelb markierten Strecke handelt es sich um einen Zubringer. (GoogleMaps)

Ein Vorschlag

Zurück zum Verkehrsproblem von Cornelia Tschanz. Ob und wie darauf reagiert wird, ist derzeit offen. Als mögliche Entlastung würde ein Parkplatz ausserhalb des Zubringers das Problem unkompliziert lösen.

Alpakas vom Spiegel AG, Uelisbrunnen 13, Tägertschi


Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 28.03.2026
Geändert: 28.03.2026
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