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Nach Burnout: Selbstbedienungsladen im Gwattli geht demnächst auf

Vor bald einem Jahr gingen im ehemaligen Restaurant Rössli in Schlosswil die Lichter wieder an. Diät- und Chefkoch Andreas Fankhauser eröffnete dort unter dem Namen "Zum Grauen Wolf - Gwattli" sein Do-it-Yourself-Restaurant. Ein halbes Jahr später sollte auch noch ein Selbstbedienungsladen aufgehen. Nun wird dieser erst im April eröffnet. Fankhauser erklärt, wieso.

Es läuft gut, aber er war ausgebrannt: Vor einem Jahr eröffnete Diät- und Chefkoch Andreas Fankhauser das Restaurant "Zum grauen Wolf - Gwattli", ehemals Rössli, in Schlosswil wieder. (Bild: Archiv BERN-OST)
Wird bald eröffnet: Der neue Selbstbedienungsladen im ehemaligen Weinkeller. (Bild: zvg)

Ende Oktober letzten Jahres sollte der Laden aufgehen, doch soweit kam es nicht. "Ich hatte zu dem Zeitpunkt ein Burnout", sagt Fankhauser. Der Wiederaufbau der Beiz habe dazu geführt. "Die ganze Renovation der Infrastruktur mit unzähligen Arbeitsstunden, das Ersetzen der Gerätschaften und mangelhafte Isolation der Gaststube waren eine grosse Belastung", erklärt er. Am Morgen sei es bei Wind und kalten Temperaturen 12 Grad trotz voller Leistung der Heizung. "Ein grosser Aufwand, die Raumtemperatur auf ein angenehmes Klima zu bringen", sagt Fankhauser, der all dies als Mieter in Eigenleistung machte. "Das ging an die Substanz", sagt er.

 

Dann seien auch bereits die Weihnachtsessen angestanden. "Man funktioniert einfach nur noch, schläft und isst nicht mehr", beschreibt Fankhauser seinen damaligen Zustand. Viele hätten von seinem Burnout wohl gar nichts bemerkt, meint er. "Aber nachts oder hinter den Kulissen, wenn niemand da war, fiel der ganze Druck ab", sagt Fankhauser.

 

Schock: Ohne Vorwarnung Konkurs gemeldet

Unter diesen Umständen seien Dinge liegen geblieben. "Ich habe Fristen verpasst und eine Zahlung versäumt", so Fankhauser. Obschon es nur ein geringer Betrag war, wurde ihm dieser zum Verhängnis: "Der Gläubiger suchte nicht den Kontakt zu mir, sondern meldete mich gleich konkurs", berichtet Fankhauser vom Schock.

 

Daraufhin habe er die Rechnung sofort bezahlt und den Konkurs angefochten. "Ich musste belegen, dass der Betrieb rentiert und alles auf guten Wegen ist", so Fankhauser. Das gelang ihm und er erhielt Recht. Das Obergericht hob den Entscheid auf.

 

Fankhauser: "Froh, dass es durch ist"

"Ich bin froh, dass es durch ist", sagt Fankhauser mit spürbarer Erleichterung. Persönlich hat er sich unterdessen wieder erholt.

 

"Im Betrieb sind ich und mein Mitarbeiter Kai Würz nun alles am Aufarbeiten", sagt Fankhauser. Dafür holte er sich externe Hilfe, mit welcher er auch für die Zukunft sicherstellen will, dass die Buchhaltung reibungslos läuft.

 

Laden soll noch vor Ostern eröffnen

Den 24-Stunden-Selbstbedienungsladen mit Fertigmenüs, Sandwiches und weiteren Nahrungsmitteln aus eigener Produktion, dessen Eröffnung sich ob der Umstände verzögert hatte, möchte Fankhauser nun noch vor Ostern in Betrieb nehmen. "Unser Angebot zum Mitnehmen kommt besonders gut an, deshalb wollen wir nun mit dem Lädeli vorwärts machen", sagt er.

 

Das Restaurant sei zudem, abgesehen vom Zwischenfall im Oktober, auf Kurs: "Es läuft immer besser, vor allem seit wir abends bedienen und wie eine 'normale' Beiz sind", sagt er. Nach den ersten Monaten hatte sich herausgestellt, dass die Gäste mit dem neuartigen Selbstbedienungskonzept überfordert waren.

 

Stammkundschaft kommt wieder

Mittlerweile konnte Fankhauser die Stammkundschaft wieder aufbauen. Mittags verkaufe er 15 bis 25 Essen, abends schlage der Freitag mit bis zu dreissig verkauften Mahlzeiten deutlich obenaus. "Damit bin ich zufrieden", sagt Fankhauser. Auch die Vermietung der Infrastruktur an Private, Firmen und Vereine laufe gut. "Der Saal ist sehr gut ausgelastet", sagt er.

 

Das Hauptgeschäft sei aber immer noch das Auswärtsgeschäft. Er beliefert unter dem Namen "More Than Food" Firmen – insbesondere Fitnesscenter – und Privatkunden mit gesunden Fertiggerichen zum Aufwärmen.

 

Doch kein Zutrittssystem

Unterdessen aufgegeben hat Fankhauser hingegen den Plan, ein Zutrittssystem zu installieren, mittels welchem man per Ausweis-Scan das unbediente Restaurant selbstständig hätte betreten können. "Es ist der falsche Ort für sowas, aber in Teilen haben wir immer noch Selbstbedienung", sagt er.

 

Schon bald feiert Fankhauser das einjährige Bestehen seiner Beiz. "Am Gründonnerstag machen wir einen Apéro für unsere Gäste und offerieren die Speisen", verrät Fankhauser.


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 12.04.2019
Geändert: 13.04.2019
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