11'000 Kilometer auf zwei Rädern

Mit 75 erfüllt er sich einen Lebenstraum

Vier Wochen lang war Ueli Schüpbach mit dem Motorrad unterwegs. Der 75-Jährige erfüllte sich mit der Fahrt ans Nordkap einen Traum. Er spricht über Gastfreundschaft - und was Töfffahrer von Autofahrern unterscheidet.

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Ueli Siegenthaler (li) und Ueli Schüpbach am Nordkap. (Foto: zvg)

Es ist 3:15 Uhr morgens am Nordkap. Trotzdem ist es taghell. Touristen sind keine mehr unterwegs. Vor der berühmten Weltkugel stehen zwei Berner Töfffahrer. «Wir hatten den Ort für uns allein», sagt Ueli Schüpbach.


Der 75-jährige Worber erfüllte sich zusammen mit seinem Töffkameraden Ueli Siegenthaler einen Traum. Vier Wochen waren die beiden unterwegs, legten rund 11'000 Kilometer zurück und fuhren durch acht Länder. Das Nordkap war Ziel und Höhepunkt ihres Abenteuers.

 

Ein Traum seit der Jugend

Schon kurz nach der Lehre zog es Schüpbach in den Norden, um in Dänemark zu arbeiten. Seine spätere Frau verbrachte damals ein Jahr in Finnland. Ausserdem lebt eine Nichte in Nordschweden.

 

«Das Nordkap war immer irgendwo im Hinterkopf», sagt der ehemalige Garagist. Zusammen mit seinem Bruder baute er 1979 beim Metzgerhüsi in Walkringen eine Alfa-Romeo-Garage auf. Seit zehn Jahren geniesst er die Pension. Endlich hat er Zeit für lange Reisen.

Die Tour auf einen Blick

Distanz: 11'000 Kilometer

Reisedauer: vier Wochen

Länder: Schweiz, Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Luxemburg und Frankreich

Motorrad: BMW R 1200 GS (Baujahr 2007)

Etappen: 250 bis 350 Kilometer

Längste Tagesetappe: über 500 Kilometer

Tiefste Temperatur: sieben Grad

Kosten: rund 4000 Franken

Pannen: keine

Unfälle: keine

Zwölf Tage Regen

In einer Juninacht um Mitternacht fuhren die beiden los. Die Reise begann alles andere als ideal. Während der ersten zwölf Tage regnete es fast ununterbrochen.

 

«Abbrechen kam nie infrage», sagt Schüpbach. Motorradfahren sei auch bei Regen gut möglich. Nur bei heftigen Gewittern suchten sie Schutz. Einmal legten sie wegen des Regens einen Pausentag ein. Erst auf den Lofoten besserte sich das Wetter. Trotz der teils ruppigen Bedingungen kehrten beide ohne Panne und Unfall zurück nach Worb.

Wo das Motorrad zuhause ist

Seit über 30 Jahren reist Ueli Schüpbach mit dem Töff quer durch Europa. Wenn möglich fährt er nicht auf der Autobahn, sondern auf Nebenstrassen fernab vom grossen Reiseverkehr, über Pässe oder Naturstrassen.

 

«Mit dem Töff kommt man an Orte, die mit dem Auto kaum erreichbar sind.» Solche Strecken verlangen allerdings Erfahrung. Auf Naturstrassen müsse man das Motorrad sicher beherrschen und auch stehend fahren können. «Gerade auf einer Enduro ist das wichtig.»

Fjorde, Gletscher und weite Ebenen

Das Nordkap war zwar das Ziel. Aber Ueli Schüpbach kommt beim Erzählen immer wieder ins Schwärmen: «Die Fjorde in Norwegen sind ein Muss!» 

 

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Lofoten mit ihren aus dem Meer aufragenden Bergen. Ebenso faszinierend waren die tief eingeschnittenen Fjorde und die weiten Hochebenen im Landesinnern. Auf dem Hochplateau Sognefjellet führt die Strasse auf 1300 Meter über Meer. Von dort reicht der Blick über Gletscher und Berglandschaften. Verleidet sei ihm das nie: «Schöne Kurven fahren mit dem Töff, was will man mehr.»

 

Wenn die Rentiere kommen

Immer wieder gab es unterwegs Begegnungen mit Tieren. «Kritisch wird es, wenn Rentiere über die Strasse rennen», sagt Schüpbach. Häufig blockierten Rentiere minutenlang die Strasse. «Die bleiben einfach stehen.» Zudem sahen sie Elche, Wale und sogar ein weisses Rentier.

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Viele Rentiere gab es unterwegs zu sehen. (Foto: zvg)

Unter Töfffahrern gelten andere Regeln

Unterwegs fiel Schüpbach einmal mehr auf, wie unkompliziert der Kontakt unter Motorradfahrern ist. Wer am Strassenrand anhält, bleibt selten lange allein. Schnell kommt man mit den Bikern ins Gespräch, erfährt dieses oder man spricht über die nächste Etappe.

 

«Das ist ganz anders als mit dem Auto», so Schüpbach. «Autofahrer fahren meist einfach weiter. Unter Töfffahrern versteht man sich sofort.» Gegrüsst werde auf zwei Rädern fast immer. «Nur die ganz Jungen grüssen manchmal nicht.»

 

Herzliche Gastgeber

Eine weitere Begegnung im hohen Norden blieb ihm besonders in Erinnerung. Auf einem Campingplatz begann es am Abend stark zu regnen. Der Platzwart fragte die beiden, ob sie etwas zu essen hätten. Als sie verneinten, brachte er ihnen frischen Fisch zum Nachtessen. Gemeinsam verbrachten sie den Abend und unterhielten sich bis spät. Für die Übernachtung verlangte der Betreiber am Ende einen Spezialpreis. «Solche Begegnungen hatten wir immer wieder», so Schüpbach.

Der Weg ist das Ziel

Rund 4000 Franken kostete die Reise. Mit seiner BMW-Maschine hat Ueli Schüpbach inzwischen über 100'000 Kilometer zurückgelegt. Ans Aufhören denkt er nicht. Die nächste grosse Tour hat er bereits im Kopf: Einmal Frankreich oder Spanien umrunden.

 

Was ihm von der Nordkap-Reise am meisten bleibt, fasst er in einem Satz zusammen: «Das Ziel ist der Weg.»

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Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 15.08.2026
Geändert: 15.08.2026
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