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Oberdiessbach - Paul Freiburghaus: Ein Meister kühner Farben stellt seine Werke aus

Quelle
Wochen-Zeitung

Oberdiessbach: Bis am 20. Mai stellt der Kunstmaler Paul Freiburghaus in der Galerie Heubühne Malerei, Druckgrafik und Skulptur aus. Gezeigt werden hauptsächlich neuere Werke.

Drei grossformatige Bilder zum fortschreitenden Jahr beherrschen den zentralen Ausstellungsraum, dreimal das uralte Gehöft mit dem mächtigen Hochstuddach und der steilen Einfahrt: nach der Schneeschmelze, im Winter, im Frühherbst. Die drei Bilder sind eine eindrückliche Studie zu den Farben und zum Licht im Jahreslauf. Der Vergleich von Bild zu Bild drängt sich auf, dreimal der Himmel, dreimal der Weg, dreimal das Geäst der Bäume. Und drei ganz unterschiedliche Stimmungen. «Himelrych» nennt Freiburghaus den Bauernhof an der Steigung zwischen Wangelen und Heimenschwand. «Schaubhaus» heisst es auf der Landeskarte. Und aus dem Jahr 1735 stammt der Speicher.

Farbe erzeugt Stimmung


Freiburghaus ist ein Meister kühner Farben. Nahe am Licht ist das reine, leuchtende Gelb. Mit wenig Rot beginnt es zu glühen. Ins Märchenland entrückt blaues Mondlicht den Wald und wuchernd grün durchwachsen Kraut und Blumen den Baumgarten. Die Aggressivität des Rots ist mit Braun ins Warme, Erdnahe gemildert. Und sparsames Lila, Violett, Gelbgrün steigert als Komplementärfarbe Wirkung und Glanz.

Wie Farbe Stimmung erzeugt, zeigen auch die drei grossformatigen Gouachen vom Stockhorn. Hier begegnen uns die Phasen eines Gewitters. Paul Freiburghaus ist ein hervorragender Zeichner. Die gute Zeichnung ist die Grundlage seiner Bilder. Was er uns zeigt, das ist auch gemeint. Auch seine abstrakten Arbeiten sind keine Zufallsprodukte. Freiburghaus: «Als der Jugoslawienkrieg ausbrach, schüttelte mich dies durch. Ich konnte nicht mehr mit den bisherigen Mitteln ausdrücken, was mich erschütterte. Was ich an Drucken und Skulpturen schaffe, ist meine Verarbeitung dieses Unglücks.»

Ohne Kunstlicht am schönsten


Am schönsten wirken die Farben an einem Sonntagvormittag oder an einem frühen Nachmittag, wenn die einfache Galerie dank des grossen Ostfensters ohne Kunstlicht auskommt. Es wird einem klar, was Goethe vorschwebte bei den Worten: «Farben sind Leiden und Taten des Lichts.»

Die Vernissage vom Samstag war sehr gut besucht, Malerfreunde, Promotionskameraden aus dem Lehrerseminar, Bekannte, Kunstinteressierte, seine Schülerinnen und Schüler, sie alle wollten sehen, was uns Paul Freiburghaus in seinem 80. Lebensjahr zu malen hat. Das Trio Amal spielte packende Volksmusik aus Ungarn und Bulgarien.

Die eindrückliche Ausstellung in der Galerie Heubühne Oberdiessbach dauert noch bis am 20. Mai. Sie ist mittwochs bis samstags 15 bis 19 Uhr und sonntags 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Autor
Andreas Anderegg / Wochen-Zeitung
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Erstellt: 10.05.2012
Geändert: 10.05.2012
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