«Mit Solar fährt man 20 Kilometer, dann ist Schluss»
«Solange Öl fliesst, wird der Mensch nicht umsteigen», sagt Louis Palmer. Er hat vor 20 Jahren mit einem Solarauto Geschichte geschrieben. Am Samstag zeigt er in Münsingen, warum sich daran wenig geändert hat.
Louis Palmer, 54, ist in Kriens aufgewachsen, machte die Ausbildung zum Lehrer. Dann entschied er sich, mit einem Solarauto die Welt zu umrunden. Als erstes musste er vier Millionen Franken sammeln, danach fuhr er durch 36 Länder und legte 54'000 Kilometer zurück. Am Samstag ist er zu Besuch auf dem Münsinger Pflanzen- und Umweltmärit.
BERN-OST: Louis Palmer, auf Ihrer Website sieht man Sie mit diversen Promis: mit den Bundesrätinnen Doris Leuthard und Micheline Calmy-Rey, mit dem Prinzen von Monaco, dem ehemaligen UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon oder auch Titanic-Regisseur James Cameron. Wie kam es zu diesen Treffen?
Louis Palmer: Vor 20 Jahren bin ich als erster Mensch mit einem Solarauto um die Welt gefahren. Das war eine Sensation, die Leute wollten mich treffen. Bei James Cameron lief es so: Ich traf jemanden in Los Angeles, der ein Elektroauto fuhr, und diese Person kannte den Gärtner von Cameron. Dieser sagte ihm, dass da ein Schweizer mit einem Solarauto sei, ob er nicht Zeit hätte.
Sie haben als erster Mensch die Welt in einem Solarauto – Ihrem Solartaxi – umrundet. Wie schwierig war das?
Das war völlig einfach. (lacht) Das Schwierige war, das Auto zu bauen. Als Lehrer hatte ich damals weder Geld noch Ahnung, wie man ein Solarauto baut. Ich hatte 4000 Franken Startkapital und musste vier Millionen sammeln. Danach war es einfach.
Warum gibt es heute keine Solarautos?
Weil die Autos zu schwer sind. Bei einem Auto, das zwei Tonnen wiegt, kann man mit Solarzellen etwa 20 Kilometer fahren, danach ist Schluss. Das lohnt sich nicht. Solarautos müssen leicht und aerodynamisch sein. Doch daran besteht kein Interesse, weder von Konsumentenseite noch von der Autoindustrie.
Denken Sie das wird sich mal ändern?
Wenn das Erdöl ausgeht, dann vielleicht. Das grosse Auto ist immer noch ein Statussymbol.
Wie schwer war Ihr Solarauto und wie funktionierte es?
Es wog 750 Kilo mit Anhänger, auf dem die Solarzellen montiert waren. Damit wurde die Batterie geladen, und ich konnte pro Tag 150 Kilometer fahren.
Wie waren die Reaktionen auf Ihr Solartaxi?
Zu 100 Prozent positiv. Es gab keine Diskussion gegen Solar oder den Klimawandel. Ich staunte, im Vorfeld dachte ich, es gebe Widerstand. Auf der ganzen Welt war für die Leute klar, dass dies die Zukunft ist. Und das war vor 20 Jahren!
Welches war der schönste Ort, den Sie besuchten?
Es war überall super. Aber Bali blieb mir in sehr guter Erinnerung. Dort machten wir einen Stopp während der Weltklimakonferenz. Da wurden CNN, BBC oder auch Reuters auf uns aufmerksam und berichteten über uns, was für das Projekt sehr wichtig war.
Ihre Mission waren die Themen Klima und Nachhaltigkeit. Können wir noch etwas gegen den Klimawandel tun?
Klar können wir! Wir sind das reichste Land der Welt. Wenn nicht wir, wer dann? Wir haben in den letzten 200 Jahren viele Abgase ausgestossen. Wir könnten auf neue Technologien setzen. Pro Kopf haben Inder und Chinesen weniger CO2 ausgestossen als wir. Wir Europäer haben am meisten herausgeblasen, bis jetzt.
Der Umstieg ist eine Frage des Geldes. Wenn nicht wegen des Klimas, dann wegen des Porte-Monnaies. Wir geben pro Jahr acht Milliarden Franken für den Import von Öl aus. Das Geld könnte auch hier investiert werden, anstatt damit Diktaturen zu unterstützen.
Am Samstag sind Sie in Münsingen zu Gast mit Ihrem SolarButterfly – worum geht es da?
Das Solartaxi ist im Bauch des SolarButterfly ausgestellt. Beide Solarmobile haben die Welt umrundet. Heute ist dies ein fahrendes Museum und wird von einem Elektroauto von Luzern nach Bern gezogen. Der SolarButterfly ist das grösste Solarfahrzeug der Welt. Es ist begehbar und zeigt, welche Lösungen es gegen den Klimawandel gibt. Wir besuchen dieses Jahr damit 30'000 Schülerinnen und Schüler.
Samstag, 25. April, Pflanzen- und Umweltmärit, Schlossgutareal Münsingen