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Ärger über Post: Am Morgen gibt's nur 100 Franken

Die neue Postfiliale im Coop Bolligen nervt viele Kund*innen. Einerseits kommt es immer wieder zu Wartezeiten, andererseits fehlt es an Privatsphäre. Auch ein anständiger Briefkasten sollte mal her.

Die Post im Coop Bolligen macht nicht alle glücklich. (Bild: Rolf Blaser)

Im November schloss die Post Bolligen ihren Schalter. Seither müssen Postgeschäfte an der Coop-Kasse im Dorfmärit erledigt werden. Die Umstellung mitten im Lockdown, begleitet vom Weihnachtsgeschäft mit vielen Paketen, war eine grosse Herausforderung für das Coop-Personal und die Post-Kunden.

 

Der Ansturm hat sich ein wenig gelegt, aber dennoch sind viele Kunden mit der jetzigen Situation nicht glücklich.

 

Post hat noch Luft nach oben

Eine Passantin sagt, nachdem sie ihre Einkäufe bezahlt und einen Brief aufgegeben hat: "Mit den Wartezeiten ist es besser geworden. Jetzt am Mittag ist nicht viel los. Aber wenn ich in den Stosszeiten mit vollem Einkaufswagen anstehe und an der Kasse gibt jemand einen eingeschriebenen Brief auf, dann führt dies zu zusätzlichen Wartezeiten." Die Kassier*innen des Coop könnten einem leidtun, meint die Frau weiter. Klar seien diese stets bemüht, dass genügend Kassen geöffnet seien. Was sie aber mehr stört: "Wenn jemand vor mir Geld vom Postschalter bezieht, dann bekommen das alle in der Schlange mit. Für ältere Leute, die sich nicht gewohnt sind, am Automaten Geld zu beziehen, ist das eine Zumutung."

 

Post ist bemüht

Diskretion sei wichtig, heisst es bei der Medienstelle der Post. Das Personal in den Postfilialen werde geschult. Die Post hofft, dass dieser Punkt noch verbessert werden könne. Die Postfiliale im Coop Bolligen sei eine von 1200 in der ganzen Schweiz. Die Erfahrung zeige, dass je länger die Filialen in Betrieb seien, sich die Kund*innen umso mehr daran gewöhnten. Viele schätzten besonders die grosszügigen Öffnungszeiten im Vergleich zu herkömmlichen Postschaltern.

 

Zu wenig Geld in der Kasse

Die Frau vor dem Coop am Dorfmärit hat noch weitere Kritik an der Postfiliale. Neulich habe ein Bekannter sie  darauf hingewiesen, dass auch Geld abheben ein Problem sei. Er wollte 500 Franken in bar beziehen. Er sei morgens um acht Uhr an der Coop-Kasse gestanden. "Aber die Kassenfrau konnte ihm nur 100 Franken auszahlen. Mehr Geld könne sie so früh nicht geben", hiess es.

 

Post versteht den Ärger

Dieses Problem sei der Post bekannt. Sie hätten Verständnis für den Ärger, aber bei Postfilialen sei das so. 50 Franken könnten garantiert immer bezogen werden, höhere Beträge würden von Zeit und Grösse der Postfiliale abhängen.

 

Warten auf den Postomat

Während wir uns vor dem Coop unterhalten, gibt ein Mann drinnen ein Paket auf, eine Frau holt einen Brief ab. Bei wenigen Kunden im Laden, geschieht das nebenbei. Was auch fehle sei ein anständiger Briefkasten, sagt die Passantin. Der Bestehende sei zu klein und müsse vom Kassenpersonal drei bis vier Mal pro Tag geleert werden. Und natürlich ein Postomat wäre auch nötig.

 

Zu beiden Themen machen sich Post und Coop Gedanken. Die Post antwortet auf eine Anfrage von BERN-OST: "PostFinance ist auf der Suche nach einem neuen Postomat-Standort in Bolligen. Ort und Datum der Inbetriebnahme sind aktuell aber noch nicht bekannt."

 

Politiker sind machtlos

Thomas Kiser von der SP Bolligen hat seinem Ärger bereits in der "Bantiger Post" Luft gemacht. Regelmässig weise er dort auf die Mängel und den fehlenden Kundenservice hin. Ihm sei auch klar, dass sich die Zeiten geändert hätten, und dass die Post sich wandle. Sorgen mache er sich mehr um den Dorfmärit in Bolligen. Die Leute würden halt abwandern und in Ittigen oder Ostermundigen ihre Geschäfte erledigen. Auch Kiser betont, dass ein Postomat her müsse.

 

Die Bolliger Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber (FDP) versteht den Frust der Post-Kund*innen. Es komme vor allem am Morgen zu Wartezeiten. Früher auf der alten Post habe man aber auch anstehen müssen. Auch dort hätte teils die Privatsphäre gelitten, weil es eng gewesen sei. Es brauche nun etwas Geduld. Weiter sagt Zuber: "Wir haben uns für den Erhalt der Post eingesetzt. Aber die Zahl der Post-Kund*innen hat gegen die Post gesprochen. Daran ist wohl jetzt nichts mehr zu ändern."


Autor*in
Rolf Blaser, rolf.blaser@bern-ost.ch
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Erstellt: 11.02.2021
Geändert: 11.02.2021
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