Münsinger Grossprojekt nimmt die nächste Hürde
Die Entwicklung des Areals Bahnhof West kommt einen wichtigen Schritt weiter. Die öffentliche Mitwirkung zeigt: Die grosse Mehrheit der Teilnehmenden unterstützt die Ziele des Projekts. Kritik gibt es zwar unter anderem an der Höhe einzelner Gebäude und der Verkehrsführung. Der Gemeinderat will verschiedene Anliegen nun in die weitere Planung aufnehmen.
80 Stellungnahmen sind während der öffentlichen Mitwirkung zur geplanten Entwicklung des Areals Bahnhof West eingegangen. Sie stammen überwiegend von Privatpersonen, daneben auch von Parteien, Vereinen, Verbänden und Unternehmen. Wie der Gemeinderat am Freitag mitteilte, werden die Ziele und die Stossrichtung der Planung grossmehrheitlich positiv beurteilt. Damit erhält das Vorhaben politischen Rückenwind für die nächsten Planungsschritte.
Positiv beurteilt werden insbesondere die geplante Innenentwicklung an zentraler Lage, zusätzlicher Wohnraum für verschiedene Bevölkerungsgruppen, die Aufwertung des Bahnhofumfelds sowie nachhaltige Lösungen bei Energie, Mobilität und Freiräumen. Auch die vorgesehene gemischte Nutzung stösst auf breite Zustimmung. Neben Wohnungen sollen auf dem Areal künftig auch Detailhandel, Büros und Dienstleistungen Platz finden.
Gebäudehöhe sorgt für Diskussionen
Ganz ohne Kritik bleibt das Projekt allerdings nicht. Mehrere Mitwirkende empfinden die geplanten Gebäude mit bis zu neun Geschossen als zu hoch. Sie wünschen sich eine Begrenzung auf sechs oder sieben Stockwerke. Unterschiedliche Meinungen gibt es auch zur Zukunft der sogenannten «Filzi»: Während einige deren Erhalt befürworten, sprechen sich andere für einen Neubau aus.
Weitere Rückmeldungen betreffen die Verkehrserschliessung, die Linienführung für den Fuss- und Veloverkehr, die Anzahl Parkplätze sowie den Anteil preisgünstiger Wohnungen. Auch das Schwammstadtprinzip – also die Gestaltung des Quartiers mit möglichst viel Wasserrückhalt und Grünflächen – sollte nach Ansicht verschiedener Teilnehmender noch stärker berücksichtigt werden.
Nicht alle Forderungen können bereits heute beantwortet werden. Der Gemeinderat weist darauf hin, dass die jetzige Planung lediglich die Grundsätze für die Entwicklung festlegt. Viele Details würden erst in den späteren Projekt- und Bauphasen ausgearbeitet.
Erste Anpassungen aufgrund der Mitwirkung
Ganz folgenlos bleibt die Mitwirkung dennoch nicht. So soll der Abstand neuer Gebäude zum angrenzenden Wohnquartier künftig mindestens fünf statt bisher weniger Meter betragen. Zudem wird der Verkehrsknoten Belpbergstrasse/Industriestrasse/Erlenauweg in den Planungsperimeter aufgenommen, damit dort Verbesserungen geprüft werden können.
Auch bei der geplanten Personenunterführung südlich des Bahnhofs sind noch Anpassungen möglich. Mehrere Mitwirkende wünschen direktere Veloverbindungen und eine klarere Trennung zwischen Fuss- und Veloverkehr. Die definitive Ausgestaltung hängt allerdings vom Ausbauprojekt der SBB für den Bahnhof Münsingen ab.
300 bis 350 Wohnungen geplant
Mit dem Projekt Bahnhof West will die Gemeinde das rund 3,4 Hektaren grosse Gebiet westlich des Bahnhofs neu entwickeln. Vorgesehen sind 300 bis 350 Wohnungen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen sowie Flächen für Detailhandel, Büros und Dienstleistungen. Ebenfalls geplant sind attraktive Freiräume, eine neue Erschliessung sowie eine bessere Verbindung für den Fuss- und Veloverkehr unter den Bahngleisen hindurch.
Während der Mitwirkung wurde mehrfach der Wunsch geäussert, der heutige Jumbo solle erhalten bleiben. Der Gemeinderat weist jedoch darauf hin, dass dies nicht von der Gemeinde entschieden werden könne, sondern von der künftigen Marktsituation abhänge.
Entscheid frühestens in einigen Jahren
Als Nächstes will der Gemeinderat die Planung bereinigen und dem Kanton zur Vorprüfung einreichen. Diese dürfte voraussichtlich bis Ende 2027 oder Anfang 2028 dauern. Erst danach folgen die öffentliche Auflage sowie die Beratung im Gemeindeparlament. Dessen Beschluss untersteht dem fakultativen Referendum.