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Oberdiessbach - 50 Kinder auf Zeitreise

Quelle
Thuner Tagblatt

Die Jungschar reist heuer nicht räumlich weit in ihr Sommerlager, dafür in der Zeit: Sie begibt sich im Jubiläumsjahr diese Woche auf die Spuren der Dorfgeschichte.

Rund 400 Besucher fanden sich gestern am Besuchstag des Jungscharlagers ein. (Bild: PD / Thuner Tagblatt)

Die 800-jährige Geschichte von Oberdiessbach, die heuer das ganze Jahr gefeiert wird, ist unmittelbar auch mit dem Bau des Schlosses und dessen Übernahme durch die Familie von Wattenwyl gekoppelt – das Schloss, welches in diesem Jahr sein 350-jähriges Bestehen feiert. Die erste offizielle Erwähnung Oberdiessbachs, damals Tiecebac genannt, befindet sich in einem Ehevertrag vom 1. Juni 1218. Der Name leitet sich vom althochdeutschen Wort tiozan ab, was für tosen, brausen steht. Er blieb für lange Zeit Diessbach oder ähnliche Versionen davon. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich jedoch die Bezeichnung Oberdiessbach durch, nicht zuletzt um eine Verwechslung mit der Seeländer Gemeinde Diessbach bei Büren zu vermeiden.

 

Herrschaftswechsel

Oberdiessbach bestand 1218 aus einem grossen Hof, dreizehn kleineren Bauernheimwesen, einer Mühle und einer kleinen Kirche. Bis 1798 umfasste die Herrschaft Diessbach, welche durch den reichen Kaufmann Claus von Diesbach und dessen Söhne erworben wurde, die Gemeinden Diessbach, Aeschlen, Bleiken, Hauen, Ausserbirmoos, Schöntal und Barschwanden – und reichte also bis ins heutige Linden. Nach der Zerstörung der Burg Diesenberg wurde von Niklaus von Diesbach 1546 ein Schloss, das heute als altes Schloss bezeichnet wird, erbaut. 1647 ging die Herrschaft von Christoph von Diesbachs Witwe an ihren Schwiegersohn Sigmund von Wattenwyl über. Sein Bruder Albrecht von Wattenwyl, Erbauer des neuen Schlosses und Oberst in französischen Diensten unter König Ludwig XIV., übernahm diese bereits im Jahr 1648. Seither ist der Grundbesitz im Eigentum der Familie von Wattenwyl.

 

Kinder auf Zeitreise

Seit diesem Wochenende sind mehr als 50 Kinder der Besj-Jungschar Oberdiessbach zusammen mit ihrem 20-köpfigen Leiterteam und der Küchencrew im Rahmen ihres Sommerlagers unterwegs auf den Spuren dieser wechselvollen Geschichte. «Wir starten bei den Römern, besuchen die Diessenburg oder blicken auf den Bauernaufstand zurück», berichtet Noemi Stucki, Hauptleiterin der Jungschar, «jeden Tag steht eine neue Epoche im Zentrum – bis hin zur Gegenwart.» Auf dieser Zeitreise wartet zudem eine zweitägige Wanderung inklusive Übernachtung in der Fremde auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Gestern konnten sich die gut 50 Kinder, die zwischen 7- und 15-jährig sind, noch ein letztes Mal von Eltern und Freunden verabschieden. Rund 400 Personen nahmen am Besuchstag auf dem Lagergelände beim Schützenhaus teil.

 

Es wird gefeiert

Die diesjährigen Feierlichkeiten zum Jubiläum von Ort und neuem Schloss sind die ersten Jubiläumsfeiern seit 50 Jahren. «Ganz Oberdiessbach war damals auf den Beinen – entweder als Teilnehmer im Umzug oder als begeisterter Zuschauer. Ich war als Anführer einer Gruppe von ‹Römern› im Umzug dabei», erinnert sich der ehemalige Gemeindepräsident Hans Rudolf Vogt in seinem Grusswort im Festführer. In diesem Jahr gibt es zwar keinen Umzug, das Jubiläum wird aber bereits seit Beginn des Jahres gebührend gefeiert (wir berichteten). Aber natürlich gibt es in grosses Dorffest - und zwar Ende August.

 

Quellen: Wikipedia, www.schlossoberdiessbach.ch, www.diessbach2018.ch.


Autor
Irina Eftimie/maz, Thuner Tagblatt TT
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Erstellt: 16.07.2018
Geändert: 16.07.2018
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