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Münsingen - Andreas Thiel wird an SVP-Anlass mit Eiern beworfen

Quelle
Berner Zeitung BZ

Die SVP Münsingen lud an ihren Herbstanlass einen prominenten Gast ein: den Berner Satiriker Andreas Thiel. Dieser Besuch zog einen weiteren, leider ungebetenen Gast an: einen Eierwerfer.

«Humor» heisst das Bühnenprogramm von Andreas Thiel. Seit 2015 hat er es schon dutzende Male im ganzen deutschsprachigen Raum aufgeführt. Aber so etwas wie in Münsingen hatte er bisher noch nie erlebt.

Der frühere langjährige Kolumnist dieser Zeitung war eingeladen als Gast der örtlichen SVP, die Ende September im Schlossgut ihren Herbstanlass feierte. «Ich hatte schon Auftritte bei allen grossen Schweizer Parteien», sagt Andreas Thiel zum speziellen Rahmen an diesem Abend.

Seine Vorstellung hatte gerade erst begonnen, da suchte sich ein nervöser Mann auf den letzten Drücker noch einen Platz in den vorderen Reihen. Der Berner SVP-Grossrat Thomas Fuchs, der an diesem Abend auch vor Ort war, erinnert sich: «Er war breit gebaut, links-alternativ gekleidet aber sonst voll zurechnungsfähig.»

Mann warf Eier und spuckte

An einer Stelle in Thiels Programm wird die Verbindung von Humor und Rassismus thematisiert. Das war die Initialzündung. Der Mann stürmte vor die Bühne und fing an den Satiriker mit Eiern zu bewerfen. «Er beschimpfte mich laut und gehässig und spuckte mich am Schluss noch an», schildert Thiel den Vorfall.

Die Leute im Saal waren schockiert. Der Mann floh nach seiner Attacke schnurstracks aus dem Saal, erwischen konnte ihn keiner mehr. «Die Stimmung war am Boden, deshalb baute ich den Vorfall gleich ins Programm ein», so Thiel.

So bezeichnete er es als Affront, dass man ihn als Veganer mit Hühnerföten bewerfe und vermutete hinter dem Eierwerfer einen lokalen Viehzüchter, der sich über sein Plädoyer für Veganismus aufgeregt habe. Die gepiesackten SVPler nahmens mit Humor. «Er hat die Situation souverän gemeistert und liess sich nichts anmerken», sagt Fuchs.

«Fanatiker brauchen Feindbilder»

Andreas Thiel sei sich mittlerweile gewohnt, dass er bei manchen Leuten solche Hassgefühle auslöst, wie er festhält. Seit er Ende 2014 in der «Weltwoche» ein Essay über den Koran verfasste, werde ihm von linken Exponenten des Kultur- und Medienbetriebs das Leben schwer gemacht. In Erinnerung blieb vor allem sein Auftritt in der Sendung «Schawinski», wo der gleichnamige Moderator während der Sendung die Fassung verlor und Thiel als «üblen Rassisten» beschimpfte.

Die Diffamierungen von Links nähmen seither zu, so Thiel. Da helfe es auch nichts, zu betonen, dass Kritik am Islam mit Ethnie nichts zu tun habe. Thiel glaubt, dass auch der Eierwerfermann aus Münsingen ihn aufgrund dieser damaligen Verunglimpfung von Schawinski für einen Rassisten hält. «Extreme Linke sind Fanatiker. Und Fanatiker brauchen Feindbilder.» Dass er für viele zu einem solchen Feindbild geworden sei, merke er auf der Strasse, wo er immer wieder angepöbelt, angerempelt und auch schon angespuckt worden sei. «In Bern kann ich deswegen gar nicht mehr in den Ausgang.»

Auch wenn es der erste Vorfall dieser Art bei einem öffentlichen Auftritt war, Thiel hat endgültig vor, seine Bühnenkarriere Ende dieses Jahres an den Nagel zu hängen: «Ich habe keine Lust mehr», sagt er knapp. Er will sich stattdessen in Zukunft vermehrt der Publizistik widmen. Auftritte als Satiriker gibts nur noch an privaten Anlässen.

Autor
Quentin Schlapbach, Berner Zeitung BZ
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Erstellt: 04.10.2017
Geändert: 05.10.2017
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