Neuer Aareweg sorgt für Diskussionen
Nach rund zwei Jahren Bauzeit ist das Aareufer zwischen der Thalgutbrücke und der Chesselau in Münsingen wieder offen. Der Kanton Bern hat dort den Hochwasserschutz ausgebaut und gleichzeitig die Aare revitalisiert. Während Fachstellen die neue Flusslandschaft loben, sorgt vor allem der schmale Uferweg in sozialen Medien für Diskussionen.
Das Projekt «Hochwasserschutz Thalgut-Chesselau» soll Siedlungsgebiete, die Bahnlinie, die Autobahn sowie wichtige Trinkwasserleitungen künftig besser vor Hochwasser schützen. Dafür wurde entlang der Autobahn ein neuer Hochwasserschutzdamm gebaut. Die Aare erhält nun mehr Platz und kann sich auf einem breiteren Abschnitt natürlicher entwickeln.
Auch die Trinkwasserleitung des Wasserverbunds Region Bern wurde verlegt. Sie lag bisher direkt am Ufer und befindet sich nun geschützt hinter dem neuen Damm. Gleichzeitig wurde ihre Kapazität erhöht.
Im Bereich unterhalb der Thalgutbrücke wurden zudem Blocksteinbuhnen und Holzverbauungen erstellt, um das Ufer zu sichern. Kurz vor der Schützenfahr lenkt eine grosse Steinbuhne die Aare wieder in ein engeres Flussbett zurück.
Für Diskussionen sorgt aktuell vor allem die neue Wegführung entlang der Aare. In einer Facebookgruppe wurde die Situation bereits Ende April intensiv kommentiert. Ein Beitrag eines Users erhielt über 120 Kommentare.
Unmut..
Viele Personen äusserten sich kritisch. Besonders häufig fiel der Kommentar «Sehr schade». Mehrfach wurde bemängelt, dass der neue Uferpfad sehr schmal sei und man kaum mehr nebeneinander spazieren könne. Andere störten sich daran, dass der Weg nicht rollstuhlgängig sei oder künftig wohl von Dornen und Sträuchern gesäumt werde. Auch fehlender Schatten wurde kritisiert. Einige hinterfragten zudem, ob die neue Gestaltung der Natur tatsächlich helfe.
.. oder doch Verständnis?
Andere zeigten dagegen Verständnis für die neue Lösung. Sie verwiesen auf die Renaturierung und darauf, dass es sich nicht um eine «Autobahn» für Spaziergängerinnen, Spaziergänger und Velofahrende handeln müsse. Positiv erwähnt wurde auch, dass der offizielle breite Weg weiter landeinwärts verläuft und sich dadurch Konflikte zwischen Fussverkehr und Velos reduzieren könnten. Mehrere Kommentare bezeichneten den schmalen Trampelpfad zudem als naturnäher und abwechslungsreicher als breite, ausgebaute Wanderwege.
Gemäss Kanton handelt es sich beim Uferweg bewusst um einen einfachen Trampelpfad. Dieser werde nicht gesichert und könne sich durch die natürliche Erosion der Aare immer wieder verändern. Der breite offizielle Wanderweg verläuft weiter entfernt vom Fluss.
Zurzeit wirkt das Gebiet noch kahl. Laut Tiefbauamt sollen die gerodeten Flächen jedoch wieder aufgeforstet werden. Mit der Zeit sollen zudem neue Kiesbänke, flache Wasserzonen und eine dynamische Auenlandschaft entstehen. Davon sollen unter anderem Fische und Wasservögel profitieren.
Für das Projekt sprach der Grosse Rat 2021 knapp 14 Millionen Franken. Der Bund übernimmt laut Kanton 80 Prozent der Kosten. Aufgrund guter Bedingungen während der Bauarbeiten dürfte der bewilligte Kredit zudem nicht vollständig ausgeschöpft werden.