Nein zur Initiative – über den Sportplatz wird weiter geredet
Mit 116 Nein gegen 80 Ja hat die Kiesener Gemeindeversammlung die Sportplatzinitiative abgelehnt. Wie gross der Platz künftig bleiben soll, ist damit noch offen. Trotz des umstrittenen Geschäfts war die Stimmung positiv. Initiant Hans Ulrich Graber sieht auch nach der Niederlage einen Fortschritt: «Man spricht mehr miteinander.»
Schon weit über eine Stunde vor Beginn treffen die ersten Besucherinnen und Besucher ein. Wer in der Turnhalle keinen Platz findet, kann die Versammlung dank einer Übertragung im Pavillon mitverfolgen. Auffallend viele jüngere Menschen sind gekommen. Insgesamt nehmen 199 Stimmberechtigte teil – 26,9 Prozent der Stimmberechtigten von Kiesen.
Der Andrang lässt erahnen, wie viel dem Dorf am Sportplatz und an der Dorfentwicklung liegt. Die Diskussion darüber bleibt trotz unterschiedlicher Ansichten in positiver Stimmung. Wortmeldungen beider Seiten erhalten kräftigen Applaus. Initiant Hans Ulrich Graber wird ebenso angehört wie die Vertreterinnen und Vertreter der Gegenposition.
Ein «Juwel» bewahren
Graber wirbt dafür, den Spiel- und Sportplatz dauerhaft zu erhalten. Er sei wichtig für die Gesundheit der jungen Menschen und für das Klima. Früher hätten Anlässe das ganze Gelände gefüllt. Eine Grünfläche, die einmal überbaut sei, komme nicht zurück. Graber will das «Juwel von Kiesen» für kommende Generationen bewahren.
Auch aus dem Publikum erhält er Unterstützung. Ein Teilnehmer widerspricht der Einschätzung, der Sportplatz sei überdimensioniert.
Gemeinderätin Beatrice Riem stellt dagegen die Erneuerung der öffentlichen Infrastruktur ins Zentrum. Schule und Verwaltung müssten erneuert werden, auch bei den Heizungen bestehe Handlungsbedarf. Ein Teilverkauf des Sportplatzes soll die Finanzierung erleichtern. Bei Annahme der Initiative würden nach Einschätzung des Gemeinderats bis zu drei Millionen Franken fehlen.
Jetzt Nein sagen, später zwischen zwei Varianten wählen
In mehreren Wortmeldungen wird dafür geworben, die gesamte Dorf- und Schulentwicklung zu betrachten und den späteren Variantenentscheid abzuwarten. Ein Mitglied der Schulkommission empfiehlt ein Nein. Andere Teilnehmer betonen den schlechten Zustand der öffentlichen Gebäude und die Kosten ihrer Erneuerung.
Ein Redner hält die Initiative zum jetzigen Zeitpunkt für falsch und unnötig: Die Bevölkerung könne später zwischen zwei Varianten wählen. Dann sollten alle Fakten auf dem Tisch liegen.
Diesen Auftrag hat der Gemeinderat bereits: Variante A sieht einen verkleinerten Sportplatz und mehr Wohnbaufläche vor. Variante B erhält das Rasenspielfeld weitgehend in seiner heutigen Grösse und ermöglicht weniger Wohnentwicklung. Sie entspricht laut Riem im Grossen und Ganzen dem Anliegen der Initiative.
Auch Gemeindepräsident Ernst Waber wirbt dafür, beide Möglichkeiten offenzuhalten. Das Argument zieht sich durch die Diskussion: Wer die Initiative ablehnt, stimmt damit noch keiner Verkleinerung des Sportplatzes zu.
Die Versammlung stimmt einem Antrag auf geheime Abstimmung zu. Das Ergebnis fällt klar aus: 116 Nein stehen 80 Ja gegenüber.
Graber sieht einen Achtungserfolg
Nach dem Entscheid bezeichnet Graber im Gespräch mit BERN-OST das Ergebnis als «Achtungserfolg». Positiv sei vor allem: «Man spricht mehr miteinander.»
Für ihn komme eher Variante B als Variante A infrage. Allerdings habe auch diese noch einen Haken: die darin enthaltene Grünfläche für die Überbauung. Entscheidend sei für ihn eine finanziell tragbare Lösung für die anstehenden öffentlichen Bauvorhaben. Dafür müssten die Ansprüche gesenkt werden. «Sie werden ihre Wünsche nach unten schrauben müssen.»
Waber sieht im Nein eine Erleichterung für die weitere Planung. Den Entscheid zwischen den Varianten erhofft er sich im Verlauf des Jahres 2027. An die 80 Personen, die für die Initiative gestimmt haben, richtet er einen Aufruf: «Wir können es nur gemeinsam machen, helft mit!»
Wie viel vom Sportplatz bleibt, ist weiterhin offen. An diesem Abend haben die Kiesenerinnen und Kiesener immerhin miteinander darüber gesprochen – und beiden Seiten applaudiert.