Mirjam, Phips und der Pirat vom Genfersee
Abenteuer auf dem Mond oder bei den Piraten: Mit Phips und seiner Zauberlinse lernen Schulkinder viel Neues. Die Konolfinger Autorin und Lehrerin Mirjam Gygax erzählt, wie sie auf Ideen kommt. Und warum Kinderfilmstar Paco von Wyss bei der neusten Ausgabe ihrer Reihe mitmacht.
Als der Junge Phips im Abfall eine alte Kamera findet und auf den Auslöser drückt, spuckt diese ein Foto aus und schwupps! landen Phips und seine Freunde in einer anderen Welt. Altsteinzeit, Mond oder Dinosaurier erwarten sie, in der neusten Ausgabe verschlägt es sie zu den Piraten.
Hörspiel, Buch und Kinderlieder in einem
Will die Konolfingerin Mirjam Gygax Schulstoff vermitteln, verpackt sie diesen in spannende Mundart-Hörspiele, begleitet von illustrierten Büchern und eingängigen Kinderliedern. Wir wollten von der Lehrerin, Autorin und Sängerin wissen, wie sie die Buchreihe zu Phips und seiner Zauberlinse entwickelt hat.
BERN-OST: Mirjam, was gab dir den zündenden Funken für den neusten Band «Phips und die Zauberlinse»?
Mirjam Gygax: Eine Zauberlinse-Reise zu den Piraten war der Wunsch meiner damaligen Schülerinnen und Schüler. Ich fand es zuerst nicht so spannend, weil wir in der Schweiz kein Meer haben und somit auch wenig Bezug zur Seefahrt. Aber die Kinder haben mich mit ihrer Begeisterung schnell angesteckt, und es hat grossen Spass gemacht, den Alltag auf einem Piratenschiff ins Hörspiel zu packen.
Ohne Meer musstest du die Piraten wahrscheinlich auf einen Schweizer See setzen?
Der Schweizer Bezug ist mir bei allen Themen wichtig. Als mich der Segelverband davon überzeugte, dass auch die Schweiz eine Segelnation ist, legte ich mit den Piraten los. Und siehe da: Es gibt hunderte von Piratenbüchern – aber noch keines, in dem man erfährt, dass es sogar auf dem Genfersee einen Piraten gegeben haben soll.
Du hast in deinen Büchern vom Mittelalter erzählt, vom Nordpol, jetzt von Piraten: Sind das deine eigenen Interessensgebiete, oder weisst du einfach als Lehrerin genau, was Kinder mögen?
Einerseits orientiere ich mich an den Themen im Lehrplan und andererseits natürlich an den Interessen der Kinder. Ich liebe Hörspiele und ich bin Lehrerin – deshalb habe ich mir gewünscht, dass die Kinder beim Geschichtenhören und Liedersingen ganz spielerisch noch einiges an Wissen mitnehmen. So habe ich selbst am liebsten gelernt.
Bei der Zauberlinse spielen die Illustrationen eine wichtige Rolle.
Ja, als ich vor über zehn Jahren die Idee zur ersten Zauberlinse-Geschichte hatte, wollte ich unbedingt Illustrationen, die nicht zu kindlich sind und die fremden Welten korrekt zeigen. Die Zeichnungen der Illustratorin Karin Widmer haben mich sofort begeistert, und ich war superhappy, dass sie zugesagt hat. Sie ist unfassbar talentiert, und obendrauf spielt sie bei den Piratenliedern noch ganz toll Geige und Bouzouki!
Für das Hörspiel zum neusten Abenteuer konntest du sogar einen prominenten Jungen gewinnen: Paco von Wyss, den Hauptdarsteller aus dem Film «Mein Freund Barry».
Das war ein absoluter Glücksfall: Wir mussten während der Aufnahmewoche kurzfristig Ersatz suchen, und Paco ist spontan eingesprungen. Er hat sich sofort integriert und seine Rolle professionell und mit grosser Spielfreude ausgefüllt. Für die anderen Kinder war er natürlich der bewunderte Filmstar, und sie haben ihm Löcher in den Bauch gefragt zum Filmdreh. Paco hat freudig Auskunft gegeben und mit seiner sympathischen und bescheidenen Art sofort Anschluss gefunden.
Mit dem Liedermacher Andrew Bond hast du auch einen prominenten Taufpaten gefunden.
Andrew Bond hat uns für unsere Uraufführung 2023 die Kulisse des Piratenschiffs ausgeliehen, seither waren immer wieder in Kontakt, weil das Zauberlinse-Material auch in seinem Liederladen angeboten wird. Es lag deshalb nahe, ihn als Taufpaten für das neue Buch zu fragen. Ich freue mich riesig, dass er einige Songs mit uns singt.
Was begeistert dich persönlich besonders an deiner Reihe?
Ich suche gezielt nach interessanten, aber wenig bekannten Fakten, dann nach Wissenswertem im Bezug zur Schweiz. Das ist immer wieder spannend, und natürlich kann ich das gleich meinen Schulkindern weitererzählen.
Die Bücher sind ein Mix aus Hörspiel, Wissen, Liednoten, Rätseln und Basteltipps – wo sammelst du all das Material?
Das meiste finde ich im Internet, lasse aber die Fakten jeweils von Fachleuten prüfen. Zum Piratenkapitän Blackbeard habe ich viel bei National Geographic gefunden. Experimente, Rätsel und Basteltipps finde ich in verschiedenen Onlineforen und Blogs, teste aus, was sich bewährt und wandle vieles ab.
Möchtest du etwas zum neuen Buch sagen?
Als ich vor über zehn Jahren anfing, wurden noch mehr Bücher gekauft und KI war kein Thema. Heute ist der Markt überschwemmt mit billiger KI-Ware, das führt dazu, dass die menschliche Kunst an Wert verliert. Produktionen wie die Zauberlinse-Reihe sind teuer, ohne Kulturförderung und Sponsoren wären sie nicht umsetzbar.
Das klingt etwas desillusioniert …
Tatsächlich können wir die Kosten über den Verkauf nicht mehr hereinholen, obwohl viele freiwillig oder zum Freundschaftspreis mithelfen. Es bräuchte ein Label für «menschgemachte Bücher und Musik», dann könnten die Konsumenten entscheiden, was sie kaufen wollen. Ich bin überzeugt, dass Kinder merken, ob etwas mit Algorithmen oder mit Liebe gemacht wurde.
Wie geht es weiter mit der Reihe?
Ideen hätte ich noch viele – aber im Moment fehlen mir Energie und Mittel, diese umzusetzen. Ich glaube, es muss zuerst ein Umdenken geben, bevor Menschen wie ich wieder Herzblut in Projekte wie die Zauberlinse investieren können.
Phips und die Piraten
Vernissage von «Phips und die Zauberlinse bei den Piraten»:
Sonntag, 8. November 2026, 10.30 bis 12.15 Uhr, Restaurant Ochsen in Münsingen. Mit einem Konzert, Hörspielausschnitten und einer prominenten Crew, darunter Andrew Bond und Paco von Wyss. Infos zur Reihe Zauberlinse gibt’s hier.
Tickets für die Vernissage zu gewinnen
Die Vernissage ist ausgebucht. Noch kein Ticket, aber Lust, an der Vernissage dabei zu sein? BERN-OST vergibt zweimal zwei Tickets für die Vernissage – meldet euch ganz schnell bei info@bern-ost.ch!